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Vorpommerns Ausbilder trotzen der Corona-Krise

Die Prüfungen finden statt, also stehen für viele Schüler wichtige Entscheidungen an. Wie steht es um Ausbildungsplätze in der durch Corona-Maßnahmen geschwächten Wirtschaft?
Hannes Fischer leitet die Fahrzeug- und Anlagentechnik GmbH in Ferdinandshof. Er stellt trotz Corona-Krise ein.
Hannes Fischer leitet die Fahrzeug- und Anlagentechnik GmbH in Ferdinandshof. Er stellt trotz Corona-Krise ein. Philipp Schulz
Ferdinandshof.

Vor wenigen Wochen haben die Schulen den Unterricht wieder aufgenommen – zumindest für die Klassen, die einen Abschluss anstreben. Das hat auch zeitliche Gründe. Während die Bewerbungsfristen für die Universitäten verschoben sind und das kommende Wintersemester erst am 1. November, also einen Monat später als gewohnt, beginnen wird, sollen Ausbildungen wie geplant starten.

Doch stellen Unternehmen während der Corona-Krise überhaupt ein oder ist die Lage zu unsicher? Zunächst ist festzustellen: Schüler mit Abschluss, die eine Ausbildung beginnen wollen, gibt es genug. Die Agentur für Arbeit zählt ein Ausbildungsjahr vom 1. Oktober bis zum 30. September. Im April war also Halbzeit. Die Auswertung zeigt: Seit Beginn des Ausbildungsjahres haben sich 1038 Mädchen und Jungen als Bewerber bei den Behörden im Kreis Vorpommern-Greifswald gemeldet. Nach einem halben Jahr haben noch 657 von ihnen eine Ausbildung gesucht – mehr als im Vorjahr. Der Wunsch, in der Region ausgebildet zu werden, besteht unverändert. Laut der Statistik wollen die Unternehmen auch weiterhin einstellen. Den rund 650 suchenden stehen 1139 von der Arbeitsagentur registrierte Ausbildungsstellen gegenüber.

Vorstellungsgespräche und Paraktika fielen aus

Andreas Wegner, Chef der Arbeitsagentur im Kreis, schätzt die Lage nüchtern ein, sieht aber Corona als Grund für Verzögerungen: „Ende April liegen natürlich noch keine endgültigen Zahlen für den Ausbildungsmarkt vor. Die Unternehmen konnten aufgrund der Kontaktbeschränkungen geplante Vorstellungsgespräche oder Praktika nicht durchführen. Die Entscheidung über die Einstellung von Auszubildenden verschiebt sich daher in einigen Betrieben“, erklärt er. Bis September sei jedoch noch viel Zeit. Trotzdem gibt es Unternehmen, die trotz schwächelnder Wirtschaft bereits Nägel mit Köpfen gemacht haben.

Eines dieser Beispiele ist die Fahrzeug- und Anlangentechnik GmbH. Das Unternehmen betreibt Standorte in Ferdinandshof und Friedland, ist Vertragspartner für MAN und Unimog-Fahrzeuge. Aktuell arbeiten 22 Angestellte für Kunden wie die Bundeswehr, Landwirte, Baufirmen und Speditionen. Seit März vergangenen Jahres leitet Hannes Fischer die Geschicke der Werkstätten. Er ist geschäftsführender Gesellschafter, gemeinsam mit der Friedländer Landhandels- und Dienste GmbH. Rund 400.000 Euro wurden seitdem in die Modernisierung des Unternehmens gesteckt. Trotz Corona-Krise, den entsprechenden Maßnahmen und wirtschaftlichen Folgen, will er sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. „Wir haben Kurzarbeit angemeldet, aber aktuell haben wir noch genug zu tun“, erklärt Fischer. Alle Mitarbeiter arbeiten noch voll. Trotzdem werden die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auch in den Werkstätten deutlich. Die Wirtschaft ist eng verwoben. „Wenn der Bauunternehmer weniger zu tun hat, bewegt er die Transporter nicht. Gleiches gilt für die Bundeswehr. Auch dort gab es eine Ausgangssperre – für Soldaten und Technik.

Arbeitsagentur-Chef appelliert an Unternehmen

In der Branche herrsche eine große Unsicherheit, so Fischer. Trotzdem will er weiter ausbilden: „Junge Leute auszubilden, ist für uns essenziell. Es stand nicht einen Moment zur Debatte, in diesem Monat keine Auszubildenden einzustellen.“ Fischer hat seine zwei Glücklichen in diesem Jahr auch schon ausgewählt. Unter 15 Bewerbern hat er eine neue Kauffrau für Büromanagement und einen Mechatroniker-Lehrling gefunden. Im vergangenen Jahr waren es drei Mechatroniker, die sich Fischer ins Unternehmen geholt hat – zwei für den Standort Ferdinandshof und einen in Friedland. Sorgen um Nachwuchs macht er sich nicht. „Die Zahl der Bewerbungen zeigt schon, dass die jungen Leute gerne in der Region bleiben, dafür wollen wir eine Perspektive bieten“, erklärt Fischer weiter.

Agentur-Chef Wegner unterstützt diese Einstellung und appelliert an Unternehmen daran zu denken, dass es auch nach der Krise einen großen Bedarf an Fachkräften geben werde. Schon jetzt seien Engpässe im Handwerk, dem Gastgewerbe und im verarbeitenden Gewerbe sichtbar. Ein Zustand, der durch wegbrechende Ausbildungsplätze nicht besser wird.

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Kommentare (1)

Er braucht ein neues Hemd... 😂