NACHRUF

Eine ganze Region trauert um Tätowierer "Ralfi"

Familie, Freunde und Weggefährten sind zutiefst betroffen vom Tod ihres geliebten „Ralfi“. Aber auch hunderte Menschen aus der Region kannten, schätzten und mochten den Ueckermünder Tätowierer Ralf Mentzel. Sie teilten zahlreiche „intime“ Momente mit ihm.
Ralfi (rechts) wurde von vielen auch der „Pollerwächter“ genannt. Seinen Kumpel Ralf Nauschütz (Nacky) k
Ralfi (rechts) wurde von vielen auch der „Pollerwächter“ genannt. Seinen Kumpel Ralf Nauschütz (Nacky) kennt er schon aus Kindertagen. Die beiden lagen schon in der Wochenkrippe als Babys nebeneinander. ZVG
Eine ganze Region trauert um Tätowierer „Ralfi“.
Eine ganze Region trauert um Tätowierer „Ralfi“. Fotostudio am Haff
Ueckermünde.

Wenige Worte – und doch sagen sie so viel: „Wir nehmen Abschied in Trauer um unseren Freund Ralfi“, das steht auf einem Blatt Papier im Fenster der Studiotür. Unzählige brennende Kerzen erhellen das Schaufenster seines „Tattoo Cabinets“ in der Ueckerstraße. Als beliebter und bekannter Tätowierer in Ueckermünde hat Ralf Mentzel zahlreiche Menschen der Region geprägt und sie mit seinen Tattoos durch schöne, aber auch traurige Lebensabschnitte begleitet, ihnen Mut gemacht und neues Selbstbewusstsein geschenkt. Der 54-Jährige, der von allen liebevoll „Ralfi“ genannt wurde, kannte sie alle, die persönlichsten und intimsten Geschichten, die man sonst nur den engsten Vertrauten erzählt. Die Geschichten hinter den Tattoos, die er seinen Kunden mit größter Sorgfalt unter die Haut gestochen hat.

Er war schon immer sehr kreativ

Seine eigene Geschichte hat er nun selbst zu Ende geschrieben. Ralfi ist für immer von uns gegangen, und die Trauer in der Haffregion sitzt tief.

„Ralfi hat nie etwas dem Zufall überlassen“, erzählt seine Exfrau, Freundin und enge Vertraute Anna Schöne. „Er hat seinen Frieden gefunden. Wir vermissen ihn schmerzlichst.“

Der gelernte Werkzeugmacher und ehemalige Diskotheker war schon immer sehr kreativ und hat gern und viel gezeichnet, erinnert sich eine weitere Freundin und enge Vertraute. Doch damals dachte der leidenschaftliche Biker noch nicht ans Tätowieren. „Ralfi konnte Stunden damit verbringen, einfach nur Musik zu hören.“ Außerdem habe er viel gelesen, um seinen Wissensdurst zu stillen.

Der 11-Uhr-Termin gehörte immer seiner Mutter

Vor fast zwei Jahrzehnten absolvierte Ralf Mentzel einen Tattoo-Workshop und machte seine kreative Ader zum Beruf. Er wurde Tätowierer und das mit ganzem Herzen. Seine Kunden schätzten und liebten ihn. Sie konnten ihm vertrauen und manch einer wurde zum echten Freund, so wie Kinobetreiber Christian Guhl. „Als junger Unternehmer erhielt ich von Ralfi viele gute Ratschläge. Er hatte immer ein offenes Ohr und Ideen“, erinnert sich der Ueckermünder Geschäftsmann.

„Ralf Mentzel gehörte ganz einfach zum Ueckermünder Stadtbild. Bei schönem Wetter genoss er die Kaffeepause vor seinem Geschäft, direkt am Poller“, berichtet auch Bürgermeister Jürgen Kliewe und nennt ihn den „Pollerwächter“. „Er war stets freundlich und wird uns fehlen“, so Kliewe. „Bevor der Tätowierer jedoch jeden Tag seine Arbeit im Studio aufnahm, sah man ihn mit dem Telefon am Ohr, denn der 11-Uhr-Termin gehörte jeden Tag nur einer einzigen Person, seiner Mutti.“

Er hatte das Herz am rechten Fleck

Seine engsten Freunde sind sich einig, ihr Ralfi hatte das Herz am rechten Fleck und hat aus jeder Situation, schien sie auch noch so ausweglos, das Beste gemacht. „Wir haben nicht einmal erlebt, dass er den Kopf in den Sand gesteckt hat. Er hatte irgendwie immer ein Lächeln im Gesicht, und man konnte stundenlang gute und ernste Gespräche mit ihm führen.“

Der Torgelower Biker-Club plant ein Konzert für ihn

Seinen Mitmenschen wird seine unfassbare Wortgewandtheit, sein Humor, seine Intelligenz und seine Herzlichkeit für immer in Erinnerung bleiben. Ralfi genoss die Gesellschaft anderer Menschen genauso sehr wie die Ruhe. Er ging gern nach Feierabend essen, bereiste gemeinsam mit Freunden ferne Länder, liebte den Tauchsport und das Motorradfahrern mit seinen Jungs vom Torgelower Biker-Club, den Dragons MC, die im Dezember ein Benefiz-Konzert für ihn veranstalten werden. Ralfi verstand es, seine Mitmenschen zum Lachen zu bringen, sie aufzuheitern, trotz seiner oft nachdenklichen und melancholischen Art. „Er war stets korrekt, freundlich und immer für andere da“, so seine Freunde. Er liebte die Filme „Fluch der Karibik“ und erfreute sich an den kleinen Minions, die überall in seinem Studio zu finden sind.

„Wenn ich in diesen Tagen morgens aufwache, dann weiß ich, Ralfi ist immer da und wird es auch bleiben. Er lebt in unseren Tattoos weiter. Ich bin mir sicher, dass ganz viele Menschen so denken“, sagt Freundin Simone Müller Koch.

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Ueckermünde

Kommende Events in Ueckermünde (Anzeige)

zur Homepage