MARATHON

Glück im Unglück für Tom Gröschel

Der Marathonläufer vom TC Fiko Rostock ist auf dem Weg zu Olympia erneut zurückgeworfen worden. Das Ziel bleibt Tokio.
Eine erneute Verletzung hat Tom Gröschel, hier beim Düsseldorf-Marathon 2018, zurückgeworfen.
Eine erneute Verletzung hat Tom Gröschel, hier beim Düsseldorf-Marathon 2018, zurückgeworfen. A. Fuchshuber
Rostock.

Dieses Mal ist es vielleicht sogar Glück im Unglück für Tom Gröschel. Glück, dass die Verletzung in die Coronakrise fällt, in der auch der Profisport auf null gefahren worden ist. Der 28 Jahre alte Marathonläufer vom TC Fiko Rostock bereitete sich gerade mit Laufkollegen in Kenia auf die Frühjahrsrennen vor, als das Virus alles stoppte. Das war Mitte März. Sie entschieden sich schließlich, das Trainingslager in der afrikanischen Läuferhochburg vorzeitig abzubrechen. „Wer weiß, ob wir später so einfach zurück nach Deutschland gekommen wären”, sagt Gröschel, der sich zu dem Zeitpunkt schon mit Rückenschmerzen plagte.

Eine Konsultation beim Arzt in der Heimat brachte schließlich die Diagnose – Ermüdungsbruch im Rücken. „Ich war total am Boden”, sagt der Deutsche Marathonmeister von 2018 und 2019, der erst im vergangenen Jahr wegen eines Fußbruches monatelang pausieren musste. Jetzt der erneute Rückschlag. Doch mittlerweile nimmt es der Fiko-Läufer auch ein wenig mit Humor. „Da wir jetzt ja ohnehin keine Marathons laufen können, bleibt mir mehr Zeit für die Heilung, als wir erwarten konnten.”

Kontrollen im ganzen Land

Tom Gröschel geht in diesen Wochen deshalb auch seiner eigentlichen Arbeit nach – als Beamter bei der Landespolizei in Mecklenburg-Vorpommern. Als Bereitschaftspolizist ist er im ganzen Land unterwegs gewesen zu Einsätzen, auf dem Darß, in Löcknitz, Pasewalk oder Woldegk. Mit seinen Kollegen war der Sportler unter anderem dafür zuständig, dass die Menschen die Corona-Verordnungen einhalten.

Gröschel gehört zur Sportfördergruppe der Polizei und muss dort im Jahr eine bestimmte Zeit an Dienststunden leisten. Von daher passte der Zeitpunkt der Verletzung. „Ich sollte ohnehin nicht trainieren, nur spazieren gehen ist erlaubt”, erzählt er mit einem Schmunzeln. Doch schon bald will der Polizist wieder die Laufschuhe schnüren können. In dieser Woche muss er zur Kontrolle, ob der Rücken wieder Training zulässt. „Dann werden wir sehen, wie wir weiter planen können”, sagt Tom Gröschel, der hofft, dass er im Juni mit der Reha beginnen kann. Wann er wieder ein Rennen bestreiten könnte – mit dieser Frage beschäftigt sich der Europameisterschafts-Elfte von 2018 im Marathon nicht: „Ich muss erst einmal wieder meine Füße voreinander kriegen.”

In Barcelona lief Gröschel Bestzeit über 21,1 km

Außer Frage steht aber für Gröschel, der in Bochum in einer Gruppe mit Hendrik Pfeiffer und Amanal Petros trainiert, sein großes Ziel: Der Rostocker will bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio an der Startlinie stehen. Seine Kumpels Pfeiffer und Petros haben die Olympia-Norm von 2:11,30 Stunden bereits erfüllt. „Es ist cool, dass zwei Jungs aus meiner Trainingsgruppe es schon geschafft haben. Das wird nicht einfach für mich, alles ist aber offen”, sagt Tom Gröschel. Der Olympiazyklus beginnt im Dezember, Gröschel könnte im Frühjahr einen Marathon laufen, um die Norm zu knacken. Aber: „Das ist noch weit weg derzeit”, meint der Polizist.

Dabei war Gröschel schon auf gutem Weg. Beim Halbmarathon im Februar in Barcelona lief er mit 1:04,09 Stunden eine neue persönliche Bestzeit. Auch im Trainingslager in Kenia lief es rund: „So viel Spaß hatte ich seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Ich hatte richtig Bock.” In Kenia habe er gemerkt, dass bei ihm noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sei. Tom Gröschel will Marathon laufen – am liebsten den olympischen.

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