TOTE LEONIE

Landgericht Neubrandenburg lässt Anklage gegen Stiefvater zu

Vor sechs Monaten starb die sechsjährige Leonie in Torgelow. Ihr Stiefvater gab an, sie sei eine Treppe hinuntergestürzt. Die Staatsanwaltschaft geht von Misshandlungen aus.
dpa
Sechs Monate nach dem Tod der sechsjährigen Leonie hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Stiefvater erhoben.
Sechs Monate nach dem Tod der sechsjährigen Leonie hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Stiefvater erhoben. Tilo Wallrodt
Neubrandenburg.

Sechs Monate nach dem Tod der sechsjährigen Leonie in Torgelow (Vorpommern-Greifswald) hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Stiefvater erhoben. Wie eine Behördensprecherin sagte, werden dem zur Tatzeit 27 Jahre alten Mann „Mord durch Unterlassen” und sieben Fälle der Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Das Landgericht Neubrandenburg, wo der Prozess stattfinden soll, habe die Anklage zugelassen. Der Beschuldigte soll den Tod des Mädchens verschuldet sowie Leonie und ihren kleineren Bruder vorher mehrfach misshandelt haben.

Das Mädchen war am 12. Januar tot in der Wohnung der Familie in Torgelow gefunden worden. Der Stiefvater bestritt laut Staatsanwaltschaft bisher eine Schuld. Er habe angegeben, das Mädchen sei eine Treppe hinuntergestürzt. Ermittler vermuten aber, dass Leonie schwer misshandelt wurde und an den Verletzungen starb, weil niemand Hilfe holte.

Die Mutter hatte lange in Wolgast gelebt, sich dann aber vom leiblichen Vater getrennt. Sie war mit ihren zwei Kindern und dem Stiefvater, von dem sie ein weiteres Baby hat, nach Torgelow gezogen. Der Fall sorgte über Mecklenburg-Vorpommern hinaus für Aufsehen, auch weil der Beschuldigte wenige Tage nach dem Fund der Toten nach einer Vernehmung in Pasewalk im gleichen Landkreis aus einem Polizeigebäude fliehen konnte. Er war nach einer Woche wieder gefasst worden. 

Zwei Tage nach dem Vorfall brachte das Jugendamt den jüngeren Bruder der Toten beim leiblichen Vater in Wolgast unter. Dieser erhob ebenfalls Vorwürfe gegen den Stiefvater, woraufhin auch der Zweijährige untersucht und Verletzungen festgestellt worden waren. Die Mutter wurde mit ihrem Baby in eine Mutter-Kind-Einrichtung gebracht, wo sie nach Angaben des Landkreises derzeit noch sein soll. Gegen die Frau wird ebenfalls ermittelt, weil sie die Misshandlungen und Verletzungen ihrer Tochter bemerkt haben soll, aber auch keine Hilfe geholt habe.

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Kommentare (1)

Es ist schon beschämend, daß eine Anklage wegen Mord erst auf Zulassung geprüft werden muss.