SYNAGOGEN-ANSCHLAG

Was geht in Neonazi-Killer Stephan Balliet wirklich vor?

Aussagen zu seiner Person vermied der Angeklagte im Prozess wegen des Synagogen-Anschlages bisher. Dieses Kapitel soll jetzt näher unter die Lupe genommen werden.
An den beiden Prozesstagen in dieser Woche soll es sich vorwiegend um den Lebenswandel des Angeklagten drehen. Sein Elternhaus
An den beiden Prozesstagen in dieser Woche soll es sich vorwiegend um den Lebenswandel des Angeklagten drehen. Sein Elternhaus beschrieb Stephan Balliet dabei einsilbig als fürsorglich. Ronny Hartmann
An den beiden Prozesstagen in dieser Woche soll es sich vorwiegend um den Lebenswandel des Angeklagten drehen. Sein Elternhaus
An den beiden Prozesstagen in dieser Woche soll es sich vorwiegend um den Lebenswandel des Angeklagten drehen. Sein Elternhaus beschrieb Stephan Balliet dabei einsilbig als fürsorglich. Ronny Hartmann
Halle.

Während Stephan Balliet über seinen rechtsextremen Anschlag auf die Synagoge in Halle ausschweifend erzählt, gibt er Details über sein privates Leben, seinen Lebenslauf auf Nachfragen der Vorsitzenden Richterin Ursula Mertens nur zäh heraus. Beinahe widerwillig wirken die Antworten über seine persönliche Entwicklung. Mit dem Satz, „Das hat nichts mit der Tat zu tun“, versuchte der heute 28-Jährige den Fragen auszuweichen.

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So einfach soll sich der Angeklagte, dem 13 Straftaten – darunter zweifacher Mord und Mordversuch bei 68 Personen zur Last gelegt werden – diesem Fragenkomplex aber nicht entziehen können. Deshalb werden sich die beiden nächsten Prozesstage mit der persönlichen und schulischen Entwicklung Balliets beschäftigen. Das sagte Wolfgang Ehm, Pressesprecher vom Halleschen Landgericht.

Damit sich das Gericht von der Persönlichkeit des angeklagten Halle-Attentäters ein besseres Bild machen kann, sollten auch die Eltern des jungen Mannes gehört werden. Doch der Rundfunktechniker und die Ethik-Lehrerin machen von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und wollen erst gar nicht vor Gericht erscheinen. Einblick ins Familiäre und in Balliets Entwicklung hätte auch noch dessen Halbschwester geben können. Doch auch sie wolle nicht gegen ihren Halbbruder aussagen, heißt es vom Pressesprecher. Zu den 21 geladenen Zeugen gehöre zusätzlich eine Lehrerin des Angeklagten. Balliet hingegen beschrieb seine Familie mehrfach und einsilbig als fürsorglich.

Video von der Tat soll 2000 Mal abgerufen worden sein

Während des Verhandlungsverlaufes versuchte der sozial eher als Einzelgänger geltende Beschuldigte an den ersten zwei Prozesstagen immer wieder, den Gerichtssaal im Magdeburger Landgericht mit gut 150 Zuhörern zu seiner Bühne zu machen, auf der er mehrfach seine antisemitische und fremdenfeindliche Weltanschauung in Verbindung mit rechten Verschwörungstheorien zum Ausdruck brachte. Richterin Ursula Mertens musste ihn mehrmals zur Ordnung rufen. Sie überließ Stephan Balliet nicht die Bühne. Als sich der Angeklagte mit einem Grinsen das Video anschaute, das er live während der Gräueltaten mithilfe einer Helmkamera ins Internet übertrug, grinste er. Etwa 2000 Mal soll das Video im Nachhinein nach Nordkurier-Informationen abgerufen worden sein.

„Seine Reaktionen sind vollkommen befremdlich, inadäquat und fast schon unheimlich“, kommentierte Mark Lupschitz. Als einer von insgesamt 21 Nebenklägervertretern kämpft der Berliner für das Recht seiner neun Mandanten, die sich allesamt am 9. Oktober 2019 zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur in der Synagoge versammelten. Für seine mehr als unangemessenen Reaktionen bei Gericht hat Lupschitz eine Erklärung: „Für ihn ist der Prozess die Fortsetzung seiner Tat. Er befindet sich immer noch im ,Kampf'. Einem gegen Juden und Moslems.”

Auch Lupschitz wird als Nebenklägervertreter seine Fragen an den Angeklagten richten. Und auch er legt besonderen Wert auf den Lebenswandel von Balliet. Ob er eine Antwort bekommt, bleibt letztlich Stephan Balliet überlassen.

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