WERBEEINAHMEN

Corona-Verschwörungstheoretiker erhalten 22 Millionen Euro

Sie verbreiten Fake News über das Coronavirus und werden dafür fürstlich entlohnt. Durch Werbeeinnahmen bei Google, Amazon und andere Anbietern verdienen Corona-Verschwörungstheoretiker Millionen.
Verschwörungstheoretiker finden den Stoff für ihre Theorien meistens im Internet. Die Betreiber von entsprechenden I
Verschwörungstheoretiker finden den Stoff für ihre Theorien meistens im Internet. Die Betreiber von entsprechenden Internetseiten verdienen ihr Geld mit Werbung. Sebastian Gollnow
London.

Seit Beginn der Corona-Krise flossen rund 22 Millionen Euro an die Betreiber von Internetseiten, die Falschinformationen über das Virus und seine Folgen verbreiten. Dies geht aus einer Studie des Global Disinformation Index (GDI) hervor, der englischsprachige Websites weltweit analysiert und nach Transparenz und Wahrheitsgehalt ihrer Inhalte bewertet.

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19,2 Millionen US-Dollar und damit drei Viertel aller durch Werbung generierten Einnahmen kommen von Google. Zehn Prozent gehen auf den auf Digitalwerbung spezialisierten Anbieter OpenX zurück, sieben Prozent der Einnahmen der Verschwörungstheoretiker kommen vom Tech-Riesen Amazon. Der Studie zufolge profitierten dabei zwei Arten von Webseiten besonders stark: solche, die dubiose Heilmittel gegen das Virus propagierten oder verkauften, und solche, die Stimmung gegen Impfungen machten.

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Google wehrt sich gegen Studienergebnisse

Die Studie, die von einem internationalen Forscherteam durchgeführt wurde, untersuchte zwischen Januar und Juni Werbeblöcke auf 480 englischsprachigen Websites, die im Vorfeld als Verbreiter von Falschinformationen in Bezug auf die Corona-Pandemie identifiziert worden waren. Große Unternehmen wie L'Oreal, Canon oder Wayfair hatten auf diesen Seiten Werbung geschaltet. Nicht untersucht wurden soziale Medien wie Facebook und Online-Video-Plattformen wie Youtube, so dass die tatsächlichen Werbeeinnahmen laut GDI wahrscheinlich deutlich höher liegen.

Der Internetkonzern Google wehrt sich bereits gegen die Studie. „Dieser Bericht ist fehlerhaft, weil er weder definiert, was als Falschinformation zählt, noch sind die Einnahmeberechnungen transparent oder realistisch”, sagte ein Sprecher des Unternehmens der US-Nachrichtenagentur „Bloomberg”.

Deutsche Unternehmen werben auf dubiosen Seiten

Google prüfe nicht, so der Firmensprecher weiter, ob Internetseiten wahre oder zutreffende Informationen lieferten. Das Unternehmen habe aber fünf der zehn Seiten, die die Studie erwähnte, bereits „demonetarisiert”: Die Seitenbetreiber erhalten daher keine Einnahmen mehr aus Werbung. „Google hat strikte Veröffentlichungsvorgaben, um schädliche, gefährliche oder betrügerische Inhalte unwirtschaftlich zu halten. Außerdem gehen wir aggressiv gegen Covid-19-Inhalte vor, die schädliche medizinische Aussagen tätigen und im Widerspruch zu den Vorgaben der globalen Gesundheitsbehörden stehen”, so der Google-Sprecher. Amazon antwortete laut Bloomberg nicht auf eine entsprechende Anfrage.

„Viele Firmen rühmen sich öffentlich für ihr Engagement im Kampf gegen hasserfüllte und schädliche Inhalte, insbesondere in Bezug auf die Corona-Pandemie”, sagte GDI-Gründer Danny Rogers Bloomberg. „Diese Aussagen passen aber nicht zu dem, was unsere Daten uns zu den tatsächlichen Vorkommnissen sagen.” In einer früheren Studie kam die Nichtregierungsorganisation zu dem Schluss, dass Falschmeldungsseiten jährlich rund 235 Millionen US-Dollar durch Werbeeinnahmen generierten. Auch deutsche Unternehmen werben auf diesen Seiten. Die „Deutsche Welle” nennt diesbezüglich die Deutsche Bahn, Opel, Thalia, Postbank und die Deutsche Telekom.

Auch Facebook geriet unter Druck

Zuletzt hatten rund 90 Unternehmen einen Werbeboykott gegen Facebook gestartet, um auf den Umgang des Internet-Riesens mit Hasskommentaren und abwertenden Inhalten in seinen Diensten aufmerksam zu machen. Die Inititative #StopHateForProfit war von Bürgerrechtsorganisationen Mitte Juni ins Leben gerufen worden. Einige Firmen weiteten ihren Boykott auch auf die Facebook-Tochter Instagram sowie auf Twitter aus.

Im Zuge der Aktion gab die Facebook-Aktie um rund zehn Prozent nach, wird mittlerweile aber wieder nahe ihres Jahreshöchststandes gehandelt. Facebook-Chef Mark Zuckerberg versprach, dass er nun stärker gegen Hassnachrichten und Falschmeldungen vorgehen werde. Werbung ausgesetzt hatten unter anderem die Konzernriesen Unilever, Coca Cola, Starbucks, Honda und Hershey.

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