CORONA-PANDEMIE

Krise könnte zu Verelendung in Deutschland führen

Teilen der Bevölkerung drohe eine Verelendung, wie es sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gab, warnen Forscher. Es mehren sich Forderungen nach Hilfe für die wirtschaftlich Schwächsten.
Die Corona-Krise trifft die Ärmsten der Armen am härtesten.
Die Corona-Krise trifft die Ärmsten der Armen am härtesten. Peter Kneffel
Schwerin.

Immer mehr Wissenschaftler, Wirtschaftsinstitute und Politiker fordern Maßnahmen gegen eine Zuspitzung der Armut in Deutschland. Wenn für die Ärmsten keine Rettungsschirme aufgespannt würden wie für Unternehmen, dann könne es für bestimmte Personengruppen „zu einer seit der unmittelbaren Nachkriegszeit nie mehr gekannten Verelendung kommen”, warnte der Armutsforscher Christoph Butterwegge mit eindringlichen Worten. Die Corona-Krise wirke sich „nicht allein auf die Immunschwachen, sondern auch auf die Einkommensschwachen fatal aus”. Für Hartz-IV-Bezieher oder Obdachlose würde die „ohnehin brüchige Lebensgrundlage vollends zerstört”.

Deshalb sollten die Regelbedarfssätze von Hartz-IV-Empfängern um mindestens 100 Euro erhöht werden. „Einem alleinstehenden Hartz-IV-Bezieher werden für Nahrung und Getränke gerade einmal 150 Euro im Monat zugebilligt”, sagte Butterwegge dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Bei geschlossenen Tafeln, Sozialkaufhäusern, Suppenküchen und anderen sozialen Einrichtungen sei es schlicht unmöglich, einigermaßen gesund zu leben.

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Hartz-IV-Regelsätze reichen in der Krise nicht aus

In Mecklenburg-Vorpommern schlossen sich zuletzt der Arbeitslosenverband und die Linke im Schweriner Landtag den Forderungen an. Der Arbeitslosenverband schlug zudem eine Verlängerung des Arbeitslosengeldes vor. „Bei allen Bemühungen des Bundes und des Landes wird es durch die Corona-Krise zu einem Wegfall von Arbeitsplätzen und zu einem deutlichen Anstieg der Zahl arbeitsloser Frauen und Männern kommen”, sagte der Vorsitzende des Arbeitslosenverbandes, Jörg Böhm. Derzeit können Arbeitnehmer unter 50 Jahren maximal zwölf Monate Arbeitslosengeld beziehen, danach fallen sie in Hartz IV. Mit zunehmendem Alter steigt die Bezugsdauer bis auf 24 Monate.

„Der Arbeitslosenverband MV fordert völlig zu Recht die sofortige Verlängerung des Arbeitslosengeldes für alle Personen, deren Bezugsdauer in diesen Tagen und Wochen endet”, sagte Henning Foerster, wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Schweriner Landtag. Auch eine Erhöhung von Hartz IV sei im Zuge der Corona-Krise dringend nötig: „Die Kinder in Hartz-IV-Familien werden nicht mehr in den Kitas- und Schulen versorgt und so fallen spürbar höhere Kosten für die Versorgung zu Hause an. Die Regelsätze reichen nicht für eine gesunde Ernährung und ebensowenig für eine kindgerechte Betreuung.”

Wirtschaftsforscher fordern höheres Kurzarbeitergeld

In den vergangenen Tagen hatten sich bereits die Diakonie und das Kinderhilfswerk für eine Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze ausgesprochen. „Die Politik muss jetzt schnell handeln, damit existenzbedrohende Armut in Deutschland nicht durch die Corona-Krise wieder zum Normalfall wird”, sagte Diakonie-Vorstand und Pastor des Landes Schleswig-Holstein, Heiko Naß. Die Diakonie fordere daher einen befristeten Corona-Zuschlag für Hartz-IV-Empfänger in Höhe von 100 Euro pro Erwachsenem und 80 Euro je Kind. Der Hartz-IV-Regelsatz für Kinder müsse angesichts der Corona-Krise um 100 Euro aufgestockt werden, forderte Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. Dies sei zumindest so lange notwendig, wie Schulen und Kitas geschlossen sind.

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung fordert außerdem eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes auf mindestens 80 bis 90 Prozent. „Es wird extrem wichtig sein, die Wirtschaft so schnell wie möglich wieder auf Touren zu bringen”, sagte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien. Dabei spiele der private Konsum als zentrale Starthilfe für den Konjunkturmotor eine entscheidende Rolle. „Die Menschen sollten also Geld in der Tasche haben, wenn die Läden wieder öffnen”, so Dullien.

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Kommentare (1)

aber nicht nur in D - welt weit - - die Folgen und Auswirkungen sind enorm - politische Unruhen - wirtschaftlicher und sozialer Kollaps - Nahrungsmittelproduktion und Zusammenbruch derer Versorgungsketten - die Regierungen W w sind jetzt sehr gefordert und müssen langsichtig und besonnen reagieren und die Bevölkerung muss - muss - mitziehen !!!