DÜNGEVERORDNUNG

Politiker, bringt jetzt nicht die Ernte in Gefahr!

Schon am Freitag will der Bundesrat über tiefe Einschnitte für die deutsche Landwirtschaft abstimmen. Unser Kommentator findet das in der derzeitigen Lage unbegreiflich.
Der Einsatz von Stickstoffdünger würde durch die neuen Verordnungen massiv eingeschränkt.
Der Einsatz von Stickstoffdünger würde durch die neuen Verordnungen massiv eingeschränkt. Philipp Schulze
Berlin.

Normalerweise würden jetzt überall im Land wieder die Traktoren-Konvois rollen. Noch mehr, noch wütender als in den letzten Protestrunden der Bauern gegen die geplante neue Düngemittelverordnung. Damals konnte man die Proteste noch abtun, so wie es Umweltverbände und Politiker aus dem grünen Lager taten. Die dummen Bauern, so deren Lesart, wollten doch einfach nur stur daran festhalten, maximale Erträge aus dem Boden zu holen, ohne jede Rücksicht auf die Natur.

Deutschland hat derzeit weiß Gott andere Probleme!

Abgesehen davon, dass das nicht stimmt, denn die Verordnungen und auch Kontrollen wurden in den letzten Jahren immer wieder verschärft: Was wäre in diesen Zeiten denn so schlimm daran, wenn die Bauern genau das tun würden? Lebensmittel produzieren, so viel wie möglich!

Im Angesicht der größten Herausforderung für unser Land seit dem Zweiten Weltkrieg, wie Bundeskanzlerin Merkel die Corona-Krise bezeichnete, will man sich jetzt dagegen immer noch mit Luxus-Problemen auseinandersetzen, die man leicht auch nach Ende der Pandemie in Ruhe diskutieren kann. Denn die Nitratbelastung, um die es im Kern bei der Debatte geht, ist noch nicht einmal abschließend wissenschaftlich geklärt. Und da will man mitten in der Krise in weiten Gebieten die Ernten um 20 Prozent herunterfahren, indem man den Einsatz von Düngemitteln massiv beschränkt?

Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherstellen

Deutschland hat derzeit weiß Gott andere Probleme: Am wichtigsten, natürlich, die Kranken zu versorgen, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Aber auch, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Und das wird so schon nicht leicht: Die Lieferketten sind aufs äußerste angespannt, und auf unseren Feldern fehlen die Erntehelfer aus dem Ausland. Und Länder, die uns bisher zuverlässig beliefert haben, versinken im Corona-Chaos, siehe Italien, siehe Spanien. Deutliche Preisanstiege bei Obst und Gemüse werden die logische Folge sein.

Noch hat Deutschland einen Versorgungsgrad zum Beispiel bei Brotroggen von 117 Prozent. Wenn jetzt aber 20 Prozent weniger geerntet werden können? Wenn es anderswo auch auch zu Einschränkungen kommt?

Will die Politik diesen Schritt jetzt wirklich riskieren?

Man kann sich das nicht vorstellen, aber man hat so viel Undenkbares in den letzten Tagen und Wochen Wirklichkeit werden sehen. Und da will die Politik wirklich die Verantwortung dafür übernehmen, im Eilverfahren eine Entscheidung mit solchen möglichen weitreichenden Konsequenzen zu treffen? Und das dann auch noch ohne die Möglichkeit für die Betroffenen, demokratisch dagegen zu demonstrieren? Denn wie gesagt, die Proteste hätten wir in normalen Zeiten, für viele Betriebe geht es durch die neue Verordnung auch um die Existenz. Das konnte man sehen und spüren, als es noch die Protest-Feuer und Traktoren-Konvois gab.

Jetzt gibt es nur im Internet Videos von Bauern, die völlig verständnislos auf die Entwicklung blicken. Und die fast schon flehentlich fordern, die Entscheidung am Freitag auszusetzen.

Sie haben Recht!

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Kommentare (1)

Tiefe Einschnitte für die Landwirtschaft? Herr Mladek, haben Sie die geplantenMaßnahmen der Bundesregierung für die Landwirtschaft überhaupt gelesen? Da geht es ausschließlich um Erleichterungen für die Landwirte:

https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2020/054-coronapaket-der-bundesregierung.html