LANDGERICHT NEURUPPIN

Prenzlauer Mutter muss wegen Pornos mit ihrer Tochter in Haft

Um die Gunst eines Mannes zu gewinnen, hatte eine Frau ihre kleine Tochter sexuell missbraucht. Der Richter machte sich die Entscheidung nicht leicht.
Eine 29-Jährige hatte pornografische Aufnahmen von ihrer Tochter machen lassen.
Eine 29-Jährige hatte pornografische Aufnahmen von ihrer Tochter machen lassen. Paul Caffrey
Neuruppin.

„Wir bewegen uns im untersten Bereich des Strafrahmens“, sagte am Dienstag der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann. Mit dem Urteil von drei Jahren und drei Monaten würden auch alle Strafzwecke erreicht. Aber: „Diese Strafe ist auch erforderlich.“ Die Staatsanwältin hatte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren gefordert, der Verteidiger eine Bewährungsstrafe.

„Es gibt Fälle, die man mit gesundem Menschenverstand kaum oder gar nicht nachvollziehen kann“, sagte Lechtermann. So wie der vorliegende Fall: Eine 29-jährige Mutter aus Prenzlau hat nach Überzeugung der ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Neuruppin ihre 2011 geborene Tochter über Jahre sexuell missbraucht und von ihr kinderpornografische Fotos und Videos gemacht und verschickt.

Mutter lässt sich unter Druck setzen

2013 hatte die dreifache Mutter übers Internet einen Mann in Berlin kennengelernt. Es war lediglich eine kurzzeitige Beziehung, die sich aber in Chats fortsetzte. In diesen forderte der Mann die Angeklagte auf, ihm kinderpornografische Videos und Fotos ihrer Tochter zu schicken. Was sie auch tat. Warum? „Die Kammer ist ratlos, was sie dazu bewogen hat“, sagte Lechtermann. Bei dem bereits verurteilten Mann war das Motiv klar: Er hat diese sexuelle Neigung, die er auf diese Weise auslebte. Das sei ihr auch bald klar geworden, dass er nicht an ihr, sondern nur an dem Kleinkind interessiert gewesen sei, so Lechtermann. Bei ihr dagegen stand das Gericht vor einem Rätsel.

Sie hatte andere Beziehungen, bekam 2014 und 2016 zwei weitere Kinder. Die Angeklagte hatte an einem Verhandlungstag davon gesprochen, ihm hörig gewesen zu sein. Nein, befand das Gericht. „Sie war nicht das willenlose Werkzeug des Mannes.“ Sie hielt den Kontakt aufrecht, bot ihm immer wieder entsprechende Filme und Fotos an, tauschte sich über sexuelle Fantasien mit ihm aus. Über Jahre zog sich dieser Kontakt hin. In dieser Zeit, so Lechtermann, entstanden acht Videos, die sie ihm zeitnah zugesandt hat – zur Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse.

Nicht alle Wünsche des Mannes erfüllt

Die Richter hielten ihr zugute, dass sie auf manchen seiner Wünsche nicht eingegangen war. So hatte sie es abgelehnt, auch ihr zweites Kind für derartige Zwecke zu benutzen oder dem Mann einen körperlichen Kontakt zu der Tochter zu verschaffen. „Sie konnte eine Grenze ziehen, was sie machte und was nicht“, so Lechtermann.

Das Gericht hielt die Angeklagte in vollem Umfang für schuldfähig. Sie sei weder in ihrer Steuerungs- noch in ihrer Einsichtsfähigkeit eingeschränkt gewesen. Auch habe sie es intelligenzmäßig erfassen können.

Angeklagte bisher nicht vorbestraft

Für die Angeklagte sprach, dass sie bisher nicht vorbestraft ist und dass sie, aus welchen Gründen auch immer, unter seinem starken Einfluss stand. Außerdem hatte sie ein Geständnis abgelegt. Negativ wirkte sich jedoch die lange Tatzeit aus. „Sie hat weiter gemacht, obwohl sie wusste, dass er sie nur hinhielt“, sagte Lechtermann.

Anders als von Verteidiger Andreas Brandt beantragt sah das Gericht keine Möglichkeit für eine bewährungsfähige Strafe von maximal zwei Jahren. Brandt ging bei seiner Mandantin von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Sie habe selbst unter sexuellem Missbrauch gelitten und habe kein soziales Netz, das sie auffange. „Das ist keine Rechtfertigung, aber es kann bei der Bewertung der Tat eine Rolle spielen“, sagte Brandt. Diese Auffassung teilte das Gericht nicht.

 

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