ARD UND ZDF

Das Gender*sternchen hat wohl der liebe Gott geschickt

Plötzlich fällt es allen auf: In den Sendungen von Anne Will und Claus Kleber wird gegendert. Nicht nur schriftlich, sondern auch gesprochen, was einige Zuschauer etwas gaga finden. Wann und wie es das umstrittene Sternchen ins Fernsehen schaffte, lässt sich nicht so leicht klären.
Gendergaga oder ganz normales Zeichen der Zeit? Das gesprochene Gendersternchen bei Anne Will im Ersten und in Claus Klebers h
Gendergaga oder ganz normales Zeichen der Zeit? Das gesprochene Gendersternchen bei Anne Will im Ersten und in Claus Klebers heute journal erhitzt die Gemüter. Borrs/Schindler/NK-Combo
Mainz.

Er hat es wieder getan: Nachdem Claus Kleber kürzlich in einer Ausgabe des „heute journal” bereits eine Grafik mit der Überschrift „Wehrbeauftragt*e der Bundesrepublik“ einblendete und mit seltsamen Kurzpausen mitten im Wort („Soldat_innen“) irritierte, kursiert auf Twitter ein aktueller Ausschnitt aus der Sendung vom Sonntag, in dem der Moderator über „Künstler_innen“ spricht. Das gesprochene Leerzeichen mitten im Wort, so suggeriert das Moderatoren-Pokerface, ist doch das Normalste von der Welt.

Jetzt schon ein Klassiker: „Steuer_innenzahler”

Auch beim Talk „Anne Will" im Ersten hört man immer öfter das gesprochene Gendersternchen. In einer viel kommentierten Sendung häuften sich jüngst gender-bewusste Formulierungen, Will begrüßte unter anderem den Präsidenten vom „Bund der Steuerzahler_innen”, Grünen-Co-Vorsitzende Annalena Baerbock amüsierte in der Runde kurz darauf mit dem (hoffentlich) Versprecher: „Bund der Steuer_innenzahler”.

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Konsequente Gendersprache im gebührenfinanzierten Fernsehen, das ist neu. Und vielleicht sogar ein bisschen heikel? Auf jeden Fall stehen Fragen im Raum. Wie und wann kam es eigentlich dazu, dass in prominenten Sendungen des Öffentlich-Rechtlichen jetzt gegendert wird? Wer hat das beschlossen und auf welche Art? Gab es ein Gremium, einen offiziellen Beschluss? Und viele Zuschauer fragen sich natürlich auch: Sollen, beziehungsweise werden wir im Alltag jetzt auch bald mit Sternchen sprechen?

„Wir gendern aus Überzeugung”

Der Nordkurier fragte bei Anne Will und beim ZDF zum „heute journal” an. Auf unsere konkreten Fragen gab es sehr freundliche, aber auch eher schwammige Antworten. Bettina Wacker, Sprecherin von Anne Will, teilte dem Nordkurier mit: „Wir gendern schon seit Langem konsequent und zwar aus gemeinsamer Überzeugung. Das empfinden wir als absolute Selbstverständlichkeit – und wundern uns tatsächlich, dass das jetzt erst auffällt.“

Wer hat das beschlossen?

Ach, echt jetzt? Seit Langem? Wir haken noch mal nach. Und wiederholten auch die Frage, in welcher Form dieser ja doch beachtliche Eingriff in die Sprechgewohnheiten beschlossen wurde und warum. Pressesprecherin Wacker zum Nordkurier: „Also, den exakten Zeitpunkt, seit wann Anne Will gendert, können wir gar nicht mehr genau benennen. Persönlich jedenfalls seit Jahren, in der Sendung in den Einspielern seit ungefähr zwei Jahren. Warum? Aus Überzeugung, dass es keine Option sein kann, Frauen zwar stets 'mitzumeinen', aber nicht zu nennen.”

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Das Warum wäre damit geklärt. Aber ob dem Ganzen in der Redaktion oder bei der ARD ein übergeordneter Beschluss vorausging, bleibt offen.

Beim ZDF landen wir bei Pressesprecher Thomas Hagedorn. Er sagt dem Nordkurier: „Es gibt keine Vorgabe beim 'heute journal' zu gendern.” Die Sache werde „individuell gehandhabt”, stets passend zum jeweiligen Thema. Hagedorn weiter: „Es gibt keine offizielle Entscheidung und es gibt weder Vorgabe noch Verbot. Es ist eine redaktionelle Entscheidung, dies aus inhaltlichen Gründen zu machen, also zum Thema passend.”

Gleichstellungsbeauftragte des ZDF hat keine Zeit

Hm. Kann man wirklich nichts Genaueres über die Einführung des Genderns beim ZDF erfahren? Da muss es doch ein Vorspiel gegeben haben. Vorschlag von der ZDF-Pressestelle: Man könne doch mit einer ZDF-Expertin zum Thema „gendergerechte Sprache“ sprechen. Ja, das klingt gut! Die Gleichstellungsbeauftragte des Senders hat dann aber leider keine Zeit.

Fazit: Die Sache mit dem Gendersternchen bei ARD und ZDF muss so etwas wie göttliche Eingebung gewesen sein. Aus gemeinsamer Überzeugung, aber ohne offizielle Entscheidung habe man irgendwann und irgendwie damit angefangen. Sowohl bei Anne Will als auch beim ZDF konnte oder wollte zumindest niemand konkreter Auskunft darüber geben, wie es das umstrittene Sternchen sonst in die Münder zweier Top-Moderatoren geschafft hat.

 

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Kommentare (4)

Diese gendergerechte Sprech- und Schreibweise, will eine Message übertragen. Damit sind diese Sendungen politisch und nicht neutral. Die Redakteure sollten sich lieber an die Empfehlungen des Rat der dr. Rechtschreibung halten: https://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_PM_2018-11-16_Geschlechtergerechte_Schreibung.pdf . Ich lese solche Sachen generell nicht mehr oder schalte bei solchen Sendungen konsequent um! Die können mich mal alle, mit ihren Kunstbegriffen, Wortschöpfungen und Vergewaltigung der dt. Sprache!

... bei ARD und ZDF mehr Zuschauer zur Konkurrenz ins Internet vertreiben. Je weniger Zuschauer, desto weniger Kritik und weniger Arbeit mit gleichbleibend oder höheren Gebühren. Ist wirtschaftlich für die Öffentlich-Rechtlichen ein gutes Geschäft.

Wer ist Klaus*in Kleber*in. Sollte man sie kennen?

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