CORONA-KRISE

Steht uns das Schlimmste noch bevor?

Die WHO warnt vor einer zweiten Corona-Welle, die das Ausmaß der ersten in ihren Schatten stellt. In einigen Ländern tritt sie bereits ein. Neueste Analysen zeigen: Auch Deutschland ist gefährdet.
Mitglieder der rechtsextremen „Boogaloo”-Bewegung demonstrieren in Concord im US-Bundesstaat Massachusetts gegen U
Mitglieder der rechtsextremen „Boogaloo”-Bewegung demonstrieren in Concord im US-Bundesstaat Massachusetts gegen Unternehmensschließungen im Zuge der Corona-Pandemie. Michael Dwyer
Neubrandenburg.

Ziemlich genau sieben Monate ist es nun her, dass das Coronavirus im chinesischen Wuhan nach heutigen Erkenntnissen erstmals bei einem Menschen auftrat. Seit vier Monaten hält die Pandemie mit ihren Folgen für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben die Welt im Schwitzkasten. In den meisten Ländern der Welt wurden teils drastische Maßnahmen verhängt, der Reiseverkehr ist global immer noch stark eingeschränkt, Lieferketten waren monatelang unterbrochen. Nun, da einige europäische Länder langsam wieder zur Normalität zurückkehren, setzt ein allgemeines Gefühl des Wiederanfangs ein.

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Doch genau diesem Gefühl bereitete die Weltgesundheitsorganisation WHO diese Woche ein jähes Ende: „Die harte Realität ist: Es ist noch nicht einmal annähernd vorbei”, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Mehr als eine halbe Million Menschen seien bereits an dem Virus gestorben. Doch dabei wird es wohl nicht bleiben: „Das Schlimmste wird noch kommen”, so Ghebreyesus. Einer der Hauptgründe: Aufgrund von wirtschaftlichem und politischem Druck halten viele Staaten die zur Eindämmung der Pandemie notwendigen Maßnahmen nicht mehr durch. Zudem beginnt in einigen Ländern schon jetzt eine zweite Welle an Infektionen, die in ihrer Schwere und ihrem Ausmaß die erste noch übertreffen könnte.

Israel steckt mitten in der zweiten Welle

Beispiel USA: Das weltweit am schlimmsten betroffene Land verzeichnete Ende April einen leichten Rückgang der Neuinfektionen. Doch nachdem die Arbeitslosenzahlen nie gekannte Höchststände erreichten, sahen sich viele Bundesstaaten gezwungen, die Corona-Maßnahmen deutlich zu lockern. Das Ergebnis: Die Ansteckungszahlen gingen durch die Decke, am Mittwoch überstieg die Zahl der Neuinfektionen an nur einem Tag erstmals die 50.000er-Marke – und sie steigt seitdem täglich weiter.

Beispiel Israel: Israel erlebt derzeit eine klassische zweite Welle, die ebenfalls durch Corona-Lockerungen ausgelöst wurde. Ging die Zahl der Neuinfektionen nach Höchstständen im März in den Wochen danach auf eine Phase mit weniger als 30 Fällen pro Tag zurück, stieg sie nach den Lockerungen wieder rasant an. Derzeit werden zwischen 800 und 1000 Fällen täglich dokumentiert – das sind doppelt so viele wie in Deutschland, bei einem Zehntel der Bevölkerung.

Auch in Deutschland verschlechtert sich die Situation

Die beunruhigenden Nachrichten gehen weiter: Länder wie Brasilien, Indien und Mexiko befinden sich trotz gigantischer Infektionszahlen immer noch in der Phase des exponentiellen Anstiegs von Neuansteckungen. In Bolivien, Argentinien, Kolumbien, Irak den Philippienen und anderen Ländern steigen die Zahlen trotz eines Lockdowns weiter an. In Russland und Peru gehen die Neuansteckungen nur langsam und nur auf sehr hohem Niveau zurück. Der Iran erlebt gerade eine zweite Welle und der gesamte afrikanische Kontinent steht erst am Anfang der Pandemie, die Zahlen in Algerien, Ägypten, Nigeria, Marokko oder der Elfenbeinküste steigen derzeit zwar auf niedrigem Niveau, aber exponentiell an.

Doch auch für Europa wird es langsam wieder problematisch. Wissenschaftler der Universität Oxford haben die Infektionsdaten der vergangenen Wochen analysiert. Sie warnen vor der Entwicklung in zehn Ländern, die ihre Corona-Maßnahmen gelockert hatten und zuletzt wieder steigende Infektionszahlen verzeichneten. Neben Schweden, Frankreich, Schweiz und Ukraine zeigt auch Deutschland eine Verschlechterung der Datenlage, vor allem durch regionale Ausbrüche wie in Göttingen, Neukölln oder Gütersloh mit hohen Infektionszahlen. Sollte sich diese Entwicklung bestätigen, könnte eine Wieder-Verschärfung der Corona-Maßnahmen in diesen Ländern notwendig werden, so die Forscher aus England.

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Müssen wir uns zwischen Wirtschaft und Gesundheit entscheiden?

Das große Problem: Fast nirgendwo in der Welt besteht die Möglichkeit, dieselben harten Maßnahmen wie bei der ersten Welle durchzuführen. Die Wirtschaft ist vielerorts am Boden, eine globale Rezession steht bevor, katastrophale Domino-Effekte aus Firmen-Insolvenzen, steigender Arbeitslosigkeit und explodierender Staatsverschuldung drohen. Die Börse hat diese Prozesse in ihren März-Tiefs bereits eingepreist, in der realen Wirtschaft kommt all dies aber erst verspätet an. Experten rechnen mit einer drastischen Zunahme der Unternehmensinsolvenzen im Spätsommer und Herbst. Im schlimmsten Fall löst dies eine Kettenreaktion aus, die auch die Banken bedroht.

In dieser Zeit wird der Fokus der Öffentlichkeit noch stärker auf wirtschaftlichen Fragen ruhen. Sollte eine solche Phase der akuten wirtschaftlichen Bedrohung mit einer zweiten Corona-Welle korrelieren, könnte der schlimmste Teil der Pandemie beginnen: Der Zusammenhalt schwindet, die Wut wächst und in der breiten Bevölkerung fehlt jegliche Akzeptanz, um einer steigenden Zahl an Neuinfektionen mit härteren Maßnahmen zu begegnen. Schon jetzt gehen in Europa immer wieder Menschen gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straße, in den USA nehmen sogar bewaffnete Rechtsextremisten an Anti-Corona-Demonstrationen teil. Dann könnte auch Europa vor der Frage stehen, die die Schwellenländer in der Corona-Krise schon am ersten Tag erreichte: Entweder oder – Wirtschaft oder Gesundheit?

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Kommentare (13)

Ja. Wenn die Grippe beginnt und viele Grippeinfizierte mit und ohne Symptome Grippe verbreiten und Mitbürger aus Risikogruppen mit Vorerkrankungen infizieren und "töten". - Nein, natürlich nicht, weil Grippe nicht meldepflichtig im Infektionsschutzgesetz steht und Impfstoffe für ältere Virenmutationen aber nicht für die aktuelle Virenmutation gibt. Das ist wie bei Internet- und PC-Viren. Erst ist das Virus da, später der Virusschutz.

....kann man nur hoffen, dass beim nächsten Mal nicht wieder eine Gruppendynamik einsetzt, sondern jedes Bundesland wirklich differenziert entscheidet. Denn wie man in den letzten Monaten feststellen konnte, war es nicht überall notwendig, die Wirtschaft an die Wand zu fahren. Eine Erklärung darüber, wo sich die Gegenden (Hotspots) in Deutschland befinden, in denen es garantiert weiterhin zu Ausbrüchen von Covid19 kommen wird......erspare ich mir.

Uns zum Glück auch. 👍 🤦🏼‍♂️

...woher Sie so genau wissen, dass ich eine "Frau" bin. :-):-):-):-)

Suchen Sie sich was aus.
Mir egal 🤷🏼‍♂️

Haben wir uns da verzählt? Die "Welle" glänzte ja bisher nicht von Kranken und Toten. Kommt nun die erste Welle endlich? Sinnloslappen und Sinnlosschließungen hatten wir ja. Nun endlich die Begründung. DIE WELLE! Ich zittere....

Haben wir uns da verzählt? Die "Welle" glänzte ja bisher nicht von Kranken und Toten. Kommt nun die erste Welle endlich? Sinnloslappen und Sinnlosschließungen hatten wir ja. Nun endlich die Begründung. DIE WELLE! Ich zittere....

wenigstens beim Absenden nicht zittern und nur einmal senden 🙄

Sie sollten sich schämen, so zu argumentieren! Zittern Sie weiter. Hoffentlich tun Sie auch so cool, wenn die Betten besetzt sind!

Sind über 9.000 Tote nicht genug? Nochmals, schämen sollten Sie sich, ob ihrer Argumentation!

... eher Rabenvater nennen. So viel egoistisch motivierten Bullshit in wenigen Sätzen, hört man selten. Diese selbsternannten "Experten" erzählen leider nicht nur Müll, zum Glück machen sie sich auch selbst lächerlich.

das Bild der bewaffneten rechten Radikalen und die Erwähnung im Text suggerieren?
Das nur rechte Radikale gegen die Corona-Maßnahmen demonstrieren?
So geht Meinungsmache!

Kritik ist wesentlicher Bestandteil der Demokratie, damit Demokratie funktioniert. Wenn öffentliche Kritik an Regierungen und deren Entscheidungen als fakenews mundtot gemacht werden, ist Demokratie nur noch ein Wort, aber nicht gelebt. Die sogenannte politische Opposition in Deutschland ist mittlerweile so zahnlos, dass ich mich in die DDR zurück versetzt fühle. Ich mache meine Meinung, Sie machen Ihre Meinung, andere machen Ihre eigenen Meinungen. Und viele haben gar keine Meinung. So ist Leben.