CORONA-FOLGEN

Steigen die Strompreise bald richtig an?

Aufgrund der Corona-Krise fallen die Preise an den Strombörsen. Das könnte zu dem paradoxen Ergebnis führen, dass Privatverbraucher mehr für ihren Strom zahlen müssen.
Kohle gegen Windenergie: Im Schweriner Landtag ist ein Streit um die sogenannte „EEG-Umlage” zum Ausbau der erneue
Kohle gegen Windenergie: Im Schweriner Landtag ist ein Streit um die sogenannte „EEG-Umlage” zum Ausbau der erneuerbaren Energien ausgebrochen. Julian Stratenschulte
Neubrandenburg.

Viele Unternehmen in der Corona-Krise haben ihre Produktion heruntergefahren, Geschäfte waren geschlossen, Restaurants und Kneipen dicht. Dadurch verbrauchen viele Großabnehmer seit Monaten weniger Strom. Dementsprechend sieht die Nachfrage auf den Strombörsen aus: Seit Mitte März unterbietet sich der Strompreis regelmäßig selbst, manchmal wird sogar zu negativen Preisen gehandelt. Sprich: Wer Strom kauft, bekommt vom Verkäufer sogar noch eine Summe X draufgezahlt. Erstklassige Ausgangslage, sollte man meinen, damit Privatverbraucher in schweren Zeiten ein bisschen Geld durch die niedrigeren Strompreise sparen können. Doch weit gefehlt.

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Denn eine verzwackte Konstellation sorgt dafür, dass die Strompreise für Privatverbraucher unter dem Strich sogar steigen könnten. Denn im Jahr 2020 war es bisher sehr windig und sonnig, weshalb viel billiger Ökostrom auf dem Markt ist. Dieser wird von vielen konventionellen Energieproduzenten lieber angeboten: Anstatt ihren teuer selbst produzierten Strom zu Negativpreisen zu verkaufen, kaufen sie billigen Ökostrom auf und verkaufen diesen weiter.

Privathaushalte müssen EEG-Konto füllen

Das führt nun zu einem Problem: Mit der EEG-Umlage wird Ökostrom gefördert, indem Ökostrom-Produzenten ein bestimmter Preis garantiert wird, egal wie hoch der Preis an der Strombörse gerade ist. Die Differenz aus Mindestpreis und tatsächlichem Preis wird durch die EEG-Umlage gestemmt. Da diese Differenz aber bei kontinuierlichen Niedrigpreisen sehr hoch ausfällt, muss das EEG-Konto aufgefüllt werden. Und das geschieht normalerweise durch höhere Abgaben, die wiederum als Aufschlag auf die Stromrechnung durch den Privatverbraucher bezahlt werden – denn viele Konzerne sind von der EEG-Umlage ausgenommen.

Die AfD-Fraktion im Schweriner Landtagsfraktion macht die „verfehlte Energiepolitik” des Bundes für diese Konstellation verantwortlich. „Wenn diese Tendenz anhält, werden die Endverbraucher bald exorbitant hohe Strompreise zahlen müssen”, sagte der energiepolitische Sprecher Bert Obereiner. Wenn etwas nur durch Subventionen existieren könne, dann habe es „offensichtlich die Marktreife noch nicht erreicht”. Die CDU-Fraktion stimmt dem zu: „Es wird politisch immer schwieriger zu erklären, dass der Strompreis für den Endkunden steigt, wenn auf der anderen Seite der Preis an der Strombörse sinkt”, sagte Franz-Robert Liskow. Der Bundestag solle sich „schnellstens mit dieser Problematik” auseinandersetzen.

Linke wollen „soziale Energiewende”

Die Schweriner SPD-Landtagsfraktion hingegen warnt vor einer Dramatisierung der derzeitigen Situation: „Die Salden des EEG-Kontos schwanken regelmäßig je nach Jahreszeit und Wetterlage”, sagte der energiepolitische Sprecher der Fraktion, Philipp da Cunha. „Jetzt aber schon Horrorszenarien auf der Basis von zwei Monatsabrechnungen – zumal in einer absoluten Ausnahmesituation – für das kommende Jahr an die Wand zu malen, ist einfach Panikmache.” Die Sorge um eine Erhöhung der EEG-Umlage sei „nicht ganz unberechtigt”, doch die Sichtweise müsse breiter angelegt sein: „Verbraucher müssen auch von den deutlich gesunkenen Strompreisen an der Börse profitieren können”.

Wie das geschehen kann, erklärt die energiepolitische Sprecherin der Linksfraktion, Mignon Schwenke. Sie fordert einen Ausbau der erneuerbaren Energien bei gleichzeitig deutlicher Senkung der Stromsteuer und einer Beteiligung der Bürger und Gemeinden an den Gewinnen bei Windparks. „Völlig außen vor bleibt bei der AfD, dass die großen Energiekonzerne über die Jahrzehnte Subventionen in Milliardenhöhe für den Betrieb von ihren Kraftwerken kassiert haben”, so Schwenke.

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