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Türkisch-nationalistische Rocker

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Seehofer verbietet "Osmanen Germania BC"

Der "Osmanen Germania Boxclub" fiel durch gewalttätige Aktionen auf.
Der „Osmanen Germania Boxclub” fiel durch gewalttätige Aktionen auf.
Boris Roessler

Der „Osmanen Germania Boxclub” galt zeitweise als am schnellsten wachsende rockerähnliche Gruppierung. Jetzt schiebt das Innenministerium einen Riegel davor.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die Straßengang „Osmanen Germania Boxclub” verboten. Damit sei der rockerähnlichen Gruppierung und all ihren Teilorganisationen jede Tätigkeit in Deutschland untersagt, teilte das Ministerium am Dienstag mit. Der erst 2015 in Hessen gegründete Club galt zeitweise als die am schnellsten wachsende rockerähnliche Gruppierung in Deutschland.

„Abermals haben Bund und Länder gezeigt, dass sie entschieden alle Erscheinungsformen organisierter Kriminalität in Deutschland bekämpfen”, so Seehofer zum Verbot. „Wer den Rechtsstaat ablehnt, kann von uns keine Nachsicht erwarten.” Durchsuchungen Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und Hessen liefen am Dienstagmorgen.

Kein reiner Boxclub

Der Verein behaupte, Jugendliche „von der Straße holen” zu wollen. Tatsächlich falle der Club durch gewalttätige Gebiets- und Machtkämpfe auf. So sei es mehrfach zu schweren Körperverletzungs- und versuchten Tötungsdelikten gekommen, hieß es in der Vergangenheit vom Innenministerium.

Der „Osmanen Germania Boxclub” wurde erst vor wenigen Jahren gegründet. Als Hochburgen der gut 400 Mitglieder gelten die Regionen Frankfurt, Stuttgart und Wuppertal. „Es ist mit Sicherheit nicht der Boxclub, als der er offiziell gegründet wurde. Es ist mit Sicherheit auch keine Wohltätigkeitsorganisation, die Jugendliche von der Straße holt”, beschrieb Jan Holzner, Sprecher der Stuttgarter Staatsanwaltschaft die „Osmanen”, als im März dieses Jahres in Stuttgart der Prozess gegen die mutmaßlichen Anführer der türkisch-nationalistischen Straßengang begann.

50 Verhandlungstage bei „Osmanen”-Prozess

Ihnen wurde eine Vielzahl von Gewalt- und anderen Delikten vorgehalten, mit denen vor allem die innere Ordnung der „Osmanen” aufrecht erhalten werden sollte. Zuvor wurde eine Razzia in mehreren Objekten der "Osmanen" durchgeführt. Laut Anklage wurde ein Abtrünniger fast getötet. Gut 50 Verhandlungstage sind angesetzt. Demnach würde der Prozess bis Januar 2019 gehen.

Die „Osmanen” seien als rockerähnliche Gruppierung einzustufen, mit einer strengen Hierarchie, in der man sich durch Straftaten nach oben arbeite, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Sie stehen nach Einschätzung des Innenministeriums in Nordrhein-Westfalen in Verbindung zur türkischen Regierungspartei AKP und zum Umfeld des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.