Unsere Themenseiten

Massenentlassungen beim „Heimatbäcker”

:

Hat der Lila Bäcker die Falschen gefeuert?

Brot und Brötchen sollen weiter beim Heimatbäcker in Pasewalk gebacken werden. Doch offenbar wurde auch Bäckern gekündigt, obwohl die Konditorei hier schließt.
Brot und Brötchen sollen weiter beim Heimatbäcker in Pasewalk gebacken werden. Doch offenbar wurde auch Bäckern gekündigt, obwohl die Konditorei hier schließt.
Archiv

Die Verunsicherung unter Beschäftigten vom Heimatbäcker in Pasewalk ist weiterhin groß. Die Gewerkschaft hatte zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Dort kamen neue Details ans Licht, die das Unternehmen schlecht aussehen lassen.

Das Pasewalker Unternehmen „Unser Heimatbäcker“ hat bei den Kündigungen seiner rund 50 Konditorei-Mitarbeiter in Pasewalk zuerst offenbar die Falschen ausgesucht. Bei einer Infoveranstaltung der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) für die Belegschaft war zu erfahren, dass es ziemlich chaotisch zugegangen sein muss bei den Entlassungen.

Statt Konditoren seien Bäcker entlassen worden. Torten und Kuchen will der Heimatbäcker (Lila Bäcker) künftig am Standort Neubrandenburg fertigen, die Produktion von Brot und Brötchen soll in Pasewalk verbleiben. Bei einigen Bäckern seien daraufhin die Kündigungen zurückgenommen worden, sagte eine Mitarbeiterin bei der NGG-Veranstaltung.

Kündigungen für alleinerziehende Mütter

Eine weitere Beschäftigte beklagte, dass es bei den Kündigungen keine Sozialauswahl gegeben habe. Langjährige Beschäftigte seien von der Kündigung ebenso betroffen gewesen wie alleinerziehende Mütter, Beschäftigte in Elternzeit oder ein Azubi.

NGG-Landesgeschäftsführer Jörg Dahms riet ebenso wie der Pasewalker Rechtsanwalt und Stadtvertreter Michael Ammon den Beschäftigten, Kündigungsschutzklagen einzureichen und damit eine Wiedereinstellung oder einen Vergleich (Abfindung) zu erreichen. Dafür hätten sie 21 Tage nach Kündigungseingang Zeit. Wenn dies nicht geschehe, gelte die Kündigung als angenommen.

Erste Mitarbeiter reichen Klage ein

Dahms zufolge haben die ersten Mitarbeiter diesen Schritt getan. „Was haben sie noch zu verlieren? Wer nicht klagt, hat keine Ansprüche“, sagte der Gewerkschafter. Nach Einschätzung von Michael Ammon hätten die betroffenen Mitarbeiter mit einer Kündigungsschutzklage durchaus Chancen. Der Rechtsanwalt begründet dies damit, dass Beschäftigten kein Angebot zur Übernahme in Neubrandenburg unterbreitet wurde.

Dort sollen laut Gewerkschaft neue Mitarbeiter eingestellt worden sein. „Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass er die richtige Auswahl getroffen hat. Deshalb haben sie keine schlechten Karten“, sagte Ammon. Bei dem Einkommen der Beschäftigten sei es möglich, dass diese Prozesskostenbeihilfe gewährt werde.

Kommentare (1)

Des Prinzips wegen ist eine Klage sinnvoll. Ansonsten ist dieser Arbeitgeber keine Alternative es sei denn, der Kapitalismus des 19. Jahrhunderts hält wieder Einzug in Deutschland. Dann wären für die Vorstellungen Karl Marx liegend in Neubrandenburg aufzustellen ein aktualisiertes Brainstorming nötig. Ein Betriebsrat, der die Arbeitnehmerrechte lt. Betriebsverfassungsgesetz beim Arbeitgeber beaufsichtigt und gegebenenfalls einfordert, hätte vermutlich das Chaos (siehe z.B. Kündigungsrücknahmen) in der Geschäftsführung verhindert. Manchmal hilft ein Betriebsrat Unternehmen, die eine unterentwickelte Unternehmensführung haben.