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Kommentar zum Angriff auf Syrien

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Eine Pflichtübung, die Assad nicht aufhalten wird

Rauch über Damaskus, nachdem die syrische Armee einen Tunnel von Aufständischen zerstört hatte.
Rauch über Damaskus, nachdem die syrische Armee einen Tunnel von Aufständischen zerstört hatte.
HASSAN AMMAR

Keine Monster-Attacke, sondern ein gezielter Schlag gegen Einrichtungen der syrischen Armee. Die Luftschläge ändern an der Lage in Syrien wenig, kommentiert Jörg Spreemann.

Misst man den tatsächlichen Umfang des Angriffs auf Syrien an den größenwahnsinnigen Twitter-Salven von US-Präsident Trump vor einigen Tagen, ist nicht mehr als eine Pflichtübung der Verbündeten herausgekommen. Wären dem Wutausbruch jetzt keine Taten gefolgt, wäre Trump zum Papiertiger geworden.

Keine Monster-Attacke, sondern ein gezielter Schlag gegen drei Einrichtungen der syrischen Armee. Kein Alleingang der USA, sondern eine gemeinsame Aktion mit Großbritannien und Frankreich. Die Beteiligung der beiden Staaten dürfte sich mäßigend auf die US-Pläne ausgewirkt haben.

Die Luftschläge ändern an der Lage in Syrien wenig. Diktator Assad hatte genug Zeit, Stützpunkte zu räumen und Waffen zu verstecken. Sein mit Tausenden Toten erkaufter Vormarsch im eigenen Land lässt sich durch den einstündigen Angriff nicht aufhalten. Kein Wunder, dass Russland eher pflichtschuldig auf die Attacke reagiert hat.

Strategie des Kremls geht auf

Die Strategie des Kremls geht auf, auch wenn Russland aufseiten Assads erst spät in den Krieg eingestiegen ist: Mit der Rückeroberung großer Gebiete durch die Zentralregierung wächst die Stabilität im Land, an der auch dem Westen gelegen sein muss. Nichts wäre für die Sicherheitslage in Europa schlimmer als ein zerrissenes Syrien, in dem Fanatiker aller Couleur das Sagen haben.

Auch wenn Assad irgendwann siegen sollte – angesichts des hohen Blutzolls wird sich Syrien lange nicht beruhigen. Offene Rechnungen bleiben.