Insolvenz
Lila Bäcker ist pleite - Gehälter vorerst sicher

Die Kette "Unser Heimatbäcker", die vor allem als "Lila Bäcker" firmiert, ist pleite.
Die Kette „Unser Heimatbäcker”, die vor allem als „Lila Bäcker” firmiert, ist pleite.
Jens Büttner

Die Bäckereikette „Lila Bäcker” aus Pasewalk ist insolvent. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Die Firma hat 2700 Mitarbeiter.

Das Amtsgericht Neubrandenburg hat einem Antrag auf ein „gerichtliches Eigenverwaltungsverfahren” bei der Pasewalker Bäckereikette „Unser Heimatbäcker”, die vor allem unter der Marke „Lila Bäcker” bekannt ist, eingeleitet. Mit anderen Worten: Die Firma ist pleite. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Es handelt sich mit 2700 Mitarbeitern um einen der größten Arbeitgeber der Region mit Filialen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Berlin. Der Verkauf in den 400 Filialen laufe weiter.

Mit dem Verfahren könne das Unternehmen unter dem seit einem überraschenden Wechsel im Februar 2018 amtierenden Geschäftsführer Stefan Blaschak die momentane massive finanzielle Schieflage überwinden. „Durch das gesetzliche Verfahren erhalten wir sehr frühzeitig Unterstützung bei unserer Sanierung und bleiben – trotz des offiziellen Verfahrens – ein zuverlässiger und leistungsstarker Geschäftspartner.“

Gehälter sind für zwei Monate sicher

Blaschak macht Defizite in der in der gesamten Wertschöpfungskette, vom Einkauf über die Produktion bis hin zur Warenauslieferung, aus.„Unser Heimatbäcker wurde durch Fehler und Handlungen in der Vergangenheit in eine schwierige Situation gebracht, die das Unternehmen erheblich geschädigt haben“, begründet er die andauernde Schieflage. Man hoffe, dass Lieferanten, Mitarbeiter und Kunden der Firma in dieser schwierigen Situation die Treue hielten. Auf die Beschäftigungsverhältnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe der Antrag zunächst keine Auswirkungen, da sämtliche Gehälter bis Ende Februar 2019 durch dieses Verfahren gesichert sind. 

Vor kurzem war bekannt geworden, dass gegen die Anfang 2018 abgelösten Ex-Inhaber und -Geschäftsführer des Unternehmens ermittelt wird. Es hatte auch eine Razzia gegeben.

Vorpommern-Staatssekretär pocht auf tragfähige Lösung

Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) sagte: „Der Lila Bäcker ist einer der großen Arbeitgeber in Vorpommern. Deshalb muss für die Zukunft des Standortes und für die Männer und Frauen rasch eine tragfähige Lösung erarbeitet werden. Wichtig ist, dass somit der Lohn gezahlt werden kann.“

Gestern Abend brannte in der Chef-Etage des Lila Bäckers noch Licht. Ein Mitarbeiter sagte auf Nordkurier-Nachfrage, dass dort aber niemand mehr sei. Ansonsten wirkte es auf dem Gelände gespenstig still. Der Verkauf in den rund 400 Filialen werde während der Sanierung aber weiter gehen.

Kommentare (1)

geht weiter! Der Beruf Bäcker scheint auszusterben. Neu heißt er Linienführer in einer industriellen Backstraße. Viele Ketten produzieren am Fließband und liefern dann aus, SB-Bäckereien werden größtenteils mit Tiefkühlware aus dem Ausland beliefert, wo die Lohnkosten niedriger liegen. Lag der tägliche Brötchenverkauf bei vielen Hausbäckern vor zehn Jahren noch bei 3000 Stück, liegt dieser heute teilweise nur noch bei 1000 Stück.