MIETERSORGE

Nach Verstopfung Angst vor Krankenhauskeim

Die Bewohner eines Mietshauses sorgen sich um ihre Gesundheit. Sie werfen einem Pflegedienst Verstöße vor. Nicht nur die Amtsärztin sieht das anders.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Susanne Buhtz (links) und Bianca Rodenwaldt haben Beweise gesammelt.
Susanne Buhtz (links) und Bianca Rodenwaldt haben Beweise gesammelt. Claudia Marsal
Die Beutel mit den Windeln des Patienten liegen manchmal sogar auf dem Gehweg, weil die Tonnen voll sind.
Die Beutel mit den Windeln des Patienten liegen manchmal sogar auf dem Gehweg, weil die Tonnen voll sind. privat
Auch die zusätzlichen Tonnen reichen offenbar nicht.
Auch die zusätzlichen Tonnen reichen offenbar nicht. Claudia Marsal
Uckermark.

In einem kleinen Mehrfamilienhaus ist ein böser Streit entbrannt. Auf der einen Seite stehen Mieter, die sich als Leidensgenossen sehen. Sie eint die Angst, dass sie sich in ihrem Zuhause mit einem multiresistenten Klinikkeim infizieren könnten. Stein des Anstoßes ist die, ihrer Meinung nach nicht fachgerechte 24-Stunden-Intensivpflege eines schwerkranken Menschen, der in einer Nachbarbarwohnung lebt und einen gefährlichen Erreger haben soll. Diese Information will man den Gesprächen des Pflegepersonals entnommen haben. „Die Schichtübergaben finden beim Rauchen direkt unter meinem Fenster statt...“, sagt Susanne Buhtz.

Bei Hygienevorschriften Konsequenz nötig

Sie hat seit ihrem Einzug wiederholt beobachtet, dass die Pfleger nur mit Mundschutz und Handschuhen arbeiten. „So weit so gut“, sagt die 57-Jährige: „Ich komme vom Fach und weiß, dass in solchen Fällen strenge Hygienevorschriften gelten.“ Aber wenn diese nicht konsequent durchgesetzt würden, bringe man andere Menschen in Gefahr, ist die zweite Mieterin, Bianca Rodenwaldt, überzeugt.

Die Verkäuferin lebt bereits seit 23 Jahren in ihrer Wohnung. Dass sie nun um ihre Gesundheit fürchten muss, macht die Witwe krank. Grund zur Sorge gebe ihnen zum einen die Müllentsorgung, führt die 57-Jährige aus: „Tag für Tag fallen mehrere Säcke an – vermutlich Wasch- und Pflegezubehör sowie Windeln. Trotz Erweiterung reicht der Platz dafür nicht aus.“ An ganz heißen Tagen seien die Maden bis auf den Fußweg gekrochen, bestätigt Susanne Buhtz: „Kein Wunder, da lagen die Tüten ja schon auf dem Boden verteilt.“ Die Krönung sei aber die Rohrverstopfung vor ein paar Tagen gewesen, ergänzt sie angeekelt. Die Klempner hätten in ihrem Beisein Unmengen an Feuchttüchern aus dem Rohr geholt.

Überreste gesichert als Beweismaterial

„Weil uns das niemand geglaubt hätte, haben wir die Überreste als Beweismaterial gesichert“, sagen die Mieterinnen. „Wir lebten zu diesem Zeitpunkt schon mit Gülle im Keller, auch im Hausflur lief die dreckige Brühe die Treppen runter. Ist es da ein Wunder, dass wir um unsere Gesundheit fürchten?“

Bianca Rodenwaldt ist am Ende ihrer Kraft. Gummihandschuhe und Desinfektionsmateral gehörten mittlerweile zur ständigen Ausrüstung, sagt die Uckermärkerin. „Wir haben auch außerhalb der Wohnung alles geschrubbt“, ergänzt Susanne Buhtz, bei der es die Kloake sogar durch Wanne, Waschbecken und Toilette gedrückt hatte, wie Fotos zeigen.

Trotz Information von Vermieter und Behörden sei nichts passiert, so ihr Vorwurf. Das will die Leiterin des Gesundheitsamtes Uckermark so allerdings nicht stehen lassen. Amtsärztin Dr. Michaela Hofmann zufolge hätten ihre Mitarbeiter am Freitag nach Bekanntwerden der Vorwürfe sofort den Pflegedienst kontaktiert, aber keine Unregelmäßigkeiten feststellen können.

Amt hat keine Kenntnis von Gefährlichkeit

Ihrer Meinung nach gebe es keinen Grund zur Besorgnis, so Hofmann: „Wir haben keine Kenntnis davon, dass es sich hier um einen besonders gefährlichen Fall handelt.“ Eine normale Reinigung nach dem Rohrbruch sei deshalb ausreichend gewesen. Auch gegen die Entsorgung der Windeln mit dem Hausmüll gebe es nichts einzuwänden. Der Pflegedienst selbst erklärte zunächst, dass die Problematik der Abfallentsorgung seit über einem Jahr bestehe, aber alle Bemühungen, eine weitere Tonne zu ordern, bislang erfolglos waren. Nachdem nun die Mieterschaft Unmut über die Abfallsituation geäußert habe, konnte man aufgrund des erhöhten Drucks erwirken, dass eine zusätzliche 240 Liter-Tonne ausschließlich für den Klienten (bei eigener Bezahlung) zur Verfügung gestellt wird. Beide persönliche Tonnen werden zukünftig verschlossen, sodass die selbst bezahlte Tonne auch nur zur Entsorgung des Mülls unseres Klienten genutzt werden kann.”

Die Geschäftsführung sicherte weiter zu, dass von der Beschaffenheit des Mülls keine Gesundheitsgefährdung ausgehe. Vor Mutmaßungen in Bezug auf den Gesundheitszustand des betreuten Patienten warnte der Pflegedienst ausdrücklich, es handele sich um private und vertrauliche Daten. Was die Verstopfung durch Hygienetücher anbelangt, sei außerdem überhaupt nicht klar, dass die unsachgemäße Entsorgung im Zusammenhang mit dem Klienten entstand. „Schlussendlich sind die Bedenken der Mieterschaft bezüglich der im Keller stehenden Abwässer und Exkremente schon deshalb unbegründet, da der Klient in keiner Weise mit dem Abwassersystem in Berührung kommt.”

Vom Vermieter kam lediglich folgende Antwort: „Uns ist eine Rohrverstopfung bekannt, die im Rahmen unseres Havariedienstes durch eine Fachfirma ordnungsgemäß beseitigt wurde. Zu den anderen Aussagen/Behauptungen können wir keine Auskunft geben. Kein Mieter des Hauses hat sich an uns in dieser Angelegenheit gewandt.“

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