AHA-REGELN

Zurzeit wird nur mit Diego gekuschelt

Mit 60 Jahren und Asthma gehört Ute Kaufmann zur Corona-Risikogruppe. Dass sich die Dedelowerin an Auflagen hält, hat aber weniger mit ihr selbst zu tun.
Der siebenjährige Rüde sorgt dafür, dass Ute Kaufmann nicht nur Schmuseeinheiten bekommt, sondern auch täg
Der siebenjährige Rüde sorgt dafür, dass Ute Kaufmann nicht nur Schmuseeinheiten bekommt, sondern auch täglich an der frischen Luft ihre Abwehrkräfte stärkt. Claudia Marsal
Dedelow.

Ute Kaufmann ist in diesem Jahr 60 geworden. Doch das Alter sieht man der zweifachen Mutter nicht an. Sie geht locker für ein Jahrzehnt jünger durch. Hier und da schmerzten die Knochen aber schon, räumt die Dedelowerin lachend ein: „20 bin ich eben doch nicht mehr.“ Deshalb gehe sie mit ihrer Gesundheit auch pfleglicher denn je um, setzt sie nachdenklich hinzu; wohlwissend dass sie nach Definition der Corona-Experten bereits zur Risikogruppe zählt, zumal sie an allergischem Asthma leidet.

Dass sie sich aktuell an Vorgaben wie Kontaktbeschränkungen und sämtliche Hygienevorgaben hält, hat allerdings weniger mit ihr selbst zu tun, betont Ute Kaufmann schnell: „Ich persönlich denke ja, dass ein gutes Immunsystem der wirksamste Schutz ist.“ Gesundes Essen, viel Vitamine, Gartenarbeit, vernünftiges Stressmanagement, ausreichend Bewegung – damit wappnet sie sich für den Kampf gegen alle möglichen Viren. „Ich weiß wirklich nicht, wann ich das letzte Mal ernsthaft krank war.“ Ihre Haustiere helfen der großen, schlanken Frau außerdem dabei, gesund zu bleiben; allen voran der siebenjährige Beagle-Rüde Diego, der als vierbeiniger Fitnesstrainer sein Frauchen durch seine ständige Gassi-Bettelei regelmäßig an die frische Luft bugsiert. Bei Wind und Wetter dreht sie mit ihm ihre Runden um den Block, während die beiden Katzen im Warmen auf ihre Rückkehr warten. „Sie sind mein Ruhepol und passen auch auf meine Gesundheit auf“, sagt sie dankbar.

Maske kritisch gesehen

Ute Kaufmann weiß aber, dass längst nicht alle Menschen in der Lage sind, ihre Abwehrkräfte ausreichend zu stärken. „Alte und Kranke haben es da schwerer“, akzeptiert die Dedelowerin und denkt dabei vor allem an die ihr anvertrauten acht Frauen und Männer. Als Pflegekraft betreut sie in einer kleinen Prenzlauer Demenz-WG nämlich hochbetagte, oft multimorbide Senioren. Jeder einzelne von ihnen ist der Uckermärkerin ans Herz gewachsen, wie sie glaubhaft versichert. „Jeder unserer Bewohner hat bestmögliche Pflege und vor allem Respekt verdient. Ich habe Hochachtung vor der Lebensleistung meiner Klienten und möchte sie natürlich nicht in Gefahr bringen.“ Deshalb verzichtet Ute Kaufmann aktuell beispielsweise auf die geliebten Quatschrunden mit Freundinnen und Gartennachbarn. Trifft sie zufällig eine von ihnen, wird auf den Mindestabstand geachtet. Sie weiß nicht mit Sicherheit, ob das wirklich etwas bringt. Auch das Masketragen sieht Ute Kaufmann eher kritisch, vor allem in der Freizeit, denn im Job gehört es mittlerweile selbstverständlich dazu. Ebenso wie das Desinfizieren und das Fiebermessen vor Dienstantritt. „Ich bin kein Arzt und kann daher nicht sagen, wie gefährlich dieses Virus wirklich ist. Ich muss mich darauf verlassen, was von offizieller Seite zu hören ist. Und da sind nun mal wegen der Gefährlichkeit bestimmte Regeln aufgestellt worden.“

Das Nicht-Umarmen-Dürfen falle ihr beispielsweise gar nicht schwer, versichert die gebürtige Ellingerin. „Das hat vermutlich mit meinem ersten Beruf zu tun“, setzt sie schmunzelnd hinzu: „Über 30 Jahre habe ich im Kuhstall als Melkerin gearbeitet. Da hat man sich nie die Hände geschüttelt, denn die konnten auch mal schmutzig sein von der Stallarbeit.“

Kümmern nicht aufgeben

Auch zur Küsschen-hier-Küsschen-da-Fraktion habe sie nie gehört, setzt Ute Kaufmann hinzu. Sie sei eher ein Fan der norddeutschen Zurückhaltung. Was Freundlichkeit und Empathie aber nicht ausschließe, wie sie betont: „Das Füreinander-Dasein sollten wir auch in Coronazeiten nicht aufgeben.“ Ute Kaufmann kümmert sich nach Dienstschluss beispielsweise noch um den betagten Nachbarn, der mehr als sie unter der verordneten Isolation leidet. Die Schwätzchen mit dem 85-Jährigen an der Wohnungstür sind deshalb weiter an der Tagesordnung. „Es wäre schlimm, wenn das alles nicht mehr erlaubt wäre und es beispielsweise ein generelles Ausgangs- oder Besuchsverbot gäbe. Darunter würden vor allem alte Menschen sehr leiden“, sagt die als Dauernachtwache tätige Frau.

Was die von der Regierung untersagten Urlaubsreisen anbelangt, trifft sie das eher wenig. „Ich bin nie viel verreist; erst wegen der Kinder, jetzt wegen meiner Tiere nicht. Und ganz ehrlich: Geld für große Trips war eh nie da.“ Deshalb sei ihr Diego vermutlich auch seit vielen Jahren der einzige Mann in ihrem Haus. Auf dem Weg zur Arbeit und zurück lerne man nur schlecht jemanden kennen, bilanziert sie pragmatisch. „Ich bin nicht unglücklich damit. Auf meiner Zufriedenheitsskala liege ich so bei sieben. Es ist noch Luft nach oben. Wenn sich nochmal eine Beziehung ergeben würde, wäre ich nicht abgeneigt.“ Eine gute Partnerschaft trage ja nachweislich auch zum Gesundbleiben bei.

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Kommentare (2)

...bzw. wöchentliche Zeitfenster, wie und wann neue Partnerschaften eingegangen werden dürfen, ähnlich der Paarungszeit bei Tieren? Mit AHA und sonstigen Regeln geht das bei Menschen bekanntlich nicht.

Ich drück Ihnen die Daumen ! Ganz feste 👍😑👍