LANDGERICHT NEURUPPIN

Staatsanwältin hält Mutter aus Prenzlau für voll schuldfähig

Der Missbrauch eines Kindes durch die eigene Mutter ist kaum vorstellbar und doch passiert. Mit einem Urteil tut sich das Gericht schwer.
Das Landgericht Neuruppin berät bereits seit mehreren Verhandlungstagen über eine Mutter, die ihre kleine Tochter f&
Das Landgericht Neuruppin berät bereits seit mehreren Verhandlungstagen über eine Mutter, die ihre kleine Tochter für pornografische Aufnahmen missbraucht haben soll. Konstantin Kraft
Neuruppin.

„Die Kammer tut sich schwer. Es besteht noch Beratungsbedarf.“ Mit diesen Worten kam der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann am Mittwoch nach mehrstündiger Beratung in den Gerichtssaal. Die erste Große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin vertagte die Urteilsverkündung im Prozess gegen eine 29-jährige Mutter aus Prenzlau auf den 5. November.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihr schweren sexuellen Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen, Herstellen von Kinderpornografie und sexuelle Nötigung vor. Die dreifache Mutter hatte zugegeben, ihre zu Beginn der Taten erst einjährige Tochter über drei Jahre lang missbraucht zu haben.

Sie bereue von ganzem Herzen, was sie ihrem Kind angetan habe. Das habe sie nur für den Mann getan, den sie geliebt habe, sagte sie gestern. Er war im Januar dieses Jahres wegen Anstiftung zum Kindesmissbrauch zu einer Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

Staatsanwältin für lange Haftstrafe

Ginge es nach der Staatsanwältin, müsste die Angeklagte für fünf Jahre ins Gefängnis. „Sie hat ihre Tochter zum Sex angeboten“, sagte sie. Dem Mann, den die 29-Jährige 2011 über das Internet kennen gelernt hatte und von dem sie sagt, sie sei ihm hörig gewesen. Doch der war nicht an ihr, sondern an ihrem Kind interessiert.

Dass die Beziehung scheiterte, konnte sie nicht akzeptieren. Immer wieder suchte sie den Kontakt zu ihm, hatte ihn, so die Staatsanwältin, damit geködert, dass sie ihm kinderpornografische Fotos und Videos geschickt hat. Er hatte vor Gericht zugegeben, ihr dementsprechende Aufträge erteilt zu haben. Er habe ihr aber nie etwas versprochen oder sie unter Druck gesetzt.

Die Staatsanwältin ging davon aus, dass die Angeklagte voll schuldfähig sei. „Jede Mutter weiß, dass sexuelle Handlungen an und mit Kindern strafbar sind. Wenn sie das Gegenteil behauptet, kann ich nur müde lächeln.“

Beschuldigte nicht vorbestraft

Für die Angeklagte sprach ihr Geständnis, allerdings gab es genügend objektive Beweise wie Fotos, Videos und Chatverläufe. Die Staatsanwältin hielt ihr zugute, dass sie nicht vorbestraft war. Ansonsten sah sie nichts Positives. „Dass eine Mutter ihre leibliche Tochter missbraucht, übersteigt das Vorstellungsvermögen vieler.“ So etwas sei unfassbar, aber es gebe viele unfassbare Taten.

Sie nahm der Angeklagten nicht ab, dass sie ihr Tun aufrichtig bereut. Sie sei sicherlich traurig, dass sie ihre Kinder nicht mehr bei sich habe. Aber sie stelle sich hier als Opfer dar, sie bemitleide sich. „Das ist für mich schwer zu ertragen“, so die Staatsanwältin. Sie hielt der jungen Frau vor, bisher in ihrem Leben – bis auf die drei Kinder – nichts auf die Reihe bekommen zu haben.

Angeklagte gelobt Besserung

Verteidiger Andreas Brandt hielt dagegen. Was seine Mandantin denn noch machen müsse, um glaubhafte Reue zu zeigen? Sie habe sich mit den Taten auseinandergesetzt, bemühe sich mit ärztlicher Hilfe, dass so etwas nie wieder vorkomme.

Ihr sei klar, dass sie psychologische Hilfe brauche und kümmere sich darum. Sie habe von Beginn an bereits bei der Polizei ein umfassendes Geständnis abgelegt. Und sie sei als Kind selbst missbraucht worden. Außerdem „stand sie unter dem schweren Einfluss des Anstifters“, so Brandt. Er beantragte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden soll.

Die Angeklagte beteuerte: „Es wird auf keinen Fall mehr passieren, dass ich meine Kinder einsetze, um einen Mann zu halten. Ich möchte mit meinen Kindern ein neues Leben beginnen.“

Ob sie das kann, wird sich am 5. November entscheiden.

 

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