KNATTER-SCHÄTZE

Simson, Schwalbe oder Star: In Lübs ist nichts rar

Ob S 50, S 51, Habicht, Star oder Schwalbe – die Zweitakter aus Suhl sind begehrt wie nie. Die Simsonfreunde aus Lübs haben sie alle gehortet und machen Ausflüge mit den DDR-Kultmopeds.
Eine Garage voller DDR-Schätze: Bodo Gorczewitz mit seiner grünen Simson-Schwalbe.
Eine Garage voller DDR-Schätze: Bodo Gorczewitz mit seiner grünen Simson-Schwalbe. Valentino Richter
Kein Schnickschnack: Tacho, Kilometerzähler und Zündschloss – mehr Anzeigen gibt es bei der Simson-Schwalbe ni
Kein Schnickschnack: Tacho, Kilometerzähler und Zündschloss – mehr Anzeigen gibt es bei der Simson-Schwalbe nicht. Lutz Storbeck
Auch beim Tag der offenen Tür im Ueckermünder DDR-Museum haben die Lübser Simsonfreunde schon ihre Zweiräd
Auch beim Tag der offenen Tür im Ueckermünder DDR-Museum haben die Lübser Simsonfreunde schon ihre Zweiräder (im Hintergrund) präsentiert. Lutz Storbeck
Die Simsonfreunde treffen sich auch im Winter zu Ausfahrten …
Die Simsonfreunde treffen sich auch im Winter zu Ausfahrten … Katja Richter
Hier fuhren sie auffällig im Weihnachtsmannkostüm.
Hier fuhren sie auffällig im Weihnachtsmannkostüm. Valentino Richter
Lübs.

Da hat Bodo Gorczewitz seine Schatzkammer ganz weit für neugierige Reporter geöffnet. In der Garage in Lübs stehen sie aufgereiht, seine zweirädrigen Schönheiten. Fast alle aus der Mopedschmiede im thüringischen Suhl – nur eine dunkelblaue ETZ stört den Simson-Reigen. Wobei, die Zschopauer 250er stört ja nicht wirklich. Auch sie ist Teil der Geschichte der DDR-Fahrzeugproduktion und gehört also auch mit zum kulturellen Vorwende-Erbe.

Kickstart, typischer Geruch, Knatter-Sound

60 Jahre alt ist der Lübser, seine Fahrzeuge sind etwas jünger, gehen aber dennoch schon als Oldtimer durch. Wobei das nicht falsch verstanden werden darf: Oldtimer sind seine Simson-Zweiräder nur dem Alter nach. Ansonsten tipptopp in Schuss. Wie der Startversuch der grünen Schwalbe zeigt: Ein paar Mal wird der Kickstarter durchgetreten, ein bisschen am Gasdrehgriff gespielt – und schon startet der 50-Kubik-Zweitakt-Motor und lädt sein charakteristisches Lied erklingen. Simson-Freunde lieben diesen Sound, auch wenn das Benzin-Öl-Gemisch einen ganz typischen Geruch erzeugt, der nicht jedermanns Gefallen findet.

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Muss er auch nicht, den Simson-Fans klingt es wie Musik und duftet nach Abenteuer und Jugend. Das finden übrigens gar nicht so Wenige, sagt Gorczewitz, und es sind nicht nur reifere Menschen darunter. Sondern auch Jüngere – Frauen wie Männer. Als er vor ein paar Jahren die grüne Schwalbe kaufte, sie wieder zum Leben erweckte, erste Runden damit drehte und auch mit anderen darüber ins Gespräch kam, hat es nicht lange gedauert, da fanden sich gleich mehrere Freunde dieser Fahrzeuge zusammen. Da lag die Idee nahe, einen Verein Gleichgesinnter aus der Taufe zu heben. Die Simsonfreunde Lübs waren geboren. „Mit drei Leuten haben wir den Verein gegründet, und die Idee entstand bei einem Kumpel, bei einem Bier“, sagt der Lübser.

Ein Drittel der Mitglieder sind Frauen

Der Kreis der Interessenten wurde größer. Leute aus dem Altkreis Ueckermünde stießen dazu, aus Heinrichswalde, aus Grambin, Ueckermünde, Blumenthal... „Es waren aber nicht nur welche von hier, auch junge Leute, die hier mal gewohnt haben“, sagt Gorczewitz. Weit über 30 seien sie in den Anfangszeiten gewesen. Inzwischen deutlich weniger. Die jungen Leute ziehen der Arbeit nach oder einer Ausbildung. Anderen sei die Familie wichtiger als das Simson-Hobby. Was auch verständlich ist, aber auch anders zu händeln wäre. Frauen machen immerhin ein Drittel der Vereinsmitglieder aus, da könnte so ein Suhler Fahrzeug doch zum gemeinsamen Hobby werden, meint Gorczewitz.

Gemeinsame Ausflüge und Touren

Die Simsonfreunde treffen sich regelmäßig. Wenn auch im Moment nicht ganz so oft. Oldtimertreffen, normalerweise immer regelmäßig gesetzte Ausfahrtziele für die Technikfans, seien in diesem Jahr wegen Corona abgesagt worden. Es gibt trotzdem gemeinsame Touren, aber weniger.

Zwei Ereignisse haben die Lübser Simsonfreude aber dennoch stets im Jahres-Kalender: die Hauptversammlung im Februar und ihr Fest, das unter normalen Umständen immer am zweiten Juni-Wochenende gefeiert wird.

Ein Vereinsheim im herkömmlichen Sinne gibt es nicht, sagt der Lübser. Man treffe sich auf dem Grundstück eines Vereinsfreunde – und gut ist. Übrigens haben die Simsoner keinen Vereinschef. „Das haben wir von Anfang an so ausgemacht“, sagt Gorczwitz. Allerdings hält er schon die organisatorischen Fäden in den Händen, und das gemeinsam mit Mathias Herrlich, so dass Informationen schnell an die anderen weitergeleitet und gemeinsame Touren ohne großen Aufwand geplant werden können.

Der Lübser hat die Simson S 51 zwar ins Herz geschlossen. Die allerersten Erfahrungen mit der Mopedmarke aus dem Osten hat er aber mit einem anderen Modell gemacht: mit einem „Habicht“. Wer weiß, vielleicht findet noch ein Exemplar dieses Typs Platz in Gorczwitz‘ Garage.

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