IM WALD VERMISST

Pilzsucher spricht über seine schlimmste Nacht

Für das Ehepaar aus Prenzlau ist es ein Albtraum gewesen, der 24 Stunden dauerte. Norbert Lautke verlief sich beim Pilzesammeln im Wald.
Natalie Meinert Natalie Meinert
Wieder vereint: Nachdem Norbert Lautke sich im Wald bei Kreuzkrug verlaufen hatte, konnte ihn seine Frau Anita wieder im Arm h
Wieder vereint: Nachdem Norbert Lautke sich im Wald bei Kreuzkrug verlaufen hatte, konnte ihn seine Frau Anita wieder im Arm halten. Natalie Meinert
Kreuzkrug.

Die beiden wirken noch sichtlich mitgenommen. „Diese Stunden waren für mich die Hölle“, sagte Anita Lautke mit belegter Stimme und schüttelte den Kopf. Die Prenzlauerin will nicht viel darüber sprechen. Das Geschehene steckt ihr noch zu sehr in den Knochen. AmTag der Deutschen Einheit verlief sich ihr Ehemann Norbert beim gemeinsamen Pilzesammeln im Wald in der Nähe der Ortschaft Kreuzkrug in der Uckermark.

Sichtkontakt verloren

Jetzt will sich das Ehepaar bei allen Helfern bedanken, die sich an der Suche von Norbert Lautke beteiligt hatten. In einem Waldstück an der Kreisstraße 7351 zwischen Kreuzkrug und Herzfelde hatte Anita Lautke am Donnerstag zur Mittagszeit den Sichtkontakt zu ihrem Mann verloren. Die Polizei hatte sofort eine umfangreiche Suchaktion nach dem 84-jährigen Vermissten eingeleitet. Unterstützt wurde sie durch Hubschrauber mit Wärmebildtechnik, Rettungshunden und mehrere Suchteams.

Weder Essen noch Trinken

Am Freitagvormittag sollte die Suche fortgesetzt werden, aber dann kam die erlösende Nachricht. Ein Spaziergänger mit Hund hatte den älteren Herrn entdeckt, nicht mal einen Kilometer von Kreuzkrug entfernt. „Er hatte weder etwas zu essen noch zu trinken“, erzählte Anita Lautke von ihren Sorgen während der Suche. Sie habe die Versorgung für beide im Rucksack getragen. „Und an dem Tag war es auch so kalt gewesen! Es war ein Albtraum für mich.“

Erschöpft eingeschlafen

Wie erlebte der Vermisste selbst seinen Irrweg, der über 24 Stunden dauerte? Er sei durch den Wald gestolpert, habe versucht, einen Ausweg zu finden, erinnerte sich Norbert Lautke. „Irgendwann bin ich einfach erschöpft eingeschlafen.“ Er habe sich eine trockene Stelle unter einem Baum gesucht und sich hingelegt, um sich auszuruhen.

Tolle Hilfe erfahren

Seine Gattin ist erleichtert. Gleichzeitig staunte sie: „Es war der Wahnsinn, wie viele Menschen sich an der Suche beteiligt haben“, berichtete Anita Lautke. Umherlaufend sei sie zuerst auf Astrid Mulchow aus dem nahe gelegenen Petznick gestoßen. Die Frau und ihre Töchter hätten sofort die Polizei informiert. „Außerdem hatte sie mich am frühen Abend zu sich nach Hause genommen, damit ich mich aufwärmen konnte“, fügte Anita Lautke hinzu.

Hubschrauber kreisten

„Kurz nachdem die Polizei informiert wurde, traf außerdem Dörte Engel mit ihrem Hund ein.“ Die Templinerin machte sich zusammen mit ihrer Spürnase ebenfalls auf die Suche. Und dann kamen noch die Prenzlauer Polizisten, die Bereitschaftspolizei, zwei Hunderettungsstaffeln, zwei Hubschrauber und die medizinischen Dienste. „Uns ist es ein Bedürfnis, den Beteiligten ein dickes Dankeschön zu sagen, da wir vor Ort nicht alle sprechen konnten“, bekräftigte Anita Lautke.

Blessuren an den Beinen

Ihr Gatte ist übrigens wieder wohlauf. „Mir geht es relativ gut“, sagte Norbert Lautke. Nur an den Beinen habe er einige Blessuren davongetragen. „Durch das viele Stolpern durch den Wald“, fügt seine Frau hinzu.

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Kommentare (1)

Ein GPS wirkt da Wunder, es darf auch ein Telefon von heute sein. Kann man sich in Deutschlands Wäldern überhaupt verlaufen, wenn man am passender Stelle aufgepasst hat?
Man muss schon sehr einfach strukturiert sein, um 24h (!!!) im Walde umherzuirren!