Streit um Pommernkogge „Ucra“
Verärgerter Kapitän sieht schwarze Zahlen

Das ehrenamtliche Team der „Ucra“ hat viel Fleiß und Arbeit in die Pommernkogge gesteckt.
Das ehrenamtliche Team der „Ucra“ hat viel Fleiß und Arbeit in die Pommernkogge gesteckt.
Lutz Storbeck/Archiv

Es sieht so aus, als ob jemand die Pommernkogge „Ucra“ vorsätzlich auf Grund setzen will. Den Eindruck jedenfalls hat Werner Löwe, ehrenamtlicher Kapitän der Ostsee-Kogge. Er bezieht sich auf Äußerungen eines Torgelower Stadtvertreters.

Besonders geärgert hat sich Werner Löwe über die Aussage, wonach die „Ucra“ im Grunde gar nicht für Fahrten auf dem Haff geeignet sei. Der Tiefgang sei dafür zu groß, hatte Matthias Krins angeführt, Stadtvertreter in Torgelow und Vorsitzender des Finanzausschusses des Kreistages Vorpommern-Greifswald. „Das stimmt so nicht“, weiß der Kapitän. Die Pommernkogge hat – ähnlich wie andere Schiffe, die auf dem Haff fahren – einen Tiefgang von 2,60  Metern. Damit kann die „Ucra“ bis zur Ansteuerung Ueckermündes in der Fahrrinne fahren und dann auch auf dem Haff, dann sei das Gewässer frei schiffbar. Immerhin hat das Haff eine durchschnittliche Tiefe von 4,50 Metern. „Es gibt natürlich auch Untiefen und Stellen, wo man aufpassen muss, am Repziner Haken zum Beispiel“, sagt der Kapitän, der solche Stellen gut kennt. „Herr Krins sollte sich eine Seekarte nehmen, da stehen alle Wassertiefen drin“, sagt Werner Löwe.

Berechnung: Kogge lässt sich wirtschaftlich betreiben

Was die Finanzierungsfragen angeht, die der Torgelower kritisch angesprochen hat, so kann Werner Löwe das nicht nachvollziehen. Bemängelt worden war unter anderem, dass es keine Wirtschaftlichkeitsberechnung gegeben haben soll. Das stimmt so allerdings nicht, sagt der Kapitän. Es hat schon vor längerer Zeit eine solche Berechnung gegeben, und die musste seinerzeit auch den Torgelowern vorgelegt und erläutert werden – schließlich ist die Stadt die Schiffseignerin. Und wer die Torgelower Experten kennt, der weiß, dass sie bei größeren Zweifeln das Projekt wohl schon damals auf Eis gelegt hätten.

Aus diesen Berechnungs-Unterlagen geht laut dem Kapitän hervor, was Matthias Krins anzweifelt: Die Kogge lässt sich nach einer gewissen Anlaufzeit wirtschaftlich betreiben. „Das merken wir unter anderem an der Zahl der Anmeldungen, die jetzt schon bei uns vorliegen“, sagt Löwe. Er geht davon aus, dass schwarze Zahlen geschrieben werden, sobald die Kogge fährt. Insofern sollte nun, wo die „Ucra“ endlich ins richtige Fahrwasser zu kommen scheint, nicht verhindert, sondern noch mal richtig zugelegt werden.

Schiff wird auf Stettiner Werft gebracht

Dass die Stadt Torgelow kürzlich noch einmal 40.000  Euro beigesteuert hat, um die Kogge seeklar zu bekommen, sei einer deutlichen Mehrheitsentscheidung der Torgelower Stadtvertreter zu verdanken. Er verstehe nicht, warum Matthias Krins nun mit dem Ergebnis hadert. „Er hätte doch vorher auch mal etwas dazu sagen können“, sagt Werner Löwe.

Was die Kogge angeht, so ist das nächste größere Ziel, die „Ucra“ auf die Werft nach Stettin zu bringen. Dort sollen die letzten Arbeiten fachmännisch erledigt werden, bevor es dann wirklich für die Kogge heißt „Leinen los zum großen Törn“. „In diesem Jahr wird das aber wohl nichts mehr, ich sehe das für das zeitige Frühjahr“, sagt der Kapitän. Und dann, hoffen er und seine ehrenamtlichen Crew-Mitglieder, werden auch Gerüchte, ob die Kogge jemals fahren kann, verstummen.