CORONA-PROTEST

Fünffach-Mutter entsetzt von Nazivorwürfen nach Demo in Prenzlau

Beate Hensel macht die Coronakrise Angst. Dass sie für die Teilnahme an einer Kundgebung beschimpft wird, macht die 54-jährige Carmzowerin sprachlos.
Beate Hensel (Mitte links) und ihre Tochter verfolgten die Reden wie viele Uckermärker hinterm Schutzzaun.
Beate Hensel (Mitte links) und ihre Tochter verfolgten die Reden wie viele Uckermärker hinterm Schutzzaun. Mathias Scherfling
Prenzlau.

„Ich bin 54 Jahre alt und wegen der Coronaauflagen zum ersten Mal in meinem Leben auf einer Demo gewesen.“ Beate Hensel hat lange überlegt, ob sie an die Öffentlichkeit gehen soll. Aber weil die Diffamierung der Teilnehmer in den sozialen Netzwerken nicht aufgehört habe, sei sie förmlich dazu gezwungen worden, sagt sie im Gespräch mit dem Uckermark Kurier.

Die fünffache Mutter war am 16. Mai mit einer ihrer drei Töchter und einem der zehn Enkel in die Kreisstadt gefahren, um für Lockerungen der Coronabeschränkungen einzustehen. „Nicht mal zur Wende habe ich mich auf die Straße getraut. Ich habe bisher gemacht, was die Obrigkeit verlangte“, blickt die Uckermärkerin zurück: „Aber jetzt war das Maß voll.“

Sie ärgere vor allem die Widersprüchlichkeit der Aussagen der Politiker, erklärt die Carmzowerin: „Heute hü, morgen hott. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen zweifeln.“ Auch dass es deutschlandweit so unterschiedliche Regelungen gebe, mache sie zunehmend stutzig, führt Beate Hensel weiter aus.

Keine Normalität in Sicht

„Wenn ein Land wie Thüringen komplett auf alle Coronazwänge verzichten und ein anderes die Bürger für die selben Sachen abstrafen will, kann doch was nicht stimmen“, betont die zehnfache Großmutter. Sie sei vor allem wegen ihrer Nachkommen zu der Protestaktion gefahren, setzt die Hausfrau nachdenklich hinzu: „Dass die Kinder so lange nicht in die Kita und zur Schule durften und nach wie vor keine Normalität in Sicht ist, macht mir Angst.“

Vielen Leuten scheine das ähnlich zu gehen, sagt sie weiter: „Neben uns standen bei der Kundgebung viele alte Menschen, manche sogar mit Rollatoren. Dass wir uns von den Gegendemonstranten dann als Nazis beschimpfen lassen mussten, hat mich wütend gemacht.“ Diese Hetze sei später im Netz weitergegangen. „Und das nur, weil die AfD die Redner gestellt hat. Ich bin da kein Mitglied, war noch nie in einer Partei.“, erklärt Beate Hensel. Sie betont, dass sie trotz des Hasses, der ihnen bei der Demo und später in den sozialen Netzwerken entgegenschlug, weiter auf die Straße gehen werde.

Existenz in Gefahr

„Bei der nächsten Demo bin ich wieder dabei. Denn wir kleinen Leute haben Angst, dass die Großen da oben unser Land zu Grunde wirtschaften. Denen wird nichts passieren, dafür sorgen die schon. Aber unsere Existenzen sind in Gefahr.“ Ihr Mann (57) sei glücklicherweise auf dem Bau. Als Maurer fürchte er aktuell noch nicht um seinen Job. „Aber wissen wir, wie sich das noch entwickelt? Es ist Zeit, die Notbremse zu ziehen und zur Normalität zurückzukehren.“

Vor allem der Auftritt des inzwischen aus der AfD ausgeschlossenen Andreas Kalbitz hatte nach der Demo uckermarkweit für Entsetzen gesorgt.

Nach Einschätzung des Innenministeriums war die Kundgebung „rechtsextremistisch beeinflusst“. Ministeriumssprecher Martin Burmeister begründete das wie folgt: „Zur Demonstration hatte die Junge Alternative (JA) Brandenburg aufgerufen. Sie wird bundesweit von den Verfassungsschutzbehörden als rechtsextremistischer Verdachtsfall bewertet. Kalbitz gilt als Rechtsextremist und als einer der führenden Protagonisten des ‚Flügels‘ der zwischenzeitlich formal aufgelösten rechtsextremistischen Parteistruktur innerhalb der AfD.“ Die Junge Alternative habe sich nachweislich zu Andreas Kalbitz bekannt. „Durch diesen Schulterschluss dokumentiert die brandenburgische JA, dass sie die politische Agenda Kalbitz‘ teilt und sich damit zu dessen erklärtem Ziel – der rechtsextremistischen Durchdringung und ‚Verflügelung‘ der AfD – bekennt“, führte Burmeister aus.

