CORONAFOLGEN

Uckermärker Kellner und Köche werden Fall fürs Sozialamt

Hinter den Gastronomen der Uckermark liegen schwere Wochen. Die Lockerungen helfen nur bedingt. Die Gewerkschaft sieht vor allem fürs Personal schwarz.
Auch in der Uckermark haben Gastronomen im Mai schon für ihre Rechte demonstriert und der Politik die Stühle vor die
Auch in der Uckermark haben Gastronomen im Mai schon für ihre Rechte demonstriert und der Politik die Stühle vor die Tür gesetzt. Claudia Marsal
Prenzlau.

Im Landkreis Uckermark hat seit Beginn der Coronavirus-Pandemie fast ein Drittel aller Unternehmen (31Prozent) Kurzarbeit angemeldet. Das teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Die NGG beruft sich hierbei auf neueste Zahlen der Arbeitsagentur. Danach hatten bis Ende April 979 der insgesamt 3207 Betriebe im Landkreis Kurzarbeitergeld beantragt. Zum Vergleich: Zu Beginn der Corona-Krise im März waren es noch 89 Firmen.

Sebastian Riesner, Geschäftsführerder NGG-Region Berlin-Brandenburg, spricht von einer „Erschütterung auf dem heimischen Arbeitsmarkt”. Besonders betroffen sei das Gastgewerbe. Die Branche liege seit Wochen weitgehend brach. Gerade kleinere Hotels und Gaststätten kämpften ums Überleben.

Lange Durststrecke

Es sei gut, dass die Bundesregierung ein riesiges Rettungspaket für die Unternehmen geschnürt habe. „Aber für die Beschäftigten kommt die beschlossene Erhöhung des Kurzarbeitergeldes zu spät”, ist Riesner überzeugt. Denn das Lohnausfallgeld steige erst nach sieben Monaten Kurzarbeit auf 80 Prozent (Eltern: 87 Prozent) des Netto-Einkommens.

Für Köche, Kellner und Hotelangestellte sei das eine enorme Durststrecke. „Vielen wird nur der Gang zum Sozialamt oder zum Job-Center bleiben“, warnt Riesner.

Eine Mitverantwortung für die Lage trage seiner Ansicht nach auch der Deutsche Hotel-und Gaststättenverband (Dehoga). Anders als etwa in der Systemgastronomie, beispielsweise bei McDonald’s, Starbucks oder Nordsee, weigerten sich die Arbeitgeber hier bis heute, das Kurzarbeitergeld per Tarifvertrag aufzustocken.

Kontrollen als Garantie

Umso wichtiger sei nun, eine Perspektive für die langsame Wiederbelebung des Gastgewerbes zu finden –„vorausgesetzt, der Gesundheitsschutz für Beschäftigte und Gäste ist sichergestellt“. Bei jedem Restaurant, das im Kreis Uckermark wieder öffnen wolle, müssten die Behörden kontrollieren, ob die Schutzmaßnahmen für die Gäste ausreichen, so die NGG.

„Gaststätten, Cafés und Bars sind eigentlich Orte der Geselligkeit. Jetzt müssen die Gäste darauf vertrauen können, dass sich keiner ansteckt“, macht Geschäftsführer Riesner deutlich.

Wiedereröffnung genau planen

Um die Beschäftigten optimal vor Infektionen zu schützen, sei eine gründliche Gefährdungsbeurteilung nötig. „Darüber hinaus braucht es ausreichend Personal, das sich neben Küche und Service darum kümmert, dass die Hygiene-und Abstandsregeln wirklich eingehalten werden: Kellnerinnen, die darauf achten, dass Tische und Stühle nicht zusammengeschoben werden. Und ebenso genug Köche in der Küche, damit es keinen Wartestau beim Essen und damit ein zu volles Lokal gibt. Kein Restaurant sollte hier auf Sparflamme kochen, sondern die Wiedereröffnung frühzeitig akribisch planen“, so Riesner

Doch bis wieder ein „Stück Normalität“ in die Branche einziehe, bleibe der Schaden für Beschäftigte und Betriebe groß. Nach Angaben der Arbeitsagentur haben bis Ende April bundesweit 751.000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet –115.000 davon im Hotel-und Gaststättengewerbe. Das sind 72 Prozent aller Betriebe der Branche.

 

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Kommentare (1)

Aber wenn ich hier letzthin so manche Barbara, Agathe und ähnliche Pommernschädel gelesen und richtig verstanden habe, dann ist man doch der Meinung:
Das unsagbar (oder hieße es: unsäglich?) Gute kann auf Einzelschicksale eben keine Rücksicht nehmen.