TELEFONBETRUG IN VORPOMMERN

Cleverer Taxifahrer bewahrt Rentner vor Enkeltrick

Der 87-Jährige aus dem Dorf bei Pasewalk kannte die berüchtigte Masche eigentlich ganz gut. Fast wurde er nun selbst ein Opfer der Telefon-Betrüger.
Rainer Marten Rainer Marten
„Sie sind mein Retter!“ Karl-Heinz Röske (rechts) in Rothemühl ist dankbar für die Hinweise von Taxiunternehmer Heinz Schulz. Während der Fahrt zur Bank machte Schulz den Senior aufmerksam, dass es sich um einen Trickbetrug handeln könnte.
„Sie sind mein Retter!“ Karl-Heinz Röske (rechts) in Rothemühl ist dankbar für die Hinweise von Taxiunternehmer Heinz Schulz. Während der Fahrt zur Bank machte Schulz den Senior aufmerksam, dass es sich um einen Trickbetrug handeln könnte. Rainer Marten
Strasburg.

An diesem Freitagmorgen hat Karl-Heinz Röske den Nordkurier schon durchgeblättert. Landesnachrichten, Lokales – der 87-Jährige interessiert sich für alles, was im Land und „nebenan“ passiert. „Deshalb wusste ich auch, dass es den Enkeltrick gibt, diesen Trick, um an das Ersparte älterer Leute zukommen. Ich hatte mir sogar eine Variante zurechtgelegt, wie ich reagieren würde, wenn so ein ‚Enkel‘ bei mir anruft“, erzählt der Pfarrer i.R. Er fühlte sich für einen solchen Anruf gewappnet.

Am Mittwoch passierte es dann wirklich. Gegen 13 Uhr klingelte das Telefon. Die Stimme am anderen Ende spulte eine Geschichte ab, von der sich der Rothemühler einspinnen ließ. Das Gespräch habe mit der Frage begonnen, wer wohl am Telefon sei. „Ein Neffe von dir“, sagte die Stimme. Irgendwann sei der Name Gottfried gefallen; diesen Neffen gibt es wirklich. Hat er diesen Namen selbst ins Spiel gebracht oder ihn der andere vor dem Anruf auskundschaftet? Sicher ist sich Röske da nicht.

Taxifahrer rief sofort die Polizei an

„Im Gespräch ging es dann um Geld für einen Hauskauf in Koblentz.“ Die Angelegenheit würde drängen, da sich das Gebäude in der Versteigerung befände. „Ich hatte wegen der mir bekannten Stimme und der Art, wie der Mann mit mir sprach, wirklich das Gefühl, dass dort mein Neffe Gottfried spricht“, so der Rothemühler. Den Hörer sollte der Rothemühler nun aber nicht mehr auflegen, weil es sich ja um eine aktuelle Versteigerung handelt und man in Kontakt bleiben müsse.

Röske bestellte sich über sein Handy ein Taxi. Taxiunternehmer Heinz Schulz fuhr wenig später in Rothemühl vor. Auf der Tour in Richtung Strasburg kamen beide über den Zweck der Fahrt ins Gespräch. Neffe, Bank, Geld abheben, Hauskauf – bei dem Strasburger schrillten alle Alarmglocken. „Auf der Hinfahrt zur Bank habe ich dann die Polizei angerufen, den Fall geschildert und gesagt, dass alles sehr verdächtig sei. Die Antwort war: Der Senior könne so viel Geld abheben, wie er wolle. Ich solle das mal weiter beobachten. Und wenn es wirklich zu einer Übergabe komme, dann seien Polizisten in 15 Minuten da ...“

Neffe hatte gar nicht angerufen

Weil sich der Taxifahrer so sehr um die Sache bemühte, kamen nun auch Röske Zweifel. War das wirklich die Stimme des Neffen? Kann er als Träger von Hörgeräten die Feinheiten einer Stimme noch erkennen? Die Zweifel wuchsen: Hier ist etwas faul! Und dem Himmel sei Dank, die Bank hatte zu! Zurück in Rothemühl, legte er den Hörer auf. Kurze Zeit später klingelte das Telefon erneut, und der Mann sagte verärgert: „Schönen Dank auch!“

Nach einer unruhigen Nacht erreichte Röske am nächsten Tag seinen echten Neffen, und der bestätigte, nicht telefoniert zu haben. Dankbar rief Röske nun auch beim Taxiunternehmer an: „Herr Schulz, Sie sind mein Retter!“ „Ich werde jetzt noch misstrauischer sein“, sagte Röske am Freitag dem Nordkurier. „Für mich steht fest: Geldangelegenheiten klärt man nie am Telefon!“

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