INSOLVENZ

Lila-Bäcker-Mitarbeiter haben Angst vor Zukunft

Dass der Lila Bäcker 75 Filialen schließen will, verunsichert die Mitarbeiter in Pasewalk. Doch sie sind auch irritiert. Denn das Unternehmen sucht auch neue Mitarbeiter.
Rainer Marten Rainer Marten
Derzeit sind fünf Lila Bäcker-Filialen in Pasewalk geöffnet. Ob am Ende der Insolvenz immer noch soviele vorhanden sein werden, bezweifeln einige.
Derzeit sind fünf Lila Bäcker-Filialen in Pasewalk geöffnet. Ob am Ende der Insolvenz immer noch soviele vorhanden sein werden, bezweifeln einige. ZVG
Pasewalk.

„Wir sind die Letzten, die informiert werden!” Die Verkäuferin beim Lila Bäcker in Pasewalk ist nicht nur nicht informiert, sie ist auch sauer: Am Donnerstagmorgen hatte sie aus der Zeitung erfahren, dass die Lila Bäcker-Kette rund 75 Filialen in Berlin, Brandenburg und in Mecklenburg-Vorpommern schließen wird. „Mit uns redet über so etwas niemand. Früher gab es mal eine schriftliche Information, jetzt hält sich die Geschäftsführung zurück”, sagt die Frau, die darum bittet, nicht genannt zu werden.

Aktuell sucht der Heimatbäcker aber offenbar immer noch Mitarbeiter. Ein Blick auf die Firmenwebsite zeigt: Verkäuferinnen oder Verkäufer an 17 Standorten werden gesucht. Ebenfalls fehlen dem Unternehmen Techniker für Pasewalk sowie Saisonkräfte auf Usedom und Ückeritz für den Verkauf. Gesucht werden Bäcker und Konditoren für den Neubrandenburger Standort, Promoter für Berlin. Wer Mitarbeiter sucht, setzt auf Zukunft.

Mindestens eine Filiale soll schließen

Bereits vor der Meldung zu den Filialschließungen habe es Unruhe in den Filialen gegeben, erzählt eine andere Verkäuferin später: Mitarbeiter wurden hin und her geschoben. „Wenn man noch in der Stadt bleiben kann und nicht zig Kilometer fahren muss, dann geht das in Ordnung. Aber viele Kilometer fahren?” Sie habe da kein Interesse dran, sagt sie.

Aber möglicherweise kommen solche Angebote auch auf die Verkäuferinnen in Pasewalk zu. Ein Unternehmer, der die Lage kennt, schließt das Aus mindestens einer Filiale in der Stadt nicht aus. Rein rechnerisch kamen im Februar auf 1750 Einwohner in Pasewalk eine Lila-Bäcker-Filiale. Im März sah es dann schon anders aus: Nach den großen Umbauarbeiten bei Edeka in der Torgelower Straße wurde die Filiale nicht wieder eröffnet; bis heute ist der Stand „zugenagelt”. Damit würden in Pasewalk jetzt auf 2100 Einwohner eine Lila-Bäcker Filiale kommen. „In anderen Städten sind es mehr”, sagt er.

Die Bäckereikette hatte im Januar Insolvenz angemeldet. Seit Anfang April läuft das Insolvenzverfahren in Eigenregie. Bis zum 13. Mai soll ein Modell zum Fortbestand der Kette vorliegen.

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