WIE HANDBALL, NUR ANDERS

▶ Neubrandenburger sind die Tchoukball-Pioniere des Nordens

Tchoukball, ein Zungen-, aber kein Knochenbrecher. Pavla Jebavá hat die kontaktlose, kuriose Sportart nach Neubrandenburg gebracht und hier das erste Team in Norddeutschland gegründet.
Ziel des Spiels ist es, dass das gegnerische Team den Ball nach dem Aufprall nicht abfängt.
Ziel des Spiels ist es, dass das gegnerische Team den Ball nach dem Aufprall nicht abfängt. Peter Krüger
Trainer Pavla Jebavá (Mitte) erklärt ihrer Mannschaft verschiedene Taktiken und Spielzüge.
Trainer Pavla Jebavá (Mitte) erklärt ihrer Mannschaft verschiedene Taktiken und Spielzüge. Peter Krüger
Bei höchstens drei Pässen vor dem „Tchouk” sind die Spielzüge schnell beendet, das macht das Zuscha
Bei höchstens drei Pässen vor dem „Tchouk” sind die Spielzüge schnell beendet, das macht das Zuschauen so spannend. Peter Krüger
Neubrandenburg.

Tchoukball klingt wie eine Spiel, das man eigentlich auf fliegenden Besen spielen müsste, so als hätte es die Autorin von Harry Potter erfunden. Schaut man allerdings den Neubrandenburger Hochschülern – und nicht etwa den Zauberschülern von Hogwarts – beim Training zu, wird klar: Die Regeln sind kein Hexenwerk.

Das Runde muss ins Eckige, so viel ist bekannt. Beim Tchoukball gilt das allerdings nur so halb: Hier muss das Runde gegen das Eckige, in Form der sogenannten Frames. Diese Prallwände bringt Trainerin Pavla Jebavá jedes Mal zum Training mit, denn noch gehören sie nicht zur Grundausstattung einer Sporthalle.

Wenn der Ball auf so ein Frame trifft, klingt das wie „tchouk”, daher der Name Tchoukball. Ziel des Spiels ist es, dass das gegnerische Team den Ball nach dem Tchouk nicht abfängt. Dazu müssen die Spielerinnern und Spieler Lücken finden, die Technik muss stimmen. „Man kann beim Tchoukball nicht alles mit Kraft machen”, erklärt Jebavá, „manche Würfe müssen sogar unbedingt ohne Kraft durchgeführt werden.”

Wie einen Lieblingspullover mit nach Neubrandenburg genommen

So ist Tchoukball ein Sport, bei dem Männer und Frauen zusammen spielen können. Erst auf Europa- und Weltmeisterschaftsebene sind die Mannschaften getrennt, in der Liga muss hingegen in jedem Team mindestens eine Frau sein. „Geschlechtsneutral” nennt Jebavá das.

Die 28-jährige Tschechin hat den Sport während ihres Studiums in Prag kennengelernt und wie einen Lieblingspullover nach Neubrandenburg mitgenommen, weil sie so großen Spaß daran hatte. Die Studentin schätzt nicht nur die „Geschlechtsneutralität” und die fordernde Technik, sondern vor allem, dass das Spiel kontaktlos ist.

Als Ertüchtigung mit geringem Verletzungsrisiko war Tchoukball auch von seinem Erfinder, einem Schweizer Sportmediziner, in den 70er Jahren gedacht. Die größte Tradition hat der Sport in seinem Heimatland und ist von dort vor allem nach Asien, nach Singapur und Taiwan, geschwappt. In Tschechien ist Tchoukball dagegen, wie auch in Deutschland, eine Randsportart.

 

In einer Kabine mit dem Deutschen Meister

So ist Pavla Jebavás Team vom Hochschulsportverein Neubrandenburg das erste und derzeit einzige in Norddeutschland. Tchoukball-Mannschaften gibt es nur noch in vier weiteren deutschen Bundesländern. Besonders verbreitet ist der Sport in Nordrhein-Westfalen, das mit dem TuS Oeckinghausen auch den amtierenden deutschen Meister stellt.

Mit den Oeckinghausener Tchoukballern haben die Neubrandenburger schon die Kabine geteilt, bei der Deutschen Meisterschaft im Juni in Erfurt. Neubrandenburg ist 15. von 15 geworden. „Aber bei welcher anderen Sportart kann man schon drei Monate nach Gründung des Teams und Trainingsbeginn bei der Deutschen Meisterschaft mitmachen?”, fragt Jebavá. Im März, als eine Gruppe neugieriger Neubrandenburger Studierender zum ersten Mal Bälle gegen die Tchoukball-Frames warf, waren alle Anfänger.

Das war ein Grund für manche der inzwischen 15 Mitglieder, es einmal zu versuchen. Sie begannen von Null und lernten gemeinsam die Regeln des Sieben gegen Sieben-Hallentchoukballs: Das Runde muss gegen das Eckige und das Trainingsspiel dauert zwanzig Minuten. Bei höchstens drei Schritten vor Abwurf und drei Pässen vor dem „Tchouk” sind die Spielzüge schnell beendet, das macht das Zuschauen so spannend.

Ende November geht es nach Prag

Noch mehr Spaß haben offensichtlich die Spielerinnen und Spieler – auch weil die Tchoukball-Gemeinschaft, wie Pavla Jebavá schwärmt, „super herzlich” ist. Wo Tchoukball gespielt wird, zum Beispiel bei den Vereinen in Italien und Tschechien, sei sie immer willkommen.

Ende November wird ihr Team die Gastfreundschaft der Prager Tchoukballer testen. Auch dort, beim kostümierten Beach-Tchoukball, dreht es sich vor allem um die Freude am Sport. Vielleicht spielen ja auch ein paar Zauberer und Hexen mit.

In Zusammenarbeit mit dem Jugendmigrationsdienst im Quartier des AWO-Stadtverbandes Neubrandenburg plant das Team des HSV Neubrandenburg Tchoukball-Trainings bald auch in der Ihlenfelder Vorstadt, Vogelviertel und dem Reitbahnviertel. Interessenten ab 12 Jahren können sich unter tchoukball.nb@gmail.com melden. Probetrainings beginnen Ende Oktober.

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