Gewerkschaft
Unser Heimatbäcker: Betriebsrat rückt näher

Der Landeschef der Gewerkschaft NGG Jörg Dahms (von links) sowie die Betriebsräte Mario Bremert vom Heimatbäcker in Neubrandenburg und Ulf Evers von der Grabower Süßwaren GmbH informierten Beschäftigte vom Heimatbäcker Pasewalk über die Schritte zur Betriebsratswahl. 
Der Landeschef der Gewerkschaft NGG Jörg Dahms (von links) sowie die Betriebsräte Mario Bremert vom Heimatbäcker in Neubrandenburg und Ulf Evers von der Grabower Süßwaren GmbH informierten Beschäftigte vom Heimatbäcker Pasewalk über die Schritte zur Betriebsratswahl.
Fred Lucius

Der Appell der Gewerkschaft NGG an Beschäftigte von Unser Heimatbäcker in Pasewalk wurde erhört. Mitarbeiter des Großbetriebes wollen hier jetzt erstmalig einen Betriebsrat wählen. In einer Woche soll auf einer Betriebsversamm-lung ein Wahlvorstand gewählt werden.

Der Wechsel in der Geschäftsführung ist aus Sicht der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) die große Chance, im Bäckereiunternehmen Unser Heimatbäcker in Pasewalk erstmals einen Betriebsrat zu wählen. Die Initiative dazu hätten Mitarbeiter ergriffen. Für den Wahlvorstand, der am 17. März vor der eigentlichen Betriebsratswahl gewählt werden soll, gebe es mehrere Kandidaten, weitere könnten sich melden, sagte NGG-Landeschef Jörg Dahms auf einer Infoveranstaltung zum Thema Betriebsratswahl mit rund 50 Beschäftigten im Kulturforum.

Ziel ist ein Betriebsrat in Pasewalk und ein Konzern-Betriebsrat

„Die Firma zählt zu den zehn größten in MV. Und auf der Skala von großen Unternehmen ohne Betriebsrat steht sie an erster Stelle“, monierte Dahms. Ziel der Gewerkschaft sei es, einen Betriebsrat in Pasewalk zu etablieren, einen Konzern-Betriebsrat für alle Heimatbäcker-Standorte aufzubauen und mit der Geschäftsführung einen Vertrag über einen Flächentarif zu verhandeln. Für Letzteres müsse die Gewerkschaft auch mitgliederstark beim Heimatbäcker vertreten sein. Mit der Wahl eines Betriebsrates würden die Mitarbeiter nur das ihnen zustehende Recht in Anspruch nehmen. Vorbei sein müssten die Zeiten, in denen Mitarbeiter teilweise vor und nach der Schicht umsonst arbeiten.

Es gehe nicht darum die Firma zu schwächen, man werde auch das Gespräch mit der Geschäftsführung suchen, sagte der NGG-Landeschef und forderte die Mitarbeiter auf, zahlreich an der Betriebsversammlung teilzunehmen und den Wahlvorstand zu bestimmen. Für diesen werde die NGG eine Liste mit Kandidaten vorschlagen. Es gebe Hinweise, wonach Mitarbeitern mit Konsequenzen gedroht wurde, wenn sie zur Wahl des Vorstandes gehen. Bei Behinderungen der Wahl werde man dagegen vorgehen.

Ein solches Gerücht gehe immer wieder um

„Ich kenne keine Firma, in der ein Betriebsrat eine Firma kaputt gemacht hat“, erklärte Ulf Evers, Betriebsrat der Grabower Süßwaren GmbH. Vor einer Urwahl eines solchen Gremiums tauche ein solches Gerücht immer wieder auf. Nach dem Eigentümerwechsel im Jahr 2010 habe man in Grabow einen Betriebsrat gewählt. „Damals gab es bei uns sieben Gewerkschafter, jetzt sind 90 Prozent der Mitarbeiter organisiert. Wir haben einen Manteltarifvertrag. Und in acht Jahren haben sich die Löhne verdoppelt. Das war ein harter Kampf bei uns, aber am Ende erfolgreich“, erklärte Evers. Einen ähnlichen Weg wolle man in Pasewalk beim Heimatbäcker gehen.

Kommentare (4)

sind keine Schokoküsse. Allzu süß ist das Bäckerleben nicht mehr. In den Städten schließt eine Bäckerei nach der anderen. Eine Lohnverdoppelung können sie vergessen. Müssen froh sein, nicht arbeitslos zu werden. Bäcker ist ein sterbender Beruf.

darum sollten sich die Bäcker bemühen, mit Natürlichkeit und Zutatenqualität sowie einem hochwertigen Frühstücks- und Kaffeeangebot gegenzuhalten, auch weil die Politik seit ein paar Jahren unsinnigerweise Lebensmittelkonzernen auch noch das Anbieten von angeblich frischen Backwareb erlaubt.

Sagt macht schon Eindruck. Nur sollte jeder sich auch im klaren sein das in den vergangenen acht Jahren zweimal ein Mindestlohn gekommen ist. Wer vorher 5€/h hatte und dann 8€ der hat automatisch schon 60 Prozent mehr. Bei 8,84€ sind es schon knapp 77 Prozent. Nur leider wird sich diesen "Erfolg" nicht die NGG auf ihre Fahnen schreiben können.

Nahrung-Genuss-Gaststätten setzt den Bäckern in Pasewalk Flöhe ins Ohr. Selbst für eine Großbetrieb ist das gefählich, denn wenn sie zu viel Lohn fordern und auch bekämem, könnte der ganze Betrieb pleite gehen. Oder es müsste vorher schon Entlassungen geben.