SCHULESSEN IN GOLLMITZ

Kantinenchef sauer über Mittag zum Schnäppchenpreis

40 Cent mehr will Koch Tom Scharbert pro Portion verlangen. Doch damit scheiterte der Gollmitzer bislang. Nun hat er Angst, alles zu verlieren.
Tom Scharbert hofft, dass sich die Eltern für ihn stark machen.
Tom Scharbert hofft, dass sich die Eltern für ihn stark machen. Nordkurier
Hier lässt es sich gut speisen.
Hier lässt es sich gut speisen. Claudia Marsal
Gollmitz.

„Drei Euro dürfte den meisten Eltern das Mittagessen für ihre Kinder wert sein.“ Tom Scharbert ist überzeugt, dass diese Aussage für das Gros der Mütter und Väter in der Nordwestuckermark zutrifft. Trotzdem kämpft der Inhaber der Großküche in Gollmitz seit Jahren vergeblich um eine vernünftige Entlohnung seiner Dienste. Vor Kurzem erst hatte der Unternehmer erneut einen Versuch gestartet, den Preis anzuheben. Zum mittlerweile dritten Mal. 40 Cent pro Tag und Schulkind wollte Tom Scharbert mehr in Rechnung stellen. Doch sein Vorstoß misslang.

Dreimal versucht

Obwohl ihm selbst vonseiten der Verwaltung bestätigt worden sei, dass man für die aktuellen Preise sicher nicht mehr kostendeckend arbeiten könne, hätten die Verhandlungen nicht in seinem Sinne geendet, bedauert der Betreiber von „TOM“. „Ich wurde stattdessen regelrecht gedrängt, einen Ein-Jahres-Vertrag zu den aktuellen Konditionen zu unterschreiben, sonst wäre ich hier schon zum 1.  August raus gewesen“, beschreibt der Firmenchef sein Dilemma. Auch im Interesse seiner vier Kollegen habe er letztlich in den faulen Kompromiss eingewilligt, setzt Tom Scharbert hinzu. Aber in Ordnung findet er das Vorgehen der Gemeinde nicht. „Ich komme mir vor wie bei einer ABM: arbeiten und nichts verdienen.“ Er glaubt aber, dass die Eltern durchaus zu einer Änderung bereit wären. 250 Kinderessen verlassen pro Tag seine Küche im alten Gutshaus. Selbst während der Coronazwangspause hatte sein Team für die Knirpse gekocht und die Speisen nach Hause geliefert. Bei diesen Touren habe er viel Wertschätzung erfahren, freut sich der Uckermärker. „Einige Eltern haben wohl erst im Lockdown realisiert, wie anspruchsvoll es ist, täglich ein neues Gericht auf den Tisch zu bringen.“

Preis nicht kostendeckend

Nun habe er erfahren, dass die Gemeinde Nordwestuckermark die Kita- und Schulversorgung neu ausschreiben will. „Weil ich mich gezwungen sehe, aufgrund der gestiegenen Preise in allen Bereichen auch meine Preise anzupassen und man in der Verwaltung der Meinung ist, das wäre nicht nötig“, ärgert sich Scharbert. Die vorherige Bürgermeisterin habe als Gegenargument immer gebracht, dass die Eltern nicht bereit seien, mehr zu zahlen. „Aber das glaube ich nicht. In den Nachbargemeinden ist schon längst kein Caterer mehr bereit, für unter drei Euro zu liefern. Dann wird es sicher schwierig, jemanden zu finden, der sie zum Schnäppchenpreis versorgt und vor allem vor Ort kocht.“ In die Küche im Gutshaus hat die Gemeinde viel Geld gesteckt, das durch Pacht wieder eingespielt werden soll. „Wenn aber niemand mehr vor Ort kocht, gibt es auch keine Pacht.“ Darum seine Bitte an die Eltern und vor allem Gemeindevertreter, sich gemeinsam für den Verbleib von „TOM“ in Gollmitz stark zu machen.

Die Gemeinde hat bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme dazu abgegeben.

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