BUNDESWEITER VORLESETAG

▶ Ehemalige Analphabetin liest in Templin (mit Video)

Eine 54-Jährige, die erst vor vier Jahren begann, richtig schreiben und lesen zu lernen, ist inzwischen so selbstbewusst, vor Publikum zu lesen.
Horst Skoupy Horst Skoupy
Sybille Redlich (rechts) hat erst vor vier Jahren damit begonnen, richtig schreiben und lesen zu lernen. Beim Vorlesetag im Te
Sybille Redlich (rechts) hat erst vor vier Jahren damit begonnen, richtig schreiben und lesen zu lernen. Beim Vorlesetag im Templiner Brotkorb, zeigte sie selbstbewusst, was sie schon kann. Mit im Bild: Sybille Lipski vom Brotkorb und Carsten Ablass, Leiter eines Alphabetisierungsprojektes in der Uckermark. Horst Skoupy
Familie Hildebrandt aus Hardenbeck, die sonst im Lebensmittel vom Templiner Brotkorb holen, nutzten die Gelegenheit, beim Vorl
Familie Hildebrandt aus Hardenbeck, die sonst im Lebensmittel vom Templiner Brotkorb holen, nutzten die Gelegenheit, beim Vorlesetag zuzuhören. Horst Skoupy
Kapitel für Kapitel lasen Julia Krause, Olga Ngyngya, Erika Benn, Sybille Lispski und Carsten Ablass (von links) aus dem
Kapitel für Kapitel lasen Julia Krause, Olga Ngyngya, Erika Benn, Sybille Lispski und Carsten Ablass (von links) aus dem Buch von Marion Döbert „Rosa Meer”. Horst Skoupy
Templin.

Wer sagt eigentlich, dass ein Vorlesetag nur etwas für Kinder ist? Das haben sich Aktive des Templiner Brotkorbes gefragt. Die Einrichtung des Templiner Fördervereins Hilfe gegen soziale Not, die Lebensmittel an Bedürftige ausgibt, hatte am Freitag anlässlich des bundesweiten Vorlesetages unter dem Motto „Geh auf Buchfühlung” zu einer ersten Literaturrunde in ihre Räume eingeladen.

Partner mit ins Boot geholt

Die Idee dafür entstand am Rande eines Informationstages mit dem Regionalen Grundbildungszentrum Uckermark, das in Prenzlau seinen Sitz hat, informierte Sybille Lipski vom Templiner Brotkorb. Die Einrichtung, die in der Kreisvolkshochschule Uckermark angesiedelt ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Analphabeten und Flüchtlingen in der Uckermark dabei zu helfen, schreiben und lesen zu lernen, so Projektleiter Carsten Ablass. Mit Julia Krause vom Templiner Johanniter-Projekt „Leuchtturm der Integration”, das unter anderem Geflüchtete in Sprachkurse vermittelt, stieß ein weiterer Partner zum Vorlesetag. Und nicht zuletzt hatte auch Gisela Kinzel, die in Templin einen Kurs Kreatives Schreiben von Hobbyautoren leitet, ihre Unterstützung zugesagt.

 

 

 

Ehemalige Analphabetin traut sich

Diese Konstellation hinterließ beim Vorlesetag ihre Spuren. Denn mit Erika Benn las nicht nur eine pensionierte Lehrerin aus dem Buch von Marion Döbert „Rosa Meer”, sondern auch Sybille Redlich. Die 54-jährige Templinerin hat trotz ihres Schulbesuches zu DDR-Zeiten nie richtig schreiben und lesen gelernt. Erst vor vier Jahren hatte sie sich einen Ruck gegeben und im Grundbildungszentrum freiwillig damit begonnen, Kurse bei Carsten Ablass zu nehmen. „Ich wollte nicht länger ausgelacht werden”, sagte die Mutter dreier Kinder. Obwohl ihr das Lernen nicht leicht fällt, war sie selbstbewusst genug, beim Vorlesetag zu zeigen, was sie schon kann.

Deutsch in zweieinhalb Jahren gelernt

Und auch Olga Ngangya las an dem Tag aus dem Buch vor. Die 25-jährige Asylbewerberin aus dem Kamerun lernt sei zweieinhalb Jahren die deutsche Sprache und kann sich bereits ganz gut verständigen. Die Prüfung für den sogenannten B1-Sprachkurs hat sie bereits erfolgreich bestanden. Jetzt geht sie den B2-Sprachkurs an. Ihre Motivation? „Ich möchte in Deutschland eine Ausbildung in Lagerlogistik beginnen”, erzählte sie. Bevor sie aus ihrem Land flüchten musste, hatte sie ein Studium in diesem Beruf begonnen.

Besser hätte der Vorlesetag nicht laufen können, schätzte am Ende Sybille Lipski ein. Sie ist sich sicher, dass es nicht der letzte dieser Art gewesen ist.

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