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Tiefes Loch im Garten

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Hilfe, wir haben Biber!

Erwin Müssig (73) hält seinen Spaten ins Loch, um dessen Tiefe zu messen, kommt auf 90 Zentimeter. Am Montag war er ins Loch gekracht. Inzwischen stellt er den auf dem Boden liegenden Tisch drüber, um die Gefahrenquelle abzudecken.
Erwin Müssig (73) hält seinen Spaten ins Loch, um dessen Tiefe zu messen, kommt auf 90 Zentimeter. Am Montag war er ins Loch gekracht. Inzwischen stellt er den auf dem Boden liegenden Tisch drüber, um die Gefahrenquelle abzudecken.
Holger Schacht

Dass die Gefahr im eigenen Garten lauert, das hätte Rentner Erwin Müssig (73) nicht für möglich gehalten. Am Montag war er in ein90 Zentimeter tiefes Loch gekracht. Und der Biber treibt auch in der Nachbarschaft sein Unwesen.

Fassungslos geht Erwin Müssig im Garten in die Hocke, zeigt mit dem Spaten, wie tief das Loch ist. 90 Zentimeter! Es ist ein Biber, der unter dem 2000 Quadratmeter großen Grundstück in Hammer sein Unwesen treibt. Müssigs Ehefrau Tina (68): „Im Moment fühle ich mich nicht wohl hier, ich habe Angst.“ Sie treibt die Sorge um, dass ihr dasselbe passieren könnte wie am Montag ihrem Mann. Der hatte den Grasboden unter den Füßen verloren, war in die von oben unsichtbare Grube hineingekracht. Tina Müssig: „Ich habe ein künstliches Kniegelenk, hätte mich schmerzhaft verletzen können, bin jetzt bei jedem Schritt vorsichtig.“

Angefangen hatte der Biber-Ärger bereits im Winter. Im Schnee entdeckte das Rentner-Ehepaar immer wieder etwa fünf Zentimeter große Tatzenspuren: „Wir dachten, dass hier nachts ein Hund unterwegs ist, heute wissen wir es besser.“ Vor dreieinhalb Jahren waren die Müssigs aus Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) an die Uecker gezogen. Die Doppelhaushälfte liegt nahe eines kleinen Bachs. Von dort aus muss sich der Nager seine Höhle gebaut haben. Erwin Müssig: „Bei den Nachbarn, aber auch bei uns, sind bereits zahlreiche Bäume angefressen.“ Das Ehepaar hofft nun auf Hilfe von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises: „Sie könnten den Biber einfangen, an anderer Stelle aussetzen.“ Erreicht hat Erwin Müssig noch nichts. Für Tina Müssig ist klar: „Auch wenn der Biber unter Naturschutz steht, hier muss etwas passieren.“

Nager zerstören selbst asphaltierte Straße

Das denken sich die Bürger von Vogelsang-Warsin bereits seit Jahren. Dort werden sie vom Biber und von der Politik auf eine zermürbende Geduldsprobe gestellt. Unerbittlich fressen sich die Tiere den Kanalweg entlang, sorgen auf der einzigen offiziellen Zufahrt zum Strand für Gefahr, zerstören die asphaltierte Straße. Vogelsang-Warsins Bürgermeister Ingo Grönow ist sauer und verzweifelt, denn der Biber schlug im vergangenen Monat wieder zu (der Nordkurier berichtete). Ende Juli sagte Grönow dem Nordkurier: „Das Land hat im Jahr 2015 Hilfe angekündigt, doch passiert ist bisher nichts. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Zunächst hatte Till Backhaus (SPD), Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister, bei einem Besuch in Vogelsang-Warsin versprochen, nach einer Lösung zu suchen. Später schaltete sich der damalige SPD-Landtagsabgeordnete und heutige Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann in die Problematik ein. Nicht nur in Hammer und Vogelsang-Warsin haben die Bürger keine Lust, mit dem Biber zu leben. Betroffen ist auch die Gemeinde Hintersee.

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Kommentare (2)

ist dort nicht allein. Ganz sicher nicht! Und es werden immer mehr. Den Behördenmitarbeitern fehlt der Mut und die Entschlossenheit. Auch aus Angst vor Strafanzeigen von linken Tierschützern, den sogenannten Aktivisten. Doch wenn nichts getan wird, dann machen die Biber aus dem Bach bald einen See.

und seine Frau werden sich selber zu helfen wissen müssen. Einfach wird das nicht. Biber sind schwer zu vertreiben aus ihrem Revier. Und der Garten der Müssigs ist ein Teil davon. Von unter her graben sie Wege, wo es ihnen passt.