GEFÄHRLICHE TÄTOWIERUNGEN

Unterm "Arschgeweih" lauern viele Gefahren

Gerade junge Leute stehen auf Tätowierungen zur „Verschönerung” des Körpers. Es gibt allerdings auch etliche gesundheitliche Risiken.
Lifestyle in den 90er Jahren. Heute bereuen viel Frauen das „Arschgeweih”.
Lifestyle in den 90er Jahren. Heute bereuen viel Frauen das „Arschgeweih”. C3625 Heiko Wolfraum
Promis wie Gina-Lisa Lohfink sind oft nicht die besten Vorbilder, wenn es um Tattoos geht.
Promis wie Gina-Lisa Lohfink sind oft nicht die besten Vorbilder, wenn es um Tattoos geht. Jens Kalaene
Wenn man sich tätowieren lässt, sollte man ein professionelles Studio aufsuchen.
Wenn man sich tätowieren lässt, sollte man ein professionelles Studio aufsuchen. Bodo Marks
Auch die US-Sängerin Lady Gaga steht offensichtlich auf Tätowierungen.
Auch die US-Sängerin Lady Gaga steht offensichtlich auf Tätowierungen. Dominic Schaar
Neubrandenburg.

Erinnerungen festhalten, Liebe beweisen, sich einfach nur verschönern: Menschen, die sich tätowieren lassen, wissen genau, warum sie das tun. Was sie häufig nicht wissen: Tätowierungen bringen nicht nur Probleme bei der Berufswahl, sie können auch gesundheitlich riskant sein.

Jeder fünfte Deutsche hat sich bereits ein Tattoo stechen lassen, die Tendenz ist steigend. Den meisten gelten sie als harmlose Verschönerung: In einer Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) schätzte knapp die Hälfte von 1000 Befragten das gesundheitliche Risiko als niedrig ein. Professor Wolfgang Bäumler von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie des Universitätsklinikums Regensburg und andere Experten wie Dermatologen sehen das anders.

Es gibt folgende Risikofaktoren

Die Tätowierfarben

„Viele glauben, sie seien kontrolliert und absolut sicher. Aber so ist es nicht”, sagt Bäumler. Die Farben stammen aus der chemischen Industrie. „Das sind hochkomplexe Chemikalienmischungen, die nur einem industriellen Standard entsprechen.” Seiner Meinung nach sollten sie hochwertig und rein sein wie Medikamente. Immerhin würden die Farben in die Haut gegeben.

Unbekannte Inhaltsstoffe

Was genau in den Farben steckt, ist häufig nicht bekannt. „In Tätowierfarben sind im Wesentlichen Pigmente und Suspensionsmittel als Trägerflüssigkeit enthalten”, sagt Bäumler. „Dazu kommen bis zu 100 weitere Substanzen, die nicht alle auf den Farbfläschchen aufgelistet sind.”

Die Krebsgefahr

Bei Stichproben werden immer wieder auch krebserregende Stoffe in den Farben gefunden”, sagt Ines Schreiver, Leiterin der Nachwuchsgruppe Tätowiermittel im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Studien dazu, inwieweit Tätowierfarben tatsächlich Krebs auslösen, gibt es aber bislang nicht. Was ein Forschungsprojekt des BfR aber definitiv gezeigt hat: Farbpigmente aus Tattoos können sich dauerhaft als Nanopartikel in Lymphknoten ablagern und werden durch das Lymphsystem zu anderen Organen transportiert.

Die Verletzungsgefahr

„Beim Tätowieren entstehen tausendfache mikrokleine Verletzungen der Haut”, sagt Uwe Kirschner, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten aus Mainz. Dabei könnten Infektionen entstehen. Bäumler empfiehlt deshalb, professionelle Tattoostudios auszuwählen. Spontane Tätowierungen im Urlaub am Strand seien dagegen nicht empfehlenswert.

Das Allergierisiko

Rötungen, Schuppungen oder nässende Wunden, all diese allergischen Reaktion sind nach Tätowierungen schon vorgekommen”, erklärt Kirschner. Auch wenn die Symptome wieder abklingen, könne ein langfristiges Problem entstehen. „Hat der Körper einmal eine Allergie gezeigt, wird er sich bei erneutem Kontakt maximal dagegen wehren”, so der Hautarzt.

Das Problem mit der Vorsorge

Tattoos erschweren außerdem die Hautkrebsvorsorge, bei der Muttermale untersucht werden. Kirschner rät dringend davon ab, über ein Muttermal stechen zu lassen. Sportler sollten vor dem Gang zum Tätowierer wissen, dass tätowierte Haut weniger Schweiß bildet, der dafür jedoch natriumhaltiger ist. „Sind Sportler also großflächig tätowiert, kann es Probleme mit der Temperaturregulation geben. Zusätzlich haben sie einen höheren Salzverlust”, gibt Kirschner zu bedenken.

Teure Entfernung

Und was, wenn man das Tattoo dann doch wieder loswerden will? „Viele Menschen stellen sich das so einfach vor wie Tafelwischen”, sagt Wolfgang Bäumler. Uwe Kirschner empfiehlt das Lasern, betont aber: „Je größer und bunter das Tattoo ist, desto schwieriger wird es. Es gibt keine Garantie, dass das Tattoo komplett verschwindet.” Wer zum Experten, also zum Dermatologen geht, muss zudem eine teure Privatrechnung in Kauf nehmen.

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