Anmelder widerspricht

Anmelder Felix Teichner hielt dagegen: „Mit uns demonstrierten Menschen aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.“ Am Rande seien auch einige wenige zu beobachten gewesen, die nach Aussage des AfD-Politikers „nicht auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ standen. Doch diese Gruppe sei erkannt und ihr unter Aufsicht der Polizei der Zugang zur eigentlichen Demonstration untersagt worden.

 

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Kommentare (22)

... habe aber keine Probleme neben ihnen zu stehen und ihre Reden zu beklatschen, ja ja....

Wie blöd kann man denn sein, wenn man an einer von Nazi-Organisationen organisierten Demo teilnimmt, die sich gegen deutsche weltweit gelobte Corona-Schutzmaßnahmen richtet und deren großartigem Erfolg hinsichtlich der Auswirkungen dieser Pandemie in Deutschland und weltweit auswirkt. Das ist schizophren - sie protestiert, dass es in Deutschland gelungten ist, der Ausbreitung des Virusses Einhalt zu gebieten. Hirn???

Ja solche kriminellen Elemente wie die Beate Hensel hätten wir damals natürlich sofort von der Straße geholt. Da wird heute viel zu lange gefackelt. Mit dem Knüppel dazwischen und das Pack auseinander getrieben. Meine inoffiziellen Mitarbeiter Strandvogt Adams und Simsalabim waren da fähige Leute. Dass sie sich heute für Kleingeld beim Nordkurier für die Zersetzung die Finger wund schreiben müssen ist doch echt traurig. Was bis bloß aus unserer alten guten Stasi geworden. Ach ihr braucht keine Angst haben. Eure echten IM Namen werde ich nicht schreiben. Genossen

sie wirklich das auf der demo nur nazis sind ?

Nein - aber wer auf von Nazis organisierten Demonstrationen mitwirkt, sollte bedenken, dass er als solcher angesehen wird.

... etliche Spinner sind auch noch dabei.

das in ihrem land meinungsfreiheit herrscht

... so darf sich jeder selbst lächerlich machen, wie er möchte.

Ja, Sie dürfen alles meinen und äußern - danach aber werden Sie u.U. damit konfrontiert und müssen, wenn Sie andere Rechte beschädigt haben, zur Rechenschaft gezogen werden.
Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut - die Rechte anderer Personen sind aber auch gleichwertig schützenswert.

Jeder Bürger darf nach Grundgesetz frei entscheiden auf welche Versammlung er/sie geht. Wer kommt als Nächstes in die Zeitung mit Foto und Name und rechtfertigt sich für eine Versammlungsteilnahme?

An welcher Stelle wurde den Teilnehmern der Zutritt zu der Demonstration untersagt?

War das bevor oder nachdem zu Kalbitz applaudiert wurde?

... muss auch die Konsequenzen von Hohn und Spott dann vertragen. Und wenn er klug ist, rechnet er damit.

Mitgehangen...
5 Kinder und 10 Enkel, ach du Schreck...

Wenn jemand das ganze Leben lang nur von Kindergeld bzw. vom Staat lebt, kommen in solchen Zeiten natürlich Existenznöte auf.

Diejenigen, die mit dem Begriff derart inflationär umgehen sollten sich mal genauer informieren, was er überhaupt bedeutet. Dann werden sie feststellen, dass sie selbst alle Eigenschaften erfüllen die er darstellt. Ausgrenzung, Diffamierung, denken in Extremen. Aber genau das ist es was von unseren Volksvertretern wohl gewollt ist. Eine Gesellschaft, die zutiefst gespalten ist, lässt sich leicht kontrollieren. So fällt es auch weniger auf, dass Grundrechte immer weiter beschnitten werden.

Halleluja!

Du bist also der Meinung, dass Menschen welche sie öffentlich gegen rechte Meinungen äußern gleichgestellt werden müssen, mit Menschen welche die Vernichtung von 6 mio. Juden gutheißen?

Ist das was du uns sagen möchtest?

Du hast du nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Du willst also behaupten, dass diese Frau die friedlich demonstriert den Holocaust verherrlicht? Sie und die Leute protestierten gegen die momentane Politik. Das ist ihr gutes Recht! Wer etwas dagegen hat ist gegen die Meinungsvielfalt, die ein gelebte Demokratie ausmacht. Und wenn jemand nationalistisch denkt, bedeutet das noch lange nicht, dass der oder diejenige ein "Nazi" ist. Jeder kann denken was er will aber andere zu diffamieren und an der Äusserung ihrer Meinung zu hindern, denkt diktatorisch und Diktaturen hatten wir wohl schon genug. Oder?

Versuchst du hier tatsächlich Naziverbrechen zu verharmlosen?

Niemand will hier etwas verharmlosen. Schon gar nicht die den Holocaust. Dieses Denken in Extremen meine ich. Wer friedliche Bürger, die anderer Meinung sind wie werden von euch als Nazis beschimft, der stellt diese Menschen auf eine Stufe mit Verbrechern.Wer nicht links ist, der ist nach eurer Meinung ein Rechter. Dieses Schwarz-weiss- denken ist sehr gefährlich. Es spaltet die Gesellschaft und schafft nur Probleme. Wie soll das weitergehen? Wollt ihr eine zweite DDR?

Niemand wird als Nazi bezeichnet, weil er anderer Meinung ist. Das ist ein Narrativ, welches von deiner Nazipartei geschaffen wurde, um ihre feindlichen Parolen zu legitimieren.

Als Nazi wird man bezeichnet, wenn sich jemand zusammen mit anderen Nazis auf einer Demonstration zeigt, welche nachweislich von Nazis organisiert wurde.

Oder, wenn jemand im Nachhinein versucht das Ganze zu relativieren bzw. als gutbürgerlich darzustellen.

Ach übrigens, mit dem Begriff "nationalistisch" in "wenn jemand nationalistisch denkt" hast du dich komplett entarnt. Du meintest vermutlich patriotisch. Der Begriff nationalistisch ist ein bisschen anders gemeint. Aber jetzt weiß man aus welcher Ecke du kommst.

Ach ja.

Die gute Frau regt sich auf das sie als "Nazi" beschimpft wird weil sie auf einer Nazi Kundgebung war.

Nun man braucht sich eigentlich nur ihre Kinder anschauen. Wo Kommentieren sie meistens mit? Wenn es gegen ihre heißgeliebte AfD geht. Sie Kommentieren mit wenn Flüchtlinge angegriffen worden sind. Dann wird gerne Mal relativiert. Wenn irgendwelche Volldeppen Flüchtlinge (nur ein kleiner Teil ist Kriminell) Straftaten begehen.

Und dann wundern wenn man auf einer Nazi Kundgebung als Nazi beschimpft wird.

Bei der AfD bekommt man keine Lösungen. Im Gegenteil. Während der Pandemie erwiesen sie sich als komplett nutzlos.

Alice Weidel.
Deutschland muss sofort Maßnahmen ergreifen.
Knapp 6 Wochen später.
Alle Maßnahmen sofort aufheben.

Das ist nur eines von vielen Beispielen.
Oder die AfD Fraktion im Brandenburgischen Landtag. Sie hat gegen die Maßnahmen geklagt.

Jetzt Mal im Ernst.
Seit ihr nicht froh daß es so halbwegs glimpflich in Deutschland abging? Oder wollt ihr solche Todesfallzahlen wie in den USA, Italien, England, Brasilien? Jeder brüllt "Grenzen dicht". Dann sind die Grenzen dicht. Macht die Grenzen wieder auf. Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg aber Ausländer sollen das Gemüse ernten.

Findet Mal den Fehler in euren Aussagen.

Einen Tag vor der von AfD Teichner angemeldeten Demo am 16.05.2020 in Prenzlau wurde Kalbitz aus der AfD geschmissen, weil er selbst denen zu rechtsextremistisch war. Teichner und Gnauck haben ihn dennoch sprechen lassen. Hat Frau Hensel laut "Buh" gerufen, als der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte Mann seinen Hass abgelassen hat? Hat irgendwer in Prenzlau empört die Demo verlassen, als Kalbitz auftrat? Leider nein. Wer Nazis applaudiert, ist ein Nazi. Warum fehlt im Nordkurier der Hinweis, dass Kalbitz am 16.05.2020 in Prenzlau unwidersprochen auftreten konnte?