LANDTAGSWAHL IN NIEDERSACHSEN

SPD gewinnt überraschend vor der CDU

Lange sah es nach einem CDU-Sieg in Niedersachsen aus. Nun aber hat die SPD überraschend klar gewonnen. Ministerpräsident Weil dürfte an der Macht bleiben. Aber mit welchem Partner?
dpa
SPD-Anhänger jubeln nach den erste Hochrechnungen zur Landtagswahl auf der Wahlparty der SPD in Hannover.
SPD-Anhänger jubeln nach den erste Hochrechnungen zur Landtagswahl auf der Wahlparty der SPD in Hannover. Hauke-Christian Dittrich
Hannover.

Drei Wochen nach ihrer historischen Niederlage bei der Bundestagswahl haben die Sozialdemokraten die Landtagswahl in Niedersachsen nach Auszählung aller Stimmen überraschend klar gewonnen. Eine Fortsetzung von Rot-Grün unter Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ist aber voraussichtlich nicht möglich. Die CDU fiel auf ihr schlechtestes Ergebnis seit 1959 - dabei hatte sie in Umfragen lange geführt.

Die Koalition in Niedersachsen ist das letzte rot-grüne Bündnis in einem Flächenland. Eine von SPD und Grünen favorisierte Fortsetzung wäre nur mit ausreichend Überhangmandaten möglich. Danach sah es am späten Abend aber nicht aus. Damit steht in Hannover eine schwierige Regierungsbildung bevor.

Rot-Grün hat keine Mehrheit

Rechnerisch möglich sind in jedem Fall eine große Koalition aus SPD und CDU, ein Ampelbündnis von SPD, FDP und Grünen sowie eine Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen, wie sie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Bund anstrebt. Die Liberalen schlossen eine Ampel am Wahlabend aber nochmals kategorisch aus. Die Grünen ließen ihre Haltung zu einer Jamaika-Koalition zunächst offen.

Die Sozialdemokraten werden nach Auszählung aller Stimmen zum ersten Mal seit 1998 wieder stärkste Kraft - mit 36,9 Prozent (2013: 32,6). Die CDU kommt nur noch auf 33,6 Prozent (36,0). Die Grünen verlieren ebenfalls, erreichen aber mit 8,7 Prozent (13,7) Platz drei. Die FDP landet bei 7,5 Prozent (9,9). Die AfD schafft mit 6,2 Prozent den Einzug ins Parlament. Die Linke verfehlt mit 4,6 Prozent (3,1) den Sprung in den Landtag. Damit sind künftig fünf statt vier Parteien im Landtag vertreten. Die Wahlbeteiligung stieg auf 63,1 bis 63,5 Prozent (59,4 Prozent).

Zur Verteilung der Sitze mit Überhang- und Ausgleichmandaten gab es zunächst noch keine offiziellen Angaben. Nach den letzten Hochrechnungen von ARD und ZDF sieht die Sitzverteilung so aus: CDU 50 (2013: 54), SPD 55 (49), Grüne 12 (20), FDP 11 (14) und die AfD 9 (0). Rot-Grün kommt damit auf 67 Mandate. Die absolute Mehrheit liegt bei 69 Mandaten.

SPD schließt Koalitionsgespräche mit AfD aus

Wahlsieger Weil sprach von einem "fulminanten Erfolg" für die SPD: "Wir können zum ersten Mal seit der letzten Landtagswahl mit Gerhard Schröder vor 19 Jahren wieder die stärkste Fraktion im Landtag werden, das ist großartig." Aus seiner Sicht sorgte auch der Gang der Bundes-SPD in die Opposition für Rückenwind. Weil kündigte an, er wolle mit allen Landtagsparteien außer der AfD über mögliche Koalitionen sprechen. Nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen geht der SPD-Sieg in Niedersachsen stark auf das hohe Ansehen Weils und auf Landesthemen zurück.

Die Neuwahl wurde nötig, weil die Grünen-Abgeordnete Elke Twesten Anfang August von den Grünen zur CDU gewechselt war. Die seit 2013 regierende rot-grüne Koalition verlor damit ihre Ein-Stimmen-Mehrheit. Die Wahl war ursprünglich im Januar 2018 geplant.

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Kommentare (2)

Ziel erreicht - Luft und Eis für Merkel wird dünner - jetzt nur noch Kurz zum neuen Ösikanzler gewählt dann war,s das mit ihr - Gott sei,s gedankt

der Westen zeigt ein komplett anderes Wahlverhalten als der Osten. Es ist beinahe so, als wären es wieder zwei verschiedene Länder.