UCKERMÄRKERIN IN NOT

Umzugsfirma versetzt Single-Mama

Viktoria Brama fühlt sich wie in einem schlechten Film. Seit Tagen sitzt die 25-Jährige auf gepackten Koffern. Nun hofft sie auf den 6. April.
Viktoria Brama mit ihren kleinen Söhnen Jamie-Dean und Pascal – Vor allem die Kinder verstehen nicht, warum sie nic
Viktoria Brama mit ihren kleinen Söhnen Jamie-Dean und Pascal – Vor allem die Kinder verstehen nicht, warum sie nicht schon längst in der neuen Wohnung schlafen dürfen. Claudia Marsal
Den Herd hatte die 25-jährige Alleinerziehende einen Tag vor dem eigentlichen Umzugstermin schon verkauft.
Den Herd hatte die 25-jährige Alleinerziehende einen Tag vor dem eigentlichen Umzugstermin schon verkauft. Claudia Marsal
Diese Wanne sollte eigentlich nur ein stundenweises Provisorium für die Fische sein.
Diese Wanne sollte eigentlich nur ein stundenweises Provisorium für die Fische sein. Claudia Marsal
Bulldogge Ash übt sich in Geduld. Was soll sie auch sonst tun.
Bulldogge Ash übt sich in Geduld. Was soll sie auch sonst tun. Claudia Marsal
Schönfeld.

„Stopp, Jamie-Dean. Lass die Fische bitte drin.” Viktoria Brama verhindert im letzten Moment, dass ihr Ältester die bunten Flossentiere aus der weißen Babywanne fischt. Doch kaum hat sie den Dreijährigen aus dem Bad bugsiert, will sich dessen kleiner Bruder über die Guppys hermachen. Der einjährige Pascal steht staunend am Wannenrand und würde am liebsten seine dicken Patschhändchen im gluckernden Nass versenken. Das Getümmel im Wasser ist einfach zu verlockend für zwei so kleine Spitzbuben wie sie. Das weiß auch ihre Mama.

Viktoria Brama hat vollstes Verständnis dafür, dass ihre Söhne das Ganze spannend finden. Doch ihr jagt dieser Zustand mittlerweile Angst ein. Schließlich versinnbildlicht er recht gut ihre derzeitige Situation. Nicht nur die Fische harren seit Tagen in eigentlich unzumutbarer Umgebung aus, weil das Aquarium längst gut verpackt in Transportkisten steht. Auch alles übrige Zubehör der kleinen Familie ist im Flur und im Kinderzimmer deponiert. Denn eigentlich sollten die drei Bramas längst in ihrer neuen Wohnung in Eberswalde sein. Doch aus dem lange geplanten Umzug in den Barnim wurde in der vergangenen Woche nichts. Er entpuppte sich als schlechter Aprilscherz, wie sie sagt.

Schlechter Aprilscherz

„Der Termin mit dem privaten Umzugsunternehmer war für den 1. April geplant”, erinnert sich die 25-Jährige zurück. Im Vorfeld habe sie mehrmals mit dem Inhaber telefoniert und sich vergewissert, dass alles seinen Gang geht. „Ich bin alleinerziehend, habe kaum Bekannte, die mir beim Packen helfen konnten.” Deshalb war die punktuelle Abstimmung so wichtig für sie. Doch wer am vergangenen Mittwoch nicht den Weg zu ihr fand, waren die professionellen Helfer.

„Ab 9 Uhr standen wir Gewehr bei Fuß und warteten darauf, dass es los geht”, erzählt die junge Mutter. Ab 10 Uhr sei ihr schon mulmig zumute gewesen, setzt sie den Tränen nah hinzu. Ihr Ex-Lebensgefährte habe dann darauf gedrungen, bei der Firma anzurufen und zu fragen, wo es hackt. „Nach mehreren Versuchen hatten wir endlich den Chef an der Strippe, und der versprach, sich zu kümmern.” Beim zweiten Anruf gegen Mittag seien sie noch aufgeregter gewesen. „Wieder vertröstete er uns, dass der Transporter vom Hof sei und seine Jungs eigentlich jeden Moment bei uns eintreffen müssten”, beschreibt Viktoria Brama die unsägliche Situation. Am Nachmittag dämmerte ihnen langsam, dass es mit dem Umzug an diesem Tag wohl nichts mehr wird.

Anrufe negiert

„Da ging der gute Mann auch schon gar nicht mehr ans Telefon und hat bis heute auf Nachrichten nicht reagiert”, resümiert die Schönfelderin betroffen. Sie wisse bis dato nicht, woran es gelegen hat. „Auch eine Entschuldigung gab es nicht. Bekannte haben mir dann erzählt, dass sie gehört hätten, dass er in Corona-Quarantäne sei. Andere wiederum wollen ihn bei seinem Zweitjob in einem Laden gesehen haben. Ich weiß nicht, was stimmt und was gelogen ist. Ich weiß nur, dass ich immer noch mit meinen Söhnen auf gepackten Koffern sitze.”

Ein neues Umzugsunternehmen zu finden, gestaltete sich im Anschluss recht schwierig, ergänzt die Single-Mama. Das könnte an ihrem beschränkten Budget gelegen haben. Das Jobcenter hatte nur 465 Euro dafür bewilligt. „Die restlichen 100 Euro habe ich mir vom Mund abgespart, weil schon der erste Anbieter mehr haben wollte”, erzählt die Hartz-IV-Bezieherin. Glück im Unglück sei, so die arbeitslose Frau, dass sie nicht auf Vorkasse eingewilligt habe, „sonst wäre mein Geld weg gewesen, und ich säße samt Möbeln völlig mittellos hier.”

Wohnung in Eberswalde

So aber fand sich am Ende doch noch eine Firma bereit, ihr und den kleinen Jungs in die neue Heimat nach Eberswalde zu helfen. Am Montag, dem 6. April, soll der zweite Umzugsversuch starten. „Punkt 8 Uhr”, sagt Viktoria Brama, die inständig hofft, dass sie nicht auch dieser Betrieb wieder versetzt. Vom neuen Domizil im Barnim erhofft sie sich mehr Nähe zu ihren Eltern und die Chance, einen Ausbildungsplatz zu finden. Denn ohne Auto sei sie auf dem Land nach der Trennung vom Vater ihres jüngsten Kindes aufgeschmissen gewesen. „Für jede Besorgung meine Freundin um Transportdienste zu bitten, das konnte auf Dauer nicht gut gehen. Da hatte ich ein schlechtes Gewissen. In Eberswalde gibt es Gott sei Dank Busse und Bahn.” Die gebürtige Bad Freienwalderin ist zuversichtlich, dass die neue Etappe eine Chance für ihre kleine Familie ist. Vielleicht auch für ihre Fische – so sie die Tage in der Wanne überleben...

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