LEICHTATHLETIK

Robert Harting: „Diskus-Weltrekord muss fallen“

Robert Harting gehört zu den ganz großen Stars der Leichtathletik. An Neubrandenburg hat der Diskuswurf-Olympiasieger nur gute Erinnerungen.
Robert Harting wurde 2012 in London Olympiasieger im Diskuswerfen.
Robert Harting wurde 2012 in London Olympiasieger im Diskuswerfen. Bernd Thissen
Beim "Wettkampf" in Neubrandenburg war Robert Harting (Zweiter von rechts) aufmerksamer Beobachter. Thomas Krause
Neubrandenburg.

Wenn so ein Mann in einem Weltrekord-Stadion zu Gast ist, dann muss man mit ihm auch über den Weltrekord sprechen. Am 6. Juni 1986 warf der gebürtige Hagenower Jürgen Schult die zwei Kilogramm schwere Diskusscheibe im Neubrandenburger Jahnstadion auf unglaubliche 74,08 Meter – es ist der älteste Männer-Weltrekord in der Leichtathletik-Geschichte.

Heute, 34 Jahre später, schreitet Robert Harting über den fein geschnittenen Rasen des Jahnstadions und findet, dass es Zeit ist für eine neue Marke. „Dieser Weltrekord muss fallen”, sagt der Diskuswurf-Olympiasieger von 2012. Der 35-Jährige, der 2018 seine Karriere beendet hat, begleitete seine Frau Julia, die in Neubrandenburg nach gut zweijähriger Pause selbst wieder einen ersten „Diskuswettkampf” bestritt, und fühlte sich sichtlich wohl im Kreis der Athleten. Hier ein Plausch, dort ein Plausch, und immer ein breites Grinsen im Gesicht.

Harting glaubt, dass der Weltrekord bei den Männern in den nächsten zwei bis drei Jahren auch fallen wird und hat dafür einen Kandidaten im Blick, der das schaffen könnte: Daniel Stahl. Der 27 Jahre alte Schwede holte sich im vergangenen Jahr bei der Weltmeisterschaft in Doha (Katar) den Titel, seine persönliche Bestleistung steht bei 71,86 Meter. „Daniel hat auch physisch die besten Voraussetzungen, den Weltrekord zu verbessern. Ihm traue ich das zu”, sagt Robert Harting.

Im Jahnstadion war Harting auch erfolgreich

Der Berliner galt selbst als einer der Diskuswerfer, der den Schult-Fabelrekord brechen könnte. Harting aber sagt von sich, dass er nie ein Typ gewesen sei für Weltrekorde. Seine persönliche Bestleistung liegt bei 70,66 Metern, die er im Mai 2012 aufstellte – weiter flog die Scheibe nicht mehr. Dafür sammelte der gebürtige Cottbuser in seiner Karriere reihenweise Titel. Dreimal (2009, 2011, 2013) wurde Harting Weltmeister, gewann 2012 und 2014 den Europameistertitel und eroberte sich zehn Deutsche Meisterschaften.

Auch im Neubrandenburger Jahnstadion hinterließ Robert Harting schon seine Spuren. Vor zehn Jahren feierte das DKB-Meeting seine Premiere in der Viertorestadt und das mit einem besonderen Format – den DKB-Duellen. Kugelstoßer, Hammer- und Diskuswerfer sowie Hürdensprinter kämpften damals vor 3000 Zuschauern Mann gegen Mann, Frau gegen Frau. Robert Harting kann sich an die Veranstaltung noch sehr gut erinnern. Nicht nur, weil er sein Duell gegen den Polen Piotr Malachowski gewonnen hatte und dafür auch noch die Siegprämie von 3000 Euro einstrich. Mit 69,69 Metern gelang ihm eine neue persönliche Bestweite. Weiter als im Jahnstadion warf Harting in seiner Karriere nur noch zweimal. „69,69 – so ein Ergebnis vergisst man nicht”, erzählt er und fügt hinzu: „Die Windverhältnisse in dem Stadion sind ja oft gut.”

Mit einem zweiten Platz bei Istaf in Berlin schloss Robert Harting am 2. September 2018 schließlich das Kapitel Leistungssport. Im Berliner Olympiastadion warf er die Scheibe noch einmal auf 64,95 Meter – das wars.

Hartings Frau Julia möchte nach Tokio

Momentan kümmert sich der einstige Diskus-Star um seine junge Familie. Im Mai des vergangenen Jahres brachte seine Frau Julia Zwillinge zur Welt, seitdem dreht sich vieles in seinem Leben um die Kinder. „Ich bin sozusagen Full-Time-Daddy”, erzählt er. Zudem betreibt er eine Kommunikationsagentur, betreut Sportler. Und wenn es passt, begleitet er seine Frau zu Wettkämpfen.

Julia Harting möchte nach ihrer Babypause 2021 bei den Olympischen Spielen in Tokio starten. Das „Training unter Wettkampfbedingungen” vor zwei Wochen in Neubrandenburg war ein erster Schritt. „Schön, dass Julia diese Möglichkeit hatte”, so Robert Harting. Am kommenden Mittwoch, wenn der SCN seinen ersten offiziellen Wettkampf in der Coronakrise ausrichten kann, will Julia Harting wieder im Diskusring stehen. Zuschauer im Jahnstadion dürfte dann auch wieder ihr Mann sein.

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