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Fußball-WM

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Viele kroatische Stars – aber keine Mannschaft

Mario Mandzukic und seine Kroaten könnten bei der WM für eine Überraschung sorgen. 
Mario Mandzukic und seine Kroaten könnten bei der WM für eine Überraschung sorgen.
Andrej Cukic

32 Mannschaften spielen bei der Fußball-WM in Russland um den Titel. Wir stellen alle Teilnehmer vor. Hier geht es um Kroatien.

Welches Potenzial die Kroaten haben, beweist das Champions-League-Finale. Gleich drei Kroaten standen am 26. Mai in den beiden Final-Teams: Luka Modric und Mateo Kovacic bei Real Madrid, Dejan Lovren beim FC Liverpool. Sime Vrsaljko gewann mit Atletico Madrid die Europa League. Hinzu kommen Stars wie Ivan Rakitic vom FC Barcelona oder Mario Mandzukic von Juventus Turin, die beide früher in der Bundesliga spielten.

„Wir haben zum sechsten Mal in Folge einen Champions-League-Sieger“, sagte Nationaltrainer Zlatko Dalic stolz: „Das zeigt die Qualität der kroatischen Mannschaft und erlaubt uns, mit Optimismus in die WM zu gehen.“

Wiedersehen mit Island

In Frankfurts Pokal-Held Ante Rebic, Tin Jedvaj (Bayer Leverkusen), Andrej Kramaric (1899 Hoffenheim) und Marko Pjaca (FC Schalke 04) gehören vier Bundesliga-Spieler zum vorläufigen Aufgebot. Auf die Frage, ob Kroatien die Überraschung der WM wird, antwortete Kramaric: „Das hätten wir schon bei der EM werden können.“ Als Gruppensieger vor Spanien verloren die Kroaten im Achtelfinale gegen den späteren Europameister Portugal nach Verlängerung.

Und diesmal? „Wenn wir die Gruppe überstehen, ist alles möglich“, sagte Kramaric. Der kroatische WM-Kader ist mit einigen jungen Talenten gespickt, die sich mit guten Leistungen bei der WM-Endrunde durchaus für europäische Top-Klubs empfehlen können. In Russland haben die Balkan-Kicker mit Argentinien, Island und Nigeria wieder eine schwere Gruppe erwischt. Gegen Island scheiterte man schon in der Qualifikation. Im Anschluss musste das Dalic-Team in die Play-offs, konnte sich dort aber klar gegen Griechenland unter Trainer Michael Skibbe (0:0/4:1) durchsetzen. „Es wird nicht leicht, aber wir glauben an uns“, sagte Marko Pjaca (Schalke 04), einer der vielen Bundesliga-Legionäre.

Letzte Chance auf eine gute WM

Oft fehlte jedoch die Konstanz, so auch in den letzten Freundschaftsspielen. Auf der US-Reise im März gab es zunächst eine 1:2-Pleite gegen Peru, dann folgte ein erlösendes 1:0 gegen Mexiko. Barcelonas Mittelfeldspieler Ivan Rakitic, von 2007 bis 2011 bei Schalke 04 unter Vertrag, erzielte per Elfmeter den Siegtreffer.

Dennoch sind die Erwartungen der heißblütigen Fans in der Heimat wieder riesig, die Enttäuschung von 2014 unter Trainer Niko Kovac wiegt noch schwer: Kroatien hat sich für die Fußball-WM in Russland viel vorgenommen. Für nicht wenige Stars der „Kockasti“ (Die Karierten) ist es die letzte Chance auf WM-Ruhm.

Kroatien hat zu viele Individualisten

„Ich hoffe, dass wir die K.-o.-Runde bei der WM erreichen – und vielleicht noch etwas mehr“, sagte Trainer Zlatko Dalic. Bei der letzten WM scheiterte die stolze Fußball-Nation in der Gruppenphase an Gastgeber Brasilien und Mexiko. Trainer Niko Kovac musste gehen, schaffte es aber immerhin über die Station Eintracht Frankfurt noch zum neuen Cheftrainer von Bayern München.

Dalic als heutiger Nationaltrainer der kroatischen Elf hingegen verfügt über eine nette Ansammlung herausragender Individualisten wie Luka Modric, Ivan Rakitic, Mario Mandzukic oder Ivan Perisic, die sich bislang aber nur äußerst selten zu einer starken Mannschaft zusammenfanden. Sollte dieses jedoch in Russland gelingen, dann ist den Kroaten bei der WM so einiges zuzutrauen.