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Keine Einladung in Talkshows

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Darum durften AfD und Linke nicht mitdiskutieren

Während die ARD ihr Vorgehen schriftlich begründet hat, ignorierte das ZDF die Nordkurier-Fragen gleich ganz. Foto: P. Kneffel
Während die ARD ihr Vorgehen schriftlich begründet hat, ignorierte das ZDF die Nordkurier-Fragen gleich ganz. Foto: P. Kneffel
Peter Kneffel

Vier Talkshows sendeten ARD und ZDF binnen fünf Tagen zum Polit-Theater rund um die Asylkrise. Doch nicht alle durften dort mitdiskutieren: AfD und Linke waren nicht eingeladen.

Seehofer, Söder, Dobrindt, Merkel – die Kontroverse um die Flüchtlingspolitik mündete nicht nur in eine abgrundtiefe Regierungskrise, der Kampf um Posten und Positionen wurde auch medial ausgeschlachtet. Die öffentlich-rechtlichen ARD und ZDF ließen die Talk-Ikonen Will, Maischberger, Illner und Plasberg ausschließlich zu diesem Thema von der Leine – Regierungsfraktionen und Teile der Opposition keilten kräftig aus. Der grüne Shooting-Star Robert Habeck, Vertreter der kleinsten Partei im Parlament, war sogar gleich zweimal als Talk-Gast mit von der Partie. Insgesamt waren die Grünen in drei von vier Sendungen zugegen, die FDP war immerhin einmal mit einem Gast vertreten.

Gänzlich außen vor blieben zwei Oppositionsparteien, nämlich die Linke und die AfD. Die AfD ist dabei immerhin die größte Oppositionspartei im Deutschen Bundestag. Warum wurden Gauland, Weidel und Co. von den gebührenfinanzierten Sendern ausgeschlossen?

AfD hätte „nichts Wesentliches beitragen können”

Auf Nordkurier-Anfrage gab Bernhard Möllmann von der Programmdirektion des Ersten Deutschen Fernsehens Einblick in öffentlich-rechtliche Denkweise: „In den drei Talkshows der ARD ging es nicht primär um die Asylpolitik, sondern um den Streit der Unionsparteien. Ein Vertreter der AfD hätte dazu nichts Wesentliches beitragen können.“ Wobei das dann ja, streng genommen, auch für die Oppositionspolitiker Robert Habeck, Katrin Göring-Eckhardt (Grüne) und Wolfgang Kubicki (FDP) gelten müsste.

Deswegen: Bleibt beim Ausschluss der größten Oppositionspartei nicht die Ausgewogenheit auf der Strecke? „Nein“, sagt der ARD-Mann – und schiebt die Begründung hinterher: „Äußerst bedenklich finden wir den Beschluss vom letzten Bundesparteitag der AfD in Augsburg, dass Rundfunk und Presse von Parteitagen ausgeschlossen werden können, wenn die Mehrheit der Delegierten das wünscht. Das trägt jedenfalls nicht zur freien Meinungsbildung der Leser, Hörer und Zuschauer bei.“

Und das Zweite Deutsche Fernsehen, bei dem man laut Werbeslogan „besser sieht“? Die Mainzelmännchen antworteten gar nicht erst auf die Anfrage des Nordkuriers zur Ausgewogenheit der Talk-Gäste.

Kommentar von Jürgen Mladek, stv. Chefredakteur

Die unabhängige Bevormundung

Staatsfunk! Aus rechten Kreisen werden die öffentlich-rechtlichen Sender gerne mit diesem Kampfbegriff attackiert, die lieben Kollegen von ARD und ZDF reagieren darauf regelmäßig mit äußerster Empfindlichkeit und halten die Fahne ihrer Unabhängigkeit hoch. Mit acht Milliarden Euro im Jahr, die wir alle bezahlen müssen, ist diese Unabhängigkeit auch teuer genug erkauft.

Und eigentlich sollte bei so viel Geld auch Unvoreingenommenheit inklusive sein. An der allerdings darf man zweifeln, wenn es schon als Sensation gilt, dass ein öffentlich-rechtlicher Journalist es tatsächlich ein Mal gewagt hat, in einem Kommentar den Rücktritt der Kanzlerin zu fordern. Wenn man dann noch liest, wie selbstgefällig ein ARD-Chef die „Sendepause“ für die größte Oppositionspartei begründet (siehe oben), fühlt man sich als unabhängiger Zuschauer ganz schön bevormundet.

Kommentare (3)

... für jeden, bildet sich kaum noch wer eine Meinung bei Talkshows im Fernsehen. Talkshows sind Plattformen für Selbstinszenierungen von eingeladenen Politikern. Was auch nicht verwundert, denn es heisst ja nicht umsonst Show. Fernsehen braucht mehr denn je außergewöhnliche Unterhaltung oder Krawall, um den Konkurrenzkampf mit dem Internet zu überleben.

Seit mehreren Jahren schaue und höre ich den öffentl. Rundfunk nur deshalb, um den entgegengesetzten Standpunkt besser zu verstehen, indem man die Meldungen und vor allem Meinungen negiert. Gerne mal probieren ... Dann macht die Berichterstattung eher Sinn.

Genau da liegt die Objektivität im Feuer. Journalisten werten bereits für die Konsumenten und legen denen ihre Meinung vor. Was früher nur in Kommentaren üblich war, scheint jetzt Standard zu sein. Ich würde lieber Fakten hören, selbst entscheiden, was wesentlich ist und mir daraus meine eigene Meinung bilden.