FAHRTAUGLICHKEIT

Ex-Polizistin macht nach Todes-Crash Forderung

Die Geisterfahrt eines 82-jährigen Prenzlauers bewegt noch immer die Gemüter. Hanna Vierk fährt auch noch selbst, appelliert aber an alle Rentner.
Die Menschen hinterm Steuer werden immer älter. Das birgt Gefahren. Doch Senioren könnten besser fahren, als man den
Die Menschen hinterm Steuer werden immer älter. Das birgt Gefahren. Doch Senioren könnten besser fahren, als man denkt, ist Hanna Vierk überzeugt. Felix Kästle
Prenzlau.

Seitdem ein Rentner aus der Kreisstadt durch Wenden auf der Autobahn einen tödlichen Unfall verschuldet hat, der Uckermark Kurier berichtete, kocht die Debatte über die Gefahren durch ältere Kraftfahrer wieder hoch. Die Kommentarspalten in den sozialen Netzwerken sind voller Meinungen, vor allem der jungen Verkehrsteilnehmer: „Da kann der Opi noch so lieb gewesen sein, er war alt. Und wenn wir alt werden, werden wir tüdelig. Leider auch starrsinnig, und das ist eine tödliche Kombination.“ „Wer kennt das nicht, den Senior, der mit 70 km/h über die Straße schleicht und dann noch erbost reagiert, wenn man ihn überholt. Der einzige Grund, warum Führerscheineignungsprüfungen nicht längst Gesetz sind, ist doch, dass die Politiker schlicht Angst vor den vielen alten Wählern haben.“ „Man sollte ab einem bestimmten Alter zu Tauglichkeitstests verpflichtet werden.“

Vorverurteilung ungerecht

Hanna Vierk gehört zu den älteren Menschen, die diese Vorverurteilungen ungerecht finden. Die 81-Jährige könnte aus der Haut fahren, wenn wieder mal die Forderung, Senioren ab einem bestimmten Alter die Fahrerlaubnis zu entziehen, durch die Medien geistert. „Das ist doch Diskriminierung schlimmster Art.“ „Die Jungen sollen mal nicht so tun, als ob sie keine Fehler machen. Jeder macht Fehler, auch im Verkehr.“ Sie appelliert nichtsdestotrotz an die Menschen in der zweiten oder dritten Lebenshälfte, ihre fahrerischen Qualitäten kontinuierlich kritisch zu beurteilen. „Ich sage immer, dass man sich neben dem Enkel ans Steuer setzen sollte. Wenn der meint, dass es mit Oma oder Opa als Fahrer gar nicht mehr geht, sollte man Konsequenzen ziehen.“

Noch souverän im Straßenverkehr

Sie persönlich bekomme immer noch das Okay ihrer Angehörigen, freut sich die pensionierte Polizistin. „Dieser Tage erst bin ich mit meiner Tochter als Beifahrerin quer durch Berlin gefahren. Und sie hat gestaunt, wie souverän ich jede Situation gemeistert habe.“ Doch das kommt nicht von ungefähr, ist die Prenzlauerin überzeugt. Ein Grund dafür könnte sein, dass sie regelmäßig zum Kraftfahrerstammtisch in Prenzlau geht. Hier belegt die fitte Rentnerin einmal im Monat Fachvorträge und Seminare zum Thema Verkehr. „Wir treffen uns immer jeden ersten Mittwoch ab 9.30 Uhr in der Uckerwelle.“

Wissen auffrischen

Sie hofft, dass es nach der Coronapause ab September endlich wieder weiter geht. Hanna Vierk betont, dass es für selbstfahrende Senioren immens wichtig sei, ihr Wissen über Veränderungen im Verkehr aufzufrischen. „Wir sprechen mit den Teilnehmern über das richtige Verhalten im Straßenverkehr, thematisieren Vorfahrtsregeln, Neuerungen wie Kreisverkehre, üben den Schulterblick und das Einparken.“ Denn Fakt sei, dass die Alten noch zu DDR-Zeiten die Fahrerlaubnis erworben haben. „Und seitdem hat sich so viel verändert. Nicht nur bei den Verkehrsregeln, sondern vielmehr insgesamt auf der Straße. Schon allein die Fahrzeugdichte wäre damals doch unvorstellbar gewesen. Ebenso die große Aggressivität untereinander, die zunehmend zu beobachten ist. Damit haben Kraftfahrer bis heute Probleme“, gibt Hanna Vierk wieder, was sie selbst so beobachtet.

Sie würde sich deshalb freuen, wenn der harte Kern des Kraftfahrerstammtisches von 25 Senioren noch größer wird. „Es lohnt sich“, versichert ihr Mann Armin Vierk. Er wirbt für den Fahr-Fitness-Check, den man hier ablegen kann. Es müsse alles getan werden, damit solche schlimmen Fehler wie bei dem A11-Unfall vermieden werden.

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