UN-Klimakonferenz
Umweltsünder Polen als Klimagipfel-Gastgeber

Im polnischen Belchatow steht Europas größtes Braunkohlekraftwerk.
Im polnischen Belchatow steht Europas größtes Braunkohlekraftwerk.
Czarek Sokolowski

In Polen soll in dieser Woche ein Regelwerk für Klimaschutzziele verabschiedet werden. Die Umweltagenda des Gipfel-Gastgebers ist dabei kein Vorbild.

Wieder einmal liegt eine große graue Wolke über Katowice: Rauchschwaden entsteigen den Industrie-Schornsteinen, auch aus den Kaminen der Wohnhäuser rußt es. Im Winter ist es besonders schlimm. Manchmal sieht man keine drei Meter weit.

Hier in der polnischen Großstadt wird vom 3. bis zum 14. Dezember die 24. UN-Klimakonferenz stattfinden. Ein internationales Regelwerk zum Schutze des Klimas soll verabschiedet werden, aufbauend auf dem Paris-Protokoll von 2015. Der Gastgeber des diesjährigen Klimagipfels ist das Land mit den schlechtesten Luftwerten Mitteleuropas. Der Hauptgrund: Kohle.

Kohle-Konzern ist Hauptsponsor

Kohlegruben haben in Polen eine lange Tradition: Das Land war schon immer stolz darauf, eines der größten Vorkommen Europas zu besitzen; zu Zeiten der Sowjetunion war das Land der wichtigste Lieferant für die Nachbarländer. Auch heute noch stammen laut der Website Forum Energii etwa 60 Prozent des polnischen Energieverbrauchs aus Braun- und Steinkohle. Es hilft Polen dabei, unabhängig in der Energieversorgung zu sein – insbesondere von Russland.

Eine Woche vor Beginn der Klimakonferenz verkündete dann das Unternehmen Jastrzębska Spółka Węglowa (JSW), einer der Hauptsponsoren für das UN-Ereignis zu sein. JSW ist der größte Produzent von Kohle in der EU. Man hoffe, „pro-ökologische Änderungen im Kohlesektor zu promoten”. Am gleichen Tag erklärte der polnische Umweltminister Henryk Kowalczyk, dass zwei weitere Kohlefirmen Sponsoren seien. Ähnlich den USA beharrt die polnische Regierung darauf, dass saubere Energie durch Kohle möglich sei.

Alte Kamine als Ursache für Smog

Doch die Kohleriesen sind nicht die alleinigen Verursacher des polnischen Smogs. In den meisten Privathaushalten in Polen sind die Kamine veraltet und haben keine Feinstaubfilter. Sowohl auf dem Land als auch in den Großstädten ist die Feinstaubbelastung deswegen im Winter extrem hoch. Zwar hat die polnische Regierungspartei PiS im November einen Entscheid verabschiedet, laut dem Millionen Zloty in die Sanierung der Kamine von Privathaushalten investiert werden sollen. Wann und wie genau das umgesetzt wird, ist aber noch nicht klar.

Von Kohleausstieg ist momentan ebenfalls nicht die Rede. Der polnische Energieminister Krzysztof Tchórzewski schrieb in einem Statement vom 19. November, dass die Reduzierung der polnischen Abhängigkeit von Kohle die Wirtschaft schädigen würde. Experten schätzen allerdings, dass polnische Braunkohlevorkommnisse bis 2030 aufgebracht sind, Steinkohle etwas später.

Regierung hat wenig Interesse an Klimaschutz

Die polnische Regierung wirkt mehr als halbherzig, wenn es um Klimaschutz geht. Zwar erklärte PiS am 21. November, man müsste weltweit mehr Wälder anpflanzen, um der globalen Erwärmung entgegen zu wirken. Gleichzeitig erklärte das Energieministerium zwei Tage später, dass alle Land-Windräder in Polen bis 2035 abgestellt würden – obwohl eine Analyse zuvor gezeigt hatte, dass die polnische Windenergie die billigste und umweltfreundlichste Stromquelle wäre.

Der Hintergrund für diese Entscheidung ist simpel: Die PiS-Partei hatte zuvor im Wahlprogramm diesen Schritt versprochen, da sich einige Anwohner unterschiedlicher Orte über die Windräder beschwert hatten. Statt der Windenergie setzt Polen auf ein neues Pferd: Man wolle man daran arbeiten, Polens erstes Atomkraftwerk bis 2033 zu eröffnen, so das Energieministerium.