KATHOLISCHE KIRCHE

Wie ein Torgelower seinen Weg zu Gott fand

Es ist eine ungewöhnliche spirituelle Reise, die Thomas Kaiser hinter sich hat. Der Mann aus Torgelow wurde jetzt zum katholischen Priester geweiht. Dabei hat er Glauben und Kirche erst spät für sich entdeckt.
Als Diakon – einer Art Vorstufe zum Priesteramt – arbeitet Thomas Kaiser derzeit in Berlin. Wohin es ihn nach seiner heutigen Weihe verschlägt, liegt in der Hand des Erzbischofs.
Als Diakon – einer Art Vorstufe zum Priesteramt – arbeitet Thomas Kaiser derzeit in Berlin. Wohin es ihn nach seiner heutigen Weihe verschlägt, liegt in der Hand des Erzbischofs. Benjamin Lassiwe
Thomas Kaiser bei seiner Weihe. Zum katholischen Ritus gehört die Handauflegung durch einen Bischof, um zum Priester geweiht zu werden.
Thomas Kaiser bei seiner Weihe. Zum katholischen Ritus gehört die Handauflegung durch einen Bischof, um zum Priester geweiht zu werden. Screenshot Erzbistum Berlin
Torgelow.

Als Kind trug Thomas Kaiser noch ein Pionierhalstuch. Heute dagegen erkennt man den gebürtigen Torgelower am weißen Collar, dem Priesterkragen der katholischen Kirche: Denn in der Berliner St.-Matthias-Kirche wird Kaiser – zusammen mit vier weiteren Kandidaten – am heutigen Samstag vom Berliner Erzbischof Heiner Koch zum Priester geweiht. „Unsere Familie kommt eigentlich nicht aus der Kirche“, sagt Kaiser.

Alles begann im Torgelower Gospelchor

Erst nach der Wiedervereinigung hatte der 1981 geborene Theologe das erste Mal mit der Kirche zu tun – allerdings der Evangelischen. Denn in Torgelow hatte sich ein evangelischer Gospelchor gegründet. Und Thomas Kaiser liebte schon damals die Musik. So kam eines zum anderen: Aus dem Gesang im Chor wurde das Interesse für die Orgel. Kaiser ließ sich von der Kantorin unterrichten und begann nach seinem Abitur ein Kirchenmusikstudium in Greifswald. Als eine Kirchenmusikerin in der dortigen katholischen Gemeinde schwanger wurde, sprang er für eine Weile ein.

Die Nähe Gottes in Vorpommern gefunden

Aber wirklich geprägt hat den neuen Priester etwas völlig anders. „1999 sind wir mit einer großen Gruppe nach Taize gefahren“, sagt Kaiser. In der südfranzösischen Gemeinde gibt es eine Bruderschaft, die seit vielen Jahren ökumenische, europäische Jugendtreffen anbietet. Junge Christen aus der ganzen Welt treffen sich hier zum gemeinsamen Gebet. „Wir kamen damals sehr spät an, die Menschen saßen schon alle in der Kirche“, erinnert sich Kaiser. Das Gotteshaus war nur durch Kerzen erleuchtet. Die Lichterfeier der Bruderschaft hatte schon begonnen. „Beim Betreten der Kirche habe ich auf einmal etwas Besonderes gespürt, eine Wärme um mich herum“, sagt Kaiser.

Heute sagt er, er habe die Nähe Gottes in Taize gespürt. Wiedergefunden hat Kaiser dieses Gefühl in Vorpommern. In der katholischen Kirche, als er einen Gottesdienst an der Orgel begleitete. Auch da spürte er die Nähe und Wärme, die er aus Taize kannte und die er vorher, bei evangelischen Gottesdiensten, nicht gefunden hatte. „Es war plötzlich ein großer innerer Friede da.“

Kaiser entschied sich dafür, in die katholische Kirche einzutreten. Er spielte mit dem Gedanken, ins Kloster zu gehen. Sein Ortspfarrer und der damalige Erzbischof von Berlin, Georg Kardinal Sterzinsky, schlugen ihm aber vor, in Erfurt Theologie zu studieren – und er folgte dem Rat.

Sein Vater ruft an, wenn der Chef im Fernsehen ist

Wie seine Umgebung auf seinen Wunsch, Priester zu werden, reagierte? „Meine Mutter geht jetzt wieder regelmäßig in den evangelischen Gottesdienst“, sagt Kaiser. „Und mein Vater ruft mich manchmal an, wenn er Papst Franziskus – meinen Chef – im Fernsehen gesehen hat.“ Was dem angehenden Priester gefällt – denn wenn man mit ihm redet, spricht er in Hochachtung von Papst Franziskus.

Schreckliche Erfahrungen in der Kirche

Was er den heutigen Papst Franziskus bei einem Besuch in Rom gern fragen würde? „Warum er die vielen guten Ideen, die er zur Reform der katholischen Kirche hat, noch nicht in die Tat umsetzen konnte“, sagt Kaiser. „Was ihn im Vatikan daran hindert.“

Denn dass es in der katholischen Kirche auch Probleme gibt, musste auch Kaiser schon erfahren. Als Diakon begegnete er Menschen, die von einem Priester missbraucht wurden und die sich mir ihren viele Jahre zurückliegenden Erfahrungen an ihn wandten. „Die Erfahrungen, die diese Menschen machen mussten, haben mich zornig und wütend gemacht“, sagt Kaiser. „Und aber auch ein Ohnmachtsgefühl bei mir hinterlassen – so etwas darf es in der Kirche einfach nicht geben.“ Er selbst will als Priester jedenfalls darauf achten, dass es in seinen Pfarreien keine Grenzüberschreitungen gibt. „Ein guter Pfarrer sollte zuhören können und die Probleme der Menschen und ihre Sorgen ernst nehmen“, sagt Kaiser. Er müsse aber auch delegieren können und „ein großes Vertrauen in die Brüder und Schwestern in der Pfarrei haben.“ Denn nur wenn alle gemeinsam an einem Strang zögen, könnte die Arbeit in der Gemeinde gelingen.

Live-Mitschnitt der Weihe

Die Corona-Krise ist für Kirchen und Gläubige mit massiven Einschnitten in der Religionausübung verbunden. Die Weihe der fünf neuen Priester findet in Berlin weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Per Videoübertragung kann die Messe aber mitverfolgt oder im Nachgang gesehen werden.

 

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