BABY-GESCHENK

Marlen soll eine neue Mama bekommen

Zarte Wimpern, flauschiges Haar und schrumpelige Händchen – was Britta K. in den Händen hält, sieht täuschend echt aus wie ein Baby. Es ist aber keins – und sie möchte es verschenken.
Dieser süße Kerl sucht ein neues Zuhause. Bekleidung, Windeln und eine Babydecke hat Britta K. da gelassen.
Dieser süße Kerl sucht ein neues Zuhause. Bekleidung, Windeln und eine Babydecke hat Britta K. da gelassen. Claudia Marsal
Der Knirps kann sogar sitzen.
Der Knirps kann sogar sitzen. Claudia Marsal
Prenzlau.

Vier Jahre lang hat Britta K. (Name geändert) die kleine Marlen geknuddelt und gekämmt. Sie hat ihr hübsche Jäckchen und Strümpfchen angezogen und immer danach geschaut, dass das Baby weich gebettet liegt. Doch damit ist jetzt Schluss. Kurz vor Weihnachten hat sich die 36-Jährige entschieden, eine neue Mama für den Säugling zu suchen. Gemeinsam mit dem Uckermark Kurier will die Prenzlauerin jemandem mit Marlen eine besondere Freude machen. Bei der Kleinen handelt sich nämlich um ein sogenanntes Reborn-Baby, also eine Puppe, die einem Neugeborenen täuschend echt sieht. Die handgemachten Exemplare sind teuer. Je nach Modell und Herstellungsart liegen die Preise bei 200 bis 1000 Euro. Nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt.

Neues Zuhause

Britta K. hat über die Jahre fast einem Dutzend Reborns ein neues Zuhause gegeben. Weil sich ihre finanzielle Situation nach einer schweren Krankheit aber dramatisch verändert hat, ist sie gerade dabei, das Gros zu verkaufen. Drei Reborns hat sie gegen Bares schon ziehen lassen müssen. Nur die kleine Marlen will die Kreisstädterin nicht zu Geld machen. „Damit möchte ich Gutes tun, weil mir in diesem Jahr in Folge meiner Krankheit auch viel Gutes widerfahren ist”, sagt die ledige, junge Frau bestimmt.

Wer nach „Reborn-Baby” im Internet sucht, findet tausende Bilder dieser lebensechten Puppen. Je nachdem, welches Babyalter sie darstellen, haben die Exemplare flauschige Echthaare, zarte Wimperchen, schrumpelige Händchen und sehen den echten Minis auch sonst zum Verwechseln ähnlich. Auf dem Videokanal Youtube sind sogar Filme zu sehen, in denen Frauen die Reborns wie echte Kinder windeln, füttern und pflegen. Auch Reborn-Messen gibt es. Ganz so weit ging die Puppenliebe bei Britta K. aber nicht, wie sie versichert.

Kein Silikonkörper

Was vermutlich auch daran liegt, dass Marlen keinen Silikonkörper hat und deswegen nicht mit Wasser in Berührung kommen darf. Aber auch solche Modelle sind auf dem Markt. Gefragt, ob die Reborns ein Ersatz für etwas seien, wägt die Uckermärkerin ihre Antwort gut ab. „Vielleicht ist das so”, räumt die alleinstehende Frau ein. Sie weiß jedenfalls von anderen Reborn-Besitzern, dass damit oft Kinderlosigkeit oder der Verlust eines Kindes kompensiert wird. Bei Therapeuten ist der Nutzen allerdings umstritten. Während einige Experten davon ausgehen, dass die Puppen Trauer lindern können, meinen andere, dass sie die schlimmen Verlustgefühle nur noch verstärken.

Britta K. ist überzeugt, dass viele Menschen in den Reborn-Babys auch einfach nur hübsche Spielzeuge sehen oder sie als Sammelgegenstand kaufen. An Letztere möchte Britta K. Marlen nicht weggeben. Sie sieht die potenzielle Mami stattdessen eher in einem Behinderten- oder Altenheim. „Vielleicht gibt es ja eine geistig oder körperlich gehandicapte junge Frau, die nicht Mutter werden kann, aber ständig Puppen wiegt. Oder einen alten demenzkranken Menschen, den dieses zarte Wesen seiner Vergangenheit wieder näher bringt”, sagt die gelernte Sozialarbeiterin hoffnungsvoll. Sie ermuntert die Leser, sich schriftlich um Marlen zu bewerben. Gemeinsam mit dem Uckermark Kurier wird dann die Entscheidung getroffen, wer sie an Weihnachten im Arm halten darf.

 

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