STELLENSUCHE

Sara (20) will nicht in die Hartz IV-Mühle

Eine junge Uckermärkerin möchte nicht ungelernt bleiben und vom Staat abhängig sein. Deshalb sucht sie verzweifelt einen Ausbildungsplatz.
Sara Drafz hofft, über den Uckermark Kurier eine Lehrstelle zu finden.
Sara Drafz hofft, über den Uckermark Kurier eine Lehrstelle zu finden. privat
Prenzlau.

Sara ist 20 und hat vor zwei Jahren die 10. Klasse mit einem Realschulabschluss Note 3 beendet. Dafür drehte die junge Frau sogar eine Ehrenrunde. „Mit dem ersten Zeugnis hätte ich mich nicht bewerben können...” Doch aller Fleiß scheint sich nicht gelohnt zu haben, denn seitdem sucht die junge Frau vergeblich einen Ausbildungsplatz. „Vor zwei Jahren bin ich aus meinem Elternhaus ausgezogen, weil ich nicht weiter in einer Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft leben wollte. Ich lebe jetzt bei der Familie meines Freundes.” Aber ihr Plan, eine Lehre als Verkäuferin oder Einzelhandelskauffrau zu machen, ging bislang nicht auf. „Weil ich mir bisher den Erwerb des Führerscheines nicht leisten konnte, ist mein Bewerbungsradius etwas eingeschränkt. Es kommen nur Stellen in Frage, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind”, nennt Sara Drafz mögliche Gründe.

Hoffnung gehabt

In der Zeitung sei aber immer wieder zu lesen gewesen, dass noch jede Menge Ausbildungsplätze frei seien, auch im Verkauf. Das habe ihr Hoffnung gemacht. Sara Drafz las auch, dass viele Firmen keine Azubis einstellen könnten, weil diese oft nicht die Voraussetzungen für eine Ausbildung erfüllten, wegen schlechter Zeugnisse oder fehlender Motivation. „Doch diese Aussagen des Jobcenters, der Ausbildungsbetriebe und der IHK stimmen nur zum Teil, glaube ich. Ich habe andere Erfahrungen gemacht”, erzählt die Uckermärkerin: „Gerade die großen Handelsketten stellen auf verschiedenen Internetseiten Anzeigen für Ausbildungsplätze ein. In der Regel muss man sich online bewerben. Ich habe mich auf viele Inserate beworben – in Prenzlau, Angermünde, Schwedt und Eberswalde. Doch oft existierten die Stellen nicht mehr und wurden nur nicht gelöscht. Oder ich bekam entweder gleich eine Absage, konnte eventuell noch einen Test machen beziehungsweise blieb ohne Antwort. Nur in drei Fällen wurde ich zum Vorstellungsgespräch oder zum Einstellungstest eingeladen. Zwei waren zu weit entfernt und für mich nicht erreichbar. Bei einem kam es zum Probearbeiten, jedoch konnte ein anderer Azubi mehr überzeugen. Ich habe das Gefühl, dass viele Ausbildungsplätze nur als Marketing-Strategie beworben werden und in Wirklichkeit nicht existieren. Denn in vielen Discountern sind überhaupt keine Azubis zu sehen.”

Netter Bäcker

In diesem Sommer habe sie sich dann auf eine Lehrstelle als Bäckereifachverkäuferin beworben. „Ich hatte auch nette Gespräche mit dem Bäcker. Leider stellte sich dann heraus, dass er mich nur im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung einstellen könnte. Das bedeutet, dass ich dort ein Jahr auf Probe arbeiten dürfte, und wenn wir beide zufrieden sind, dieses Jahr als erstes Ausbildungsjahr anerkannt wird und ich weitermachen könnte. Berufsschulmäßig würde ich jedoch nicht alles lernen und müsste vieles im zweiten Lehrjahr nachholen. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob ich das schaffen würde. Ich bekäme auch kein Ausbildungsgeld, sondern nur eine Aufwandsentschädigung von 200 Euro monatlich. Dieses Geld würde allenfalls die Fahrkosten decken. Ich möchte jedoch auch eigenes Geld verdienen, um mich an den Lebenshaltungskosten der Familie zu beteiligen.” Aktuell lebt Sara Drafz von 213 Euro Kindergeld und der Unterstützung ihres Freundes und seiner Familie. Das Verhältnis zur eigenen beschreibt sie als schwierig.

Am Boden zerstört

„Ich bin mittlerweile am Boden zerstört und richtig verzweifelt. Warum macht man es mir so schwer, endlich auf eigenen Beinen zu stehen und mein Geld zu verdienen? Alle finden es toll, dass ich nicht von Hartz-IV leben möchte, und doch komme ich aus der jetzigen Situation nicht heraus. Ich weiß, wie wichtig eine Ausbildung und ein Berufsabschluss für das weitere Leben sind. Ich will nicht 'ungelernt' bleiben und mir mehrere Kinder anschaffen, nur um bis zu meinem Lebensende auf Staatskosten zu leben. Denn ich weiß, was es für ein Kind bedeutet, in diesem Milieu aufzuwachsen.”

Sie hat sich deshalb an die Zeitung gewandt und einen großen Wunsch: „Vielleicht findet sich ja durch die Veröffentlichung ein Betrieb, der mir doch noch einen Ausbildungsplatz geben kann.”

Kontakttelefon: 0162 9479755

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Kommentare (4)

Vielleicht sollte die junge Dame Prenzlau verlassen und in eine andere Gegend ziehen,wo die Auswahl an Ausbildungsplätzen größer ist. Auch die Bundeswehr sucht noch Soldaten.

Das Leben junger Menschen in finanzieller Not und jeden 8€ an Steuergeld für die Kriegsnotwendigkeiten reicher Kapitalvertreter*innen zu missbrauchen ist sicher das, was die Gesellschafft braucht :-/

Ich finde eher, ein solches Engagement der jungen Frau sollte auch oder gerade im ländlichen Raum honoriert und unterstützt werden!
Schau, was sich wirklich sinnvoll für dich anfühlt und was dir Freude macht und versuche dich über Praktikas dafür zu empfehlen.

Herr Schubert könnte ja der jungen Dame den Führerschein bezahlen,ist auch einfach,genau wie Sie meinen mal ebend so die Zelte in der Heimat abzubrechen.

habe in einem gängigen Portal mal Prenzlau +20 km und Hauptschulabschluss eingegeben Ergebnis:
https://www.ausbildungsstellen.de/suche.html?q%5B%5D=&e%5B%5D=&c%5B%5D=&l=Prenzlau&r=30&d=-1&a=2
Das ganze mit mittleren Bildungsabschluss:
https://www.ausbildungsstellen.de/suche.html?l=Prenzlau&r=30&a=3&d=-1
Mal ganz davon abgesehen, was es im größeren Umkreis, oder vlt. anderen Bundesländern Ländern gibt.