EISENGIEßEREI

▶ Lkw-Sperren aus Torgelow im Anti-Terror-Kampf

Den meisten Umsatz macht die Eisengießerei Torgelow mit der Produktion von Windrädern. Neu im Angebot hat sie Sperren zur Abwehr von Terroranschlägen, wie die Lkw-Todesfahrt in Berlin.
Die Antiterrorsperren wurden sogar schon am Markt in Ueckermünde gesehen – für Filmaufnahmen.
Die Antiterrorsperren wurden sogar schon am Markt in Ueckermünde gesehen – für Filmaufnahmen. NK-Archiv
Keine Ausnahme für den Chef! Auch Peter Krumhoff trägt beim Betreten der Gießereihallen einen Schutzhelm.
Keine Ausnahme für den Chef! Auch Peter Krumhoff trägt beim Betreten der Gießereihallen einen Schutzhelm. zVg
Hier wird einem der riesigen Gussteile der letzte Schliff gegeben.
Hier wird einem der riesigen Gussteile der letzte Schliff gegeben. NK-Archiv/Klaus Möller
Das Eisen wird auf 1500 Grad erhitzt, bevor es gegossen wird.
Das Eisen wird auf 1500 Grad erhitzt, bevor es gegossen wird. Joern Lehmann/zVg
Torgelow.

Sie bringen nur einen geringen Teil des Gesamtumsatzes, aber ihre Herstellung zeigt, dass es in der Eisengießerei Torgelow nicht nur gute Ideen gibt, sondern, dass sie hier auch umgesetzt werden. „CitySafe“ heißt das neue Produkt, das Anschläge wie den an der Berliner Gedächtniskirche verhindern soll. Am Montag nach dem 4. Advent 2016 war dort ein Lkw absichtlich in den Weihnachtsmarkt gefahren worden. Zwölf Menschen starben damals, mehr als 70 wurden teilweise schwer verletzt.

Eisengießerei-Geschäftsführer Peter Krumhoff: „Wir haben nach dem Anschlag Antiterrorsperren entwickelt, die sicherer sind als Betonblöcke oder Wassercontainer. Das haben Crashtests ergeben.“ Eine Sperre kostet 4200 Euro. 350 sind bereits verkauft. Sie stehen in der Schweiz, Österreich, Italien, Skandinavien. Aber auch in Rostock, Duisburg und Hamburg, wo sie im Mai beim Hafengeburtstag eingesetzt worden sind. Krumhoff ließ die Idee patentieren, ist überzeugt davon, dass „CitySafe“ das Zeug dazu hat, zum Verkaufsschlager zu werden.

Etwas, was eine offene Gesellschaft ermöglicht

„Die Sperren sind mobil und in weniger als 30 Sekunden zur Seite gebracht. Sie sind keine uneinsehbare Festung, flucht- und paniksicher, wartungsfrei. Die halten ewig – so lange wie ein Gullydeckel“. 800 Kilogramm schwer ist einer der hüfthohen, schlanken Eisenpoller. Krumhoff: „Wir wollten etwas haben, was uns nicht einengt, sondern wollten was entwerfen, was eine offene Gesellschaft ermöglicht. Die Leute sollen durchgehen können und eigentlich gar nicht merken, dass sie von den Lkws getrennt werden.“

In einem Unternehmensfilm stellt die Eisengießerei Torgelow die neuen Sperren vor:

Wie sehr sich „CitySafe“ von den anderen Produkten aus der Eisengießerei abgrenzt, zeigt sich beim Rundgang durch die drei Werkhallen. Krumhoff trägt Schutzhelm und Schutzbrille: „Hier stellen wir zum Beispiel Rotornaben und Maschinenträger für Windkrafträder her, Kurbelgehäuse für Großmotoren, Gehäuse für Gas-, Wasser- und Dampfturbinen.”

Krumhoff war im Jahr 2012 aus der Hamburger Windenergiebranche nach Vorpommern gewechselt: „Im Bereich Windenergie haben wir eine gute Auftragslage.“ Ende des Jahres 2018 erhielt die Eisengießerei den bisher größten Auftrag ihrer Firmengeschichte: Sie soll Windräder im Wert von 37 Millionen Euro produzieren. Bestellt hat sie eine europäische Firma, die in den USA Windkraftanlagen errichten will. Krumhoff: „Europaweit kann nur die Eisengießerei Torgelow einen solchen Auftrag erfüllen.“

84-Tonnen-Motorblock mit 28 000 PS

In einer der Hallen steht ein Motorblock, der auf Schiffen oder der stationären Energieerzeugung eingesetzt werden könnte. Er ist elf Meter lang, 84 Tonnen schwer. Krumhoff errechnet auf dem Smartphone die Leistung: „28 000 PS!“

2018 machte die Eisengießerei 50 Millionen Euro Umsatz. „Das war nicht gut, dieses Jahr werden es etwa 60 Millionen Euro sein“, sagt Krumhoff. 310 Mitarbeiter überwiegend in Vollzeit hat die Eisengießerei, davon 28 Auszubildende. Fünf Azubi-Plätze sind dieses Jahr noch frei. Krumhoff wirbt: „Wir legen Wert darauf, dass bei uns die Arbeit von Facharbeitern erster Güte verrichtet wird. Es ist ein sicheres Berufsbild. Nach der Ausbildung werden die Azubis in aller Regel übernommen.“

Mehr Unterstützung wünscht sich der Eisengießerei-Geschäftsführer von der Politik: „Unsere Hauptkonkurrenten auf dem Weltmarkt kommen aus China, werden mit staatlichen Subventionen unterstützt. Die EU muss viel mehr tun, um die heimische Industrie zu schützen.“ Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) setzt sich für den Standort ein: „In der Eisengießerei Torgelow schlägt das industrielle Herz der Region.“

 

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