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Personalmangel

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Polizei kann Ernte-Umzüge nicht mehr absichern

So einen Umzug, wie in Rossow schon einmal praktiziert, möchte eigentlich keiner haben: Die Teilnehmer marschieren auf der B 104 auf der einen Straßenseite, während auf der anderen Seite die Fahrzeuge vorbeirollen. Die Polizei sieht sich personell nicht in der Lage, solche Umzüge mit Sperrungen zu begleiten.
So einen Umzug, wie in Rossow schon einmal praktiziert, möchte eigentlich keiner haben: Die Teilnehmer marschieren auf der B 104 auf der einen Straßenseite, während auf der anderen Seite die Fahrzeuge vorbeirollen. Die Polizei sieht sich personell nicht in der Lage, solche Umzüge mit Sperrungen zu begleiten.
Nordkurier-Archiv

In Boock und Polzow fanden bereits die Erntefeste statt. An diesem Wochenende folgen Blankensee und Zerrenthin. Doch in den Dörfern gibt es Unmut, weil die Polizei den Gemeinden nicht mehr bei Straßensperrungen zur Seite steht.

Die Polizei, dein Freund und Helfer? Boocks Bürgermeister Gunnar Mißling kommen da ab und an Zweifel. Für das Erntefest in der Gemeinde hatte er um Unterstützung von der Polizei bei der Sperrung der Kreis- und Gemeindestraßen gebeten. Doch von dort kam eine Absage: kein Personal, lautete die Antwort. Dabei stand während des Umzuges ein Streifenwagen in einem Seitenweg. „Es wird immer mehr auf die Gemeinden abgewälzt. Das betrifft auch die Verkehrssicherheit bei solchen Festen“, moniert Mißling. Als Bürgermeister höre er zunehmend, was er nicht dürfe, wozu er aber immer mehr verpflichtet sei. Dank der Boocker Feuerwehr-Kameraden und mithilfe einer vom Löcknitzer Bauhof ausgeliehenen Verkehrsbake konnte man die Absperrung gewährleisten. Vor allem Radlergruppen aus Polen hätten sich in der Vergangenheit nicht an die Straßensperrungen gehalten. Für den Boocker Bürgermeister ist es rechtlich fraglich, ob die Feuerwehrleute für einen solche Aufgabe eingesetzt werden können. Schließlich seien sie nicht befugt, bei Verstößen einzugreifen. „Und die Kameraden wären auch viel lieber mit Umzug mitgegangen. Denn die Feuerwehr gehört zum Dorf und damit auch in den Umzug“, sagt Mißling.

Dass die Gemeinden mit den Straßensperren alleine gelassen werden, sieht auch Polzows stellvertretender Bürgermeister Ralf Giese so. Für den Umzug im Dorf wird die viel befahrene B 104 genutzt. „Man hat uns gesagt: ‚Ihr habt den Umzug lange geplant und angemeldet, daher ist keine Polizei notwendig‘“, erzählt Giese. Die Absperrtechnik habe man dankenswerterweise kostenlos von der Straßenmeisterei in Pasewalk zur Verfügung gestellt bekommen.

Polizeieinsatz sei nie zwingend erforderlich gewesen

Über das Innenministerium sei die Landesregierung nicht in der Lage, ihre eigenen Leute ordentlich zu schützen, spitzt es Rossows Bürgermeister Edmund Gebner zu und verweist darauf, dass im Umzug zum Musikfest oder Erntefest in Rossow Verkehrsminister Pegel (SPD) oder die Vize-Landtagspräsidentin Beate Schlupp (CDU) mitgehen. Vor allem Kradfahrer würden die Absperrungen ignorieren. „Es ist doch etwas anderes, wenn ein Polizist dort steht als ein Feuerwehrmann. Die hat man schon fast einmal umgefahren“, schildert Gebner. Bei Verstößen notierte und an die Polizei weitergegebene Fahrzeug-Nummernschilder würden später niemanden interessieren. „Das muss wieder anders werden“, fordert Gebner.

Ein Polizeieinsatz bei Erntefest-Umzügen sei auch in der Vergangenheit nie zwingend erforderlich gewesen, macht hingegen Polizeisprecher Andrej Krosse von der Inspektion Anklam deutlich. Die Gemeinden hätten mit einer verkehrsrechtlichen Anordnung die Erlaubnis zur Straßensperrung. Damit sei der Zweck erfüllt. Die Reviere hätten zudem die Information, dass Polizisten im Rahmen der Streifentätigkeit derartige Veranstaltungen auch beobachten, fügt der Polizeioberkommissar hinzu. „Wenn wir bei solchen Umzügen die Straßensperren absichern, stehen die Kollegen nicht mehr für andere Einsätze mit höherer Priorität zur Verfügung. Personell ist das nicht zu gewährleisten“, sagt Krosse.