PENNY, NETTO, ALDI UND EDEKA

Aktionen und Rabatte gegen Lebensmittelverschwendung

Etwa 11,5 Millionen Mahlzeiten sollen bundesweit jeden Tag im Müll landen – allein in Form von Supermarktabfällen. Mehrere Supermärkte sagen dem nun den Kampf an.
Christine Gerhard Christine Gerhard
Penny, Netto, Aldi und Edeka sagen Lebensmittelverschwendung den Kampf an.
Penny, Netto, Aldi und Edeka sagen Lebensmittelverschwendung den Kampf an. Jens Kalaene
Neubrandenburg.

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen laut dem Bundeszentrum für Ernährung allein in Deutschland jedes Jahr im Müll, dabei wäre ein Großteil dieser Abfälle vermeidbar, und zwar auf der ganzen Welt. Die Vereinten Nationen haben es sich daher zum Ziel gesetzt, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren. Nun ergreifen Supermärkte in Mecklenburg-Vorpommern Maßnahmen, um der Wegwerfmentalität entgegenzuwirken, darüber berichtete die Ostseezeitung.

Aldi startet „Riech mich! Probier mich!”-Kampagne

Penny in Rostock bietet Molkereiprodukte der Eigenmarke, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald erreicht ist, so seit kurzem deutlich vergünstigt an. Und auch andere ablaufende Lebensmittel, die mit auffälligen Rabattaufklebern und dem Hinweis „Kostbares retten” versehen wurden, sind schnell vergriffen. Reduzierungen locken Verbraucher auch in vielen anderen Supermärkten des Landes, bei Edeka und Netto und denn's Biomarkt in Rostock, doch zu den älteren Produkten zu greifen.

Und Aldi Süd will seine Kunden seit einigen Wochen mit einer Aktion ganz allgemein für die Verschwendung eigentlich noch genießbarer Lebensmitteln sensibilisieren: Mit dem Aufdruck „Riech mich! Probier mich! Ich bin häufig länger gut” auf Milch und Käseprodukten soll Verbrauchern bewusst gemacht werden, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum kein Verfallsdatum ist. Tests zufolge passten Kunden ihr Verhalten entsprechend an, so Aldi-Managerin Julia Adou. Aldi Nord prüfe derzeit eine ähnliche Maßnahme.

Mindesthaltbarkeitsdatum verunsichert viele Verbraucher

Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf ist überzeugt, dass Aufdrucke auf den Waren etwas an der Wegwerfmentalität ändern könnten. Kunden seien oft verunsichert und verließen sich lieber auf die Vorgaben des Herstellers, als auf das eigene Urteil zu vertrauen. Vielen Verbrauchern sei überhaupt nicht bewusst, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht bedeute, dass ein Produkt einen Tag später ungenießbar sei, bestätigt Kristina Schütz, Pressesprecherin der Rewe Group, zu der auch Penny gehört.

Besonders in Singlehaushalten landen viele Lebensmittel im Müll. Gefährdet bei abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum weggeworfen zu werden, sind vor allem- zu einem Anteil von fast einem Drittel – Milchprodukte. Deren niedrige Preise senken die Hemmschwelle, das Lebensmittel im Zweifel zu entsorgen. In Deutschland entstünden so jährlich 42.000 Tonnen Abfall allein aus Molkereiprodukten, so Uta Nehls, Fachbereichsleiterin Lebensmittel bei der Verbraucherzentrale MV in Rostock. Daneben werden auch viele vermeintlich abgelaufene Fertigprodukte, Tiefkühlkost, Ketchups und Dips weggeworfen, die oft zum Angrillen gekauft werden und dann in Vergessenheit geraten.

Keine Sorge bei den Tafeln

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner wünscht sich, dass Verbraucher wieder mehr auf die eigenen Sinne vertrauen, hinschauen, riechen, probieren. Riecht das Produkt unangenehm, prickelt es auf der Zunge oder ist Schimmel zu erkennen – „Dann Finger weg!“, warnt Uta Nehls. Ob die Erziehungsversuche zu einem bedachteren Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum zu Klöckners Ziel beitragen kann, wird sich zeigen. Bis 2030 will sie die Menge der Lebensmittelabfälle in Einzelhandel und Haushalten halbieren. Die Angebote würden jedenfalls sehr gut angenommen, sagte Vivian Sander, Regionalleiterin bei denn's der Ostseezeitung und auch zu der Penny-Kampagne gibt es viel positives Feedback.

Die Tafeln in MV sorgen sich deshalb aber nicht: Trotz solcher Aktionen würden immer noch massenhaft Lebensmittel weggeworfen, meint Beate Kopka, Leiterin der Rostocker Tafel. Am Angebot für die Tafeln ändere sich da sicher nicht viel. Rund 90 Prozent der unverkauften Supermarktwaren landen aktuell noch im Müll – laut Deutscher Umwelthilfe bundesweit etwa 11,5 Millionen Mahlzeiten täglich.

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