Kommentar
Wir müssen jetzt solidarisch mit der AfD sein

Frank Magnitz wurde in der Nacht zu Dienstag überfallen und schwer verletzt. Das Foto zeigt seine Blutspuren am Tatort in Bremen
Frank Magnitz wurde in der Nacht zu Dienstag überfallen und schwer verletzt. Das Foto zeigt seine Blutspuren am Tatort in Bremen
NK (Kombo)

Nordkurier-Reporter Carsten Korfmacher hegt wenig Sympathien für die AfD. Und trotzdem müsse man mit der Partei jetzt uneingeschränkt solidarisch sein, kommentiert er.

Es ist kein Geheimnis, dass ich wenig Sympathien für die politische Grundhaltung der AfD hege und ich einige Aspekte der Partei – zum Beispiel die wie ein Fetisch anmutende Fixierung auf Ausländerkriminalität – für gefährlich halte.

Trotzdem – oder gerade deshalb – streite ich mich immer wieder gerne mit Vertretern der AfD. Und zwar auf eine respektvolle und faire Art und Weise. Das Problem ist: Respekt und Fairness sind vielen von uns abhanden gekommen, wenn es um die AfD geht. Wie oft wird sich klammheimlich gefreut, wenn das Auto einer Berliner AfD-Abgeordneten abgefackelt wird oder eine ehemalige AfD-Bundesvorsitzende in Berlin keine Wohnung findet? Irgendwie, so hallt es in der Diskussion mit, trifft es ja doch „die Richtigen“.

Das kann nicht angehen, wie sich jetzt im Zusammenhang mit der Attacke auf Frank Magnitz zeigt. In einem freien, aufgeklärten Land muss es einen absoluten Minimalkonsens geben, der unabhängig ist von der Meinung des Betroffenen. Die Einhaltung dieses Minimalkonsens muss Bedingung für die Teilhabe an unserer Gesellschaft sein und eine Verletzung immer auch zu einem gesellschaftlichen Schulterschluss mit dem Opfer führen.

Das haben wir „Gutmenschen“ immer von der AfD erwartet – und das dürfen AfD-Politiker und -Anhänger jetzt auch von uns erwarten.

Kommentare (1)

Zunächst gehe ich mit Ihnen konform, dass Gewalt, ob in privatem oder politischem Kontext, niemals eine Lösung oder Mittel sein darf. Gleichzeitig möchte ich betonen, dass die Polizei in alle Richtungen ermittelt, ein politischer Anschlag also keineswegs sicher ist. Allerdings kann ich Ihrem Kommentar nicht entnehmen, warum ich mit einer *Partei* solidarisch sein (diese also unterstützen) sollte, die sich wie keine andere in der jüngeren Geschichte durch menschenverachtender Hetze und das Appellieren an niedere Beweggründe auszeichnet. Ich kann mit Herrn Magnitz solidarisch sein, was seine baldige Gesundung angeht. Aber mit einer Partei, die das hiesige Klima, auch und gerade beim Angriff auf Herrn Magnitz, mit Lügen und Unterstellungen vergiftet und eskalieren lässt? Warum sollten wir, zum Beispiel, nicht solidarisch mit der Linken sein, deren Güstrower Abgeordnete Karen Larisch inkl. Familie seit Jahren psychisch und physisch drangsaliert, gemobbt und eingeschüchtert wird? Nein, mit ihrem Aufruf folgen Sie leider dem Opfer-Narrativ der AfD ("wir sind die Opfer, alle anderen hauen auf uns drauf") und damit auch der irren AfD-"Selbstverteidigungs-Logik". Stattdessen sollten wir alle dafür sorgen, dass wir mit gegenseitigem Respekt unter Achtung der Menschenwürde miteinander umgehen, dabei aber gleichzeitig keinerlei Toleranz für menschenverachtende Aussagen und Handlungen zeigen.