Maut-Skandal?
Toll Collect soll Bund um mehr als 300 Millionen Euro betrogen haben

Es stehen erneut Betrugsvorwürfe gegen den Mautbetreiber Toll Collect im Raum.
Es stehen erneut Betrugsvorwürfe gegen den Mautbetreiber Toll Collect im Raum.
Soeren Stache

Die Firma Toll Collect ist für die Abrechnung der Straßengebühr für Lkw zuständig. Jetzt zeigen geheime Dokumente: Das Unternehmen soll in einen handfesten Skandal verwickelt sein.

Das für die Abrechnung der Lkw-Maut in Deutschland zuständige Unternehmen Toll Collect soll jahrelang systematisch falsch abgerechnet und den Bund somit um Summen in dreistelliger Millionenhöhe betrogen haben. Dies geht aus vertraulichen Dokumenten hervor, die dem ARD-Magazin „Panorama” und der Wochenezeitung „Die Zeit” vorliegen.

So soll das Unternehmen dem Bund das Sponsoring der Oldtimer-Rallye „Hamburg-Berlin-Klassik”, einen Ausflug der Toll-Collect-Chefs ins Brandenburger Luxushotel „Zur Bleiche” sowie die Unterstützung des Berliner Kinderheims Elisabethstift in Rechnung gestellt haben. In allen drei Fällen habe der Mautbetreiber die Ausgaben als „Marketingkosten” für die Maut abgerechnet, was der vertraglichen Regelung mit dem Bund widerspreche.

Der zuständige Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Gerhard Schulz dementiert, dass es zu tatsächlichen Zahlungen gekommen sei. „Das Prüfungssystem des Bundes hat zu 100 Prozent funktioniert. Strittige Ausgaben im Marketingbereich, die Toll Collect zur Abrechnung vorgelegt hat, wurden vom dafür zuständigen Bundesamt für Güterverkehr geprüft, abgelehnt und nicht bezahlt", teilte Schulz am Donnerstag mit.

Dem Bericht zufolge soll es sich nicht um Einzelfälle handeln: Laut einem Gutachten der Prüfungsgesellschaft Mazars habe Toll Collect in drei stichprobenhaft untersuchten Jahren mindestens 298 Millionen Euro zu viel abgerechnet. Nach einer anonymen Anzeige im Jahr 2016 seien bereits Ermittlungen gegen Toll Collect eingeleitet worden. Doch das Verkehrsministerium soll diese nach Angaben der ARD-Sendung Tagesschau zugunsten Toll Collects beeinflusst haben. Das Ministerium bestreitet dies. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt.