CORONA-KRISE

Belastungsprobe für Familien in der Uckermark

Experten warnen nachdrücklich, dass die Corona-Krise ein Nährboden für häusliche Gewalt sein könnte. Das Jugendamt Uckermark ist alarmiert.
Im Zuge der Corona-Krise konzentriert sich das familiäre Leben auf das häusliche Umfeld. Eine Belastungsprobe f&uuml
Im Zuge der Corona-Krise konzentriert sich das familiäre Leben auf das häusliche Umfeld. Eine Belastungsprobe für Eltern und Kinder. Maurizio Gambarini
Jugendamtsleiter Stefan Krüger rechnet mit einem Anstieg häuslicher Gewalt in den nächsten Tagen und Wochen.
Jugendamtsleiter Stefan Krüger rechnet mit einem Anstieg häuslicher Gewalt in den nächsten Tagen und Wochen. Konstantin Kraft
Uckermark.

Die Restriktionen zum Schutz gegen das Coronavirus stellen viele Familien derzeit vor große Herausforderungen. Kitas und Schulen sind zu. Kinder und Jugendliche müssen zu Hause betreut werden. Eltern sind im Homeoffice oder bangen um ihre Jobs. Das familiäre Leben konzentriert sich auf das häusliche Umfeld. Der Bewegungsradius ist eingeschränkt. In der Öffentlichkeit gilt ein striktes Kontaktverbot. All dies bedeutet einen Stresstest für Familien und könnte ein Nährboden für Konflikte sein. Experten warnen, dass durch die Ausnahmesituation die Fälle häuslicher Gewalt und Kindeswohlgefährdungen steigen könnten.

Konfliktpotenzial wächst

Stefan Krüger, Leiter des Jugendamtes des Landkreises Uckermark, erklärte auf Nachfrage, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch kein krisenbedingter Anstieg häuslicher Gewalt zu verzeichnen sei. Die Zahl der Meldungen auf Kindeswohlgefährdung sei aktuell leicht gestiegen. „Wir gehen jedoch davon aus, dass die Zahlen von häuslichen Konflikten und auch Kindeswohlgefährdungen ansteigen werden“, prognostizierte Krüger. „Für viele Familien, die schon ihren Alltag vor Corona nicht gut gestalten konnten, ist die gegenwärtige Situation eine besondere Herausforderung. Dies birgt deutliche Gefahren für das Kindeswohl.”

Eltern-Sorge-Telefon geschaltet

Umso wichtiger sei es, dass das Jugendamt auch in Krisenzeiten erreichbar bleibt. Zwar wurden die Bürgersprechstunden vorübergehend ausgesetzt, dafür hat das Jugendamt seine telefonische Erreichbarkeit ausgebaut. Seit diesem Freitag ist zudem ein „Eltern-Sorge-Telefon“ aktiv, an das sich Kinder und Jugendliche, Eltern und Bürger wenden können, „wenn die Situation zu Hause sie überfordert und sie selbst oder andere in Not geraten“. Geschulte Sozialpädagogen nehmen die Anrufe entgehen.

Kinderschutz im Fokus

Sobald eine Kindeswohlgefährung beim Jugendamt gemeldet wird, setzt sich ein Team aus drei Sozialarbeitern unverzüglich zusammen und berät über die weitere Vorgehensweise. In der Regel erfolge dann ein unangemeldeter Hausbesuch, der von zwei Sozialarbeitern durchgeführt wird. „Der Umfang der Prüfung in Kinderschutzfällen hat sich in Corona-Zeiten nicht reduziert. Hier ist große Sorgfalt geboten“, betonte der Jugendamtsleiter.

Verdacht unbedingt melden

Sofern ein Verdacht auf Kindeswohlgefährdung bekannt werde, müsse dieser unverzüglich an das Jugendamt gemeldet werden, mahnte er an. „Außerhalb der Sprechzeiten ist der Kinder- und Jugendnotdienst des Trägers IG Frauen rund um die Uhr unter der Nummer 03984 866157 erreichbar.“

Eltern-Stress-Telefon: 03984 704444

 

 

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