VERMÖGEN

Deutschland steht gut da, seine Bürger leider nicht

Deutschland leistet den größten Beitrag zum EU-Haushalt, dabei haben die Menschen hierzulande deutlich geringere Vermögen als die Spanier oder Italiener. Doch genau diese Länder wollen, dass die EU-Mitglieder gemeinsame Schulden machen. Ein Kommentar.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben am Dienstag per Videoschalte einen ge
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben am Dienstag per Videoschalte einen gemeinsamen EU-Rettungsplan angekündigt. Kay Nietfeld
Neubrandenburg.

Jeder fünfte der gut 150 Milliarden Euro, die die EU Jahr für Jahr für sinnvolle oder mehr so mitteltolle und teilweise auch völlig absurde Zwecke verbrüsselt, stammt aus Deutschland. Genauer: Aus den danach weniger vollen Taschen der Menschen, die in Deutschland Steuern bezahlen.

Aber Europa ist ja eine schöne Sache und Deutschland kann sich das locker leisten, so hört man es immer wieder, und das stimmt auch. Denn Deutschland als Staat steht finanziell sehr gut da – die Deutschen allerdings leider nicht. Denn blickt man auf die Privatvermögen der Menschen, kommt man zu erstaunlichen Ergebnissen. Der Durchschnittsdeutsche hat nach Berechnungen der Schweizer Großbank Credit Suisse zwar immerhin noch ein Privatvermögen von im Schnitt 35.000 Euro (darin enthalten das eigene Häuschen, angesparte Beiträge aus Lebensversicherungen und andere Ersparnisse), in Spanien allerdings beträgt das Privatvermögen 95.000 Euro, in Italien 91.000 Euro. Der Grund: Traditionell gibt es in diesen Ländern eine viel höhere Eigentumsquote bei Immobilien. Und außerdem greift der Staat dort seinen Bürgern längst nicht so massiv in die Tasche wie bei uns. Deutschland ist nämlich nicht nur bei den Strompreisen spitze, sondern auch beim Eintreiben von immer mehr Steuern.

Erstmals gemeinsame Schulden der EU

So arm dran wie jetzt getan wird, sind die Menschen in Italien und Spanien also nicht. Und die beiden Staaten hätten jetzt in der Krise (und davor und danach auch noch) genügend andere Möglichkeiten, als darauf zu warten, dass die EU bald Hilfsgelder regnen lässt, für die ein ehernes Grundprinzip der Gemeinschaft aufgeweicht werden soll. Denn nach dem Willen von Merkel und Macron soll es für die 500 Milliarden, die sie als europäisches Konjunkturprogramm insbesondere für die gebeutelten Spanier und Italiener auf den Weg bringen wollen, erstmals gemeinsame Schulden der EU geben.

Dabei hatte niemand jemals auch nur den Hauch einer Absicht, es zu gemeinschaftlichen Schulden kommen zu lassen – auch Kanzlerin Angela Merkel schloss das immer kategorisch aus. Nun soll der erste Schritt dazu getan werden, obwohl es gerade vergangene Woche für ein ähnliches Unterfangen eine schallende Ohrfeige vom Bundesverfassungsgericht gegeben hatte. Das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank war ja im Prinzip auch nur eine Vorstufe zur Finanzierung verschuldeter Staaten durch die Notenbanken anderer EU-Länder.

Um die EU nach ihrem nahezu kompletten Bedeutungsverlust in der Corona-Krise aber endlich wieder als Akteur sichtbar zu machen, scheint fast kein Preis zu hoch zu sein. Der deutsche Staat kann es sich ja leisten. Aber wie lange noch seine Bürger?

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

Kommende Events in Neubrandenburg

zur Homepage

Kommentare (1)

Deutschland steht gut da aber seine Bürger leider nicht - D steht gut da gilt nur für seine politische Totengräberin - ein Staat ist nur so gut und gefestigt wie von seinen politischen Gestaltern gebaut - seine Bürger haben leider für diesen politischen Ausschuß teuer zu bezahlen, erst recht nach Corona - hier ein Beispiel seiner Konstrukteure - t-online.de/finanzen/id_87906590/staatsverschuldung-angela-merkel-und-der-bruch-aller-tabus.html