CORONA-KRISE

So kämpfen Urlauber ums Geld für geplatzte Reisen

Auch wenn die Bundesregierung inzwischen von ihren Gutscheinplänen für ausgefallene Pauschaltouren abgerückt ist, müssen viele Verbraucher weiter um ihre Zahlungen kämpfen.
Wer eine Pauschalreise gebucht hat und die wegen der Corona-Krise nicht antreten darf, kann sein Geld zurückfordern.
Wer eine Pauschalreise gebucht hat und die wegen der Corona-Krise nicht antreten darf, kann sein Geld zurückfordern. Clara Margais
Neubrandenburg.

„Hartnäckig bleiben und sich nicht gleich vom ersten Ablehnungsschreiben abschrecken lassen“, macht Wiebke Cornelius den Betroffenen von Reiseabsagen Mut. Es sei echt nervig, mehr als zwei Monate auf sein Geld warten zu müssen, obwohl man eigentlich das Recht auf seiner Seite habe, sagt die Rostocker Verbraucherschützerin. Für die Verbraucherzentralen war das Thema Stornierung und Rückzahlungen von Pauschal- und Flugreisen der Aufreger der Corona-Krise. „In bestimmt mehr als der Hälfte aller Anfragen ging es darum“, schätzt sie. Bei der Verbraucherzentrale in Brandenburg lag das Thema mit 37 Prozent ebenfalls auf Platz 1.

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Der Druck aus dem Inland und das Stoppzeichen der EU haben die Pläne der Bundesregierung durchkreuzt, wie bei Veranstaltungen auch bei Reiseabsagen auch Gutscheine als Ersatz zu erlauben. Diese Ankündigung hatten Reiseveranstalter vermehrt genutzt, um Rückerstattungen zu verzögern. Laut dem am Mittwoch beschlossenen Gesetzentwurf der Bundesregierung soll aber jeder, der bereits einen Gutschein für eine in der Corona-Krise geplatzte Pauschalreise akzeptiert hat, zurückgeben können. Demnach sollen Pauschalreisende ihr Geld zurückverlangen können, wenn der Urlaub wegen der Coronavirus-Pandemie ausfällt.

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Verbraucher können gemäß dem Entwurf des Kabinetts freiwillig einen Gutschein wählen, dessen Wert auch dann staatlich abgesichert ist, wenn Anbieter Pleite gehen. Damit würde die Bundesregierung eine Forderung der Reisebranche erfüllen. Bisher sollten allein die Verbraucher das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit tragen. Das Gesetz muss noch vom Bundestag beraten werden. Insgesamt geht es den Angaben aus Berlin zufolge um rund sechs Milliarden Euro, die von Touristen eingezahlt, aber nicht in Anspruch genommen werden konnten.

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„Es ist gut, dass das Thema jetzt vom Tisch ist“, meint Verbraucherschützerin Cornelius. Die praktische Umsetzung werde das Problem sein. Beispiel Eurowings: Die Lufthansa-Tochter erklärte, dass aufgrund der Vielzahl der Ansprüche und der Kurzarbeit die Abarbeitung der Rückforderungen dauere. Man werde allen Kunden, die Gutscheine oder Umbuchungen ablehnten, das Geld für nicht erfolgte Flüge erstatten, so Jens Bischof, Chef der Fluggesellschaft. Es gehe um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Kostenloser Musterbrief für Fristsetzung verfügbar

Die Verbraucherzentralen raten, den Veranstaltern von Pauschalreisen eine Frist von 14 Tagen für die Kostenerstattung zu setzen. Als Grundlage dafür könne ein kostenloser Musterbrief dienen, der auf den Internetseiten der Länderzentralen verfügbar sei. Führe der Musterbrief nicht zum gewünschten Ergebnis, gebe es vor einer kostspieligen Klage zunächst die Möglichkeit, ein gerichtliches Mahnverfahren gegen den Anbieter zu führen. Der Ablauf sei weitgehend automatisiert. Je nach Höhe des Geldbetrages fällt den Angaben zufolge eine Gebühr an. Zuständig sei für Mecklenburg-Vorpommern das Amtsgericht Hamburg-Altona, für Berlin-Brandenburg das Zentrale Mahngericht beim Amtsgericht Wedding.

Unterdessen kommt für die Opfer der Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook das Verfahren zur Erstattung der Differenz aus den Zahlungen der Insolvenzversicherung und ihren tatsächlich ausgegebenen Beträgen voran. Nach Nordkurier-Informationen haben sich bisher rund 40 000 Kunden auf einem der vor rund drei Wochen freigeschalteten Internet-Portale registriert. Das Angebot werde gut angenommen, hieß es vom Bundesjustizministerium. Schätzungen zufolge sind mindestens 200 000 Kunden betroffen. Die unzureichende Insolvenzversicherung hatte weniger als 20 Prozent des tatsächlichen Reisepreises abgesichert. Nach langem Zögern hatte sich der Bund bereit erklärt, die Differenz aus Steuergeldern zu zahlen.

Nachdem anfangs vorgesehen war, die Ansprüche nur in einem Online-Verfahren geltend machen zu können, hat die Bundesregierung auch eine Telefon-Hotline freigeschaltet. Damit reagierte das Ministerium auf vermehrte Anfragen von Verbrauchern, die über keinen Internet-Zugang verfügen. Zudem sei es möglich, Belege auch per Post einzureichen. Nordkurier-Leserin Karin Niemand hatte diese Rufnummer auch genutzt, um sich beraten zu lassen, wie sie berichtet. Laut Ministerium ist die Nummer 0361/606 670 12 an Werktagen zwischen 8 und 18 Uhr besetzt.

 

